Focus: Android

Die Entwicklung von User Experience in der Android-Welt

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von Simon Rösch, Verantwortlicher Android, Ubique Innovation

Der Blick auf die Geschichte von Android zeigt uns, wie kleine Änderungen einen grossen Einfluss auf die User Experience haben können. Wer weiss noch, dass Android-Smartphones früher einen dedizierten Menü-Button hatten? Und was hat dessen Verschwinden mit UX zu tun? Und wohin geht es mit Android in Zukunft?

Simon Rösch, Verantwortlicher Android, Ubique Innovation. (Source: mikeflam.ch)
Simon Rösch, Verantwortlicher Android, Ubique Innovation. (Source: mikeflam.ch)

Ein Nutzer eines Produkts möchte grundsätzlich eine Aufgabe lösen, unabhängig davon, ob es sich um ein Küchengerät oder eine App handelt. Er möchte beispielsweise ein Billett kaufen oder die Wahrscheinlichkeit für Regenschauer prüfen, wobei unbewusst ein mentales Modell aus vorherigen Erfahrungen mit ähnlichen Produkten entstanden ist. Es wird somit mit einer gewissen Erwartung an die Bewältigung einer Aufgabe gegangen. Wird diese Erwartung nicht erfüllt, muss ein Nutzer zusätzlichen Aufwand betreiben, um seine Aufgabe lösen zu können. Dies kann die Geduld strapazieren und negative Akzente bei der Experience setzen.

Mit der Zeit lernen Nutzer einer Plattform bestimmte Verhaltensmuster, die zu einem gewünschten Ergebnis führen. Schon im Kindesalter machen wir die Erfahrung, dass das Schieben einer Tasse über den Tischrand meist in Scherben endet. Ähnlich verhält sich dies beim Umgang mit Android-Smartphones. Das Drei-Punkte-Menü-Icon etwa muss vom Nutzer erst erlernt werden. Ist diese Funktion nun einmal eingeprägt, erwartet ein Nutzer hinter diesem Icon stets dieselbe Funktion, nämlich die Anzeige weiterer Menü-Funktionen.

Erwartungshaltung der Nutzer befriedigen

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt jedoch, dass diese Konsistenz bei Android nicht von Beginn an da war. Unter Android 2 waren bei den Smartphones vier Hardware-Buttons verfügbar: Zurück, Menü, Suche und Home. Obwohl der Menü-Button stets zugänglich war, stellte er sich aus UX-Perspektive als Flop heraus. Nicht jede App bot auf jedem Screen Menü-Optionen an, was mit der Erwartungshaltung der Nutzer brach. Es konnte somit kein allgemeingültiges Nutzerverhalten erlernt werden, sondern der Nutzer musste sein Verhalten für jede App individuell anpassen.

In den aktuellen Android-Versionen wurde diese Problematik nun deutlich besser gelöst: Es gibt keine physischen Buttons mehr und der Menü-Button wird pro App individuell angezeigt. Dadurch ist er nur noch dort sichtbar, wo auch wirklich ein Kontext-Menü vorhanden ist. So weiss ein Nutzer stets, wo weitere Funktionen vorhanden sind und wo nicht. Auch wenn dieser Unterschied marginal erscheinen mag, hat es auf das Nutzererlebnis einen erheblichen Einfluss.

Android-Plattform wird konsistenter

Als App-Entwickler sind wir den UX-Patterns einer Plattform ausgeliefert, egal ob diese gut oder schlecht sind. Ein Nutzer kennt die über viele Apps identischen Patterns und findet sich so schnell in einem User Interface (UI) zurecht. Während bei Apple die Guidelines bezüglich App-Design schon von Anfang an ziemlich klar waren und in vielen Apps umgesetzt wurden, hatte Android in dieser Hinsicht einen schlechteren Start. Auch heute gibt es noch viele Android-Apps, die sich nicht vollständig an die Plattform-Patterns halten. Das macht die App-Landschaft für Nutzer verwirrender, da sie weniger allgemeingültige Patterns erlernen können. So ist es entsprechend schwieriger, eine gute App zu entwickeln.

Durch klarere Guidelines von Google für App-Entwickler sowie Vorschriften an die Gerätehersteller, weniger eigene Modifikationen an Android vorzunehmen, wird auch die Android-Plattform immer ausgereifter und konsistenter. Entsprechend erwarten wir eine Fortsetzung des Trends der immer professioneller und besser werdenden Android-Apps.

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