Podium zum "Swiss E-Health Summit"

"Es gilt, in einem stark regulierten Markt die Versorgung der Menschen nicht aus den Augen zu verlieren"

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Am 11. und 12. September findet im Kursaal Bern der "Swiss E-Health Summit" statt. Jürgen Holm, Abteilungsleiter Medizininformatik an der Berner Fachhochschule, gibt zu Themen Auskunft, welche die Gesundheitsbranche momentan beschäftigen.

Jürgen Holm, Abteilungsleiter Medizininformatik, Berner Fachhochschule. (Source: zVg)
Jürgen Holm, Abteilungsleiter Medizininformatik, Berner Fachhochschule. (Source: zVg)

Das Motto des diesjährigen Summits lautet ­"Leadership & Praxis für eine innovative Gesundheitsversorgung". Was verstehen Sie darunter?

Jürgen Holm: Leadership heisst in erster Linie, Verantwortung zu übernehmen, eine Eigenschaft, die in der Gesundheitsversorgung von besonderer Bedeutung ist. Es gilt, in einem stark regulierten Markt die Versorgung der Menschen nicht aus den Augen zu verlieren – und hier sind wir in der Praxis: Effizienz dort, wo sie zielführend ist – etwa ambulant vor stationär, einheitliche Finanzierung, und Innovation in der interprofessionellen Zusammenarbeit unter Einbezug der Patienten entlang der Behandlungspfade, unterstützt durch datenbasierte Technologien.

Was waren die bisher grössten Hürden, die das Schweizer Gesundheitswesen in Bezug auf die digitale Transformation überwinden musste?

Dies sind in erster Linie partikuläre Eigeninteressen, die den ganzheitlichen Blick auf die Zusammenarbeit im Gesundheitswesen versperren. Für mich ist es letztlich unverständlich, dass wir noch heute darüber reden müssen – wie vor 20 Jahren –, wie wichtig eine strukturierte, interoperable Datenerfassung ist. Daten-Interoperabilität ist die Blutgruppenkompatibilität für die digitale Transformation und den effizienten – und effektiven! – Betrieb von Data Science Centern.

Was sind für Sie die wichtigsten Trends im ­Schweizer E-Health?

In Abhängigkeit vom Erfolg des EPDs könnte es einen Schub in Sachen Interoperabilität geben. Wenn die Infrastrukturhersteller es schaffen, mit der gleichen technischen Basis wie beim EPD parallel B2B-Plattformen zu etablieren, könnte ein schweizweites B2B zwischen den verschiedenen Akteuren entstehen. Zu Ende gedacht, wird mit dem EPD eine schweizweite einheitliche Infrastruktur für den (interoperablen) Daten- und Dokumentenaustausch gebaut. Das hätte grosses Potenzial und würde den Mehrwert für die Finanzierung liefern.

Mit welchen Entwicklungen müssen sich ­IT-Entscheider im E-Health-Bereich in nächster Zeit auseinandersetzen?

In erster Linie wird sicher die Medical Device Regulation (MDR) ein Thema werden – dort, wo Daten zur diagnostisch-therapeutischen Ableitung erhoben werden. Damit einhergehend werden wir eine Professionalisierung im E-Health erleben und möglicherweise Produkte, die auch einer positiven Beurteilung nach dem WZW-Prinzip in klinischen Studien standhalten. Spannend wird sein, ob diese Produkte es dann auf die "MiGel"-Liste schaffen. Natürlich sind die Data Science Center sicher ein Trend. Ich erwarte wesentliche neue Möglichkeiten und Erkenntnisse aus den dort verarbeiteten Daten. Leider sind die Datenflüsse nicht einfach in diese Center zu kanalisieren. Interoperabilitätsfragen sind dabei nur eines der Probleme. Die Meinung, dass man – oder "die Anderen" – mit den Daten Geld verdienen können und andere Partikularinteressen, verhindert aber ein zügiges Voranschreiten und ist aus ethischer Sicht auch zu hinterfragen – zumindest dann, wenn es sich um rein medizinische Grundlagenforschung handelt.

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