Wirtschaftsprüfung mit KI

Ein Schwyzer Start-up tritt gegen die Big Four an

Uhr | Aktualisiert

Indagia hat eine Lösung zur automatischen Wirtschaftsprüfung entwickelt. Das Start-up setzt dafür auf KI, Automatisierung und die Cloud. So will es kleineren Revisionsgesellschaften den Rücken im Wettbewerb mit den globalen Playern stärken.

Von links: Hans und Henry Bühler, die Gründer von Indagia. (Source: Indagia)
Von links: Hans und Henry Bühler, die Gründer von Indagia. (Source: Indagia)

Mit Indagia haben die beiden Brüder Hans und Henry Bühler ein Start-up auf die Beine gestellt, das Revisionsgesellschaften die Arbeit erleichtern will. Die Software des Schwyzer Unternehmens könne die Prüfung von Finanzdaten mit Hilfe künstlicher Intelligenz (KI) automatisieren, versprechen die beiden Gründer. So lasse sich bei der Revision vor allem Zeit sparen.

Die Geschäftsidee für Indagia sei den beiden Brüdern während ihrer Zeit bei Deloitte und PwC gekommen, sagt Henry Bühler auf Anfrage. Sie hätten festgestellt, dass bei den grossen Wirtschaftsprüfern kaum jemand auf Data Analytics setze. Viele Revisionsaufgaben würden dort noch verrichtet wie in den 90ern.

Big Four hätten kein Interesse an Digitalisierung

Das Potenzial zur Automatisierung der Prüfungsprozesse sei vorhanden und technisch auch kein Problem, ist Bühler überzeugt. Die "Big Four" in der Wirtschaftsprüfung - Deloitte, EY, PwC und KPMG - hätten allerdings kein Interesse daran. Da sie sich nach Arbeitsstunden bezahlen liessen, verlagerten sie Routinearbeiten lieber nach Osteuropa oder Indien, statt sie zu digitalisieren. So werde Innovation verhindert.

Hans und Henry Bühler hätten einen anderen Weg gewählt und gingen diesen nun mit Erfahrung in Audit, Programmierung und Cloud Computing. "Wir wollen besonders kleinen und mittleren Revisionsgesellschaften die Automatisierung von Revisionsarbeiten ermöglichen, damit diese sich besser gegen die Big Four positionieren können", sagt Bühler.

KI verarbeitet Unternehmensdaten

KI komme im automatisierten Prozess auf verschiedenen Ebenen zum Einsatz. So werde die Risikobeurteilung durch Algorithmen festgelegt, die auf interne und externe Informationsquellen zurückgreifen. Etwa Eingaben des Wirtschaftsprüfers wie Kundenbefragungen oder Vorjahresberichte, die auch in die Beurteilung einflössen.

Mit der Risikobeurteilung sei die Software dann in der Lage, entsprechende Prüfungshandlungen vorzuschlagen und auch selber durchzuführen. Auch für die Prüfung der Buchungsjournale setze man auf KI, um auffällige Transaktionen wie Fehler oder dubiose Handlungen zu erkennen.

Indagia erhalte aktuell ein Coaching von Innosuisse für die Markteinführung der Software und den Aufbau der Organisation. Bei der Cloud-Infrastruktur verwende man Microsoft Azure. Ein Team in Indien entwickle das Frontend und die Integration. Der Marktstart sei für Ende September geplant.

Indagia zielt auf KMUs im In- und Ausland

Um sich gegen die Marktmacht der grossen Wirtschaftsprüfer behaupten zu können, wolle Indagia sich zuerst auf die Schweizer Prüfungsstandards und auf Schweizer Recht ausrichten. Zudem setze das Unternehmen auf Agilität. Die global tätigen Firmen seien aufgrund ihrer internationalen Zusammenarbeit schwerfällig, die Einführung neuer IT-Technik könne Jahre dauern.

Als Vorteil sieht Bühler auch, dass fast drei Viertel aller Revisionen von kleinen Unternehmen erbracht werden. Auf diese Kunden ziele Indagia auch im Ausland. Man wolle die Software mittelfristig in andere Bereiche wie Internal Audit und Controlling ausdehnen.

An diese potenziellen Kunden heranzukommen sei allerdings keine leichte Aufgabe, merkt Henry Bühler an: "In Kontakt zu kommen ist schwierig, besonders wenn jemand etwas Neuartiges in einer Branche einführen will, wo seit langem nichts neues geschieht." Indagia suche deshalb aktiv nach Revisoren und Revisionsgesellschaften und werbe direkt um sie.

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