Social Distancing in Zahlen

Die Schweiz unter Quarantäne: Was uns Google verrät

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Google hat Geodaten für 131 Länder vorgestellt - darunter auch die Schweiz. Die Statistik veranschaulicht, wie sich unser Verhalten in den letzten Wochen verändert hat. Vieles ist anders in der Corona-Quarantäne.

(Source: Photo by Djurdjica Boskovic on Unsplash)
(Source: Photo by Djurdjica Boskovic on Unsplash)

Seit Mitte März leben die Schweizer mehrheitlich in den eigenen vier Wänden. Grund ist die behördliche Anweisung, zuhause zu bleiben, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Neben der Polizei nutzt das Bundesamt für Gesundheit (BAG) Handydaten der Swisscom, um zu überwachen, ob das Versammlungsverbot grösserer Gruppen auch eingehalten wird.

Nun stellte Google Mobilitätsdaten aus 131 Ländern vor, darunter auch der Schweiz. Der Bericht basiert auf anonymisierten und aggregierten Daten von Nutzern, die ihren Standortverlauf aktiviert haben (eine Funktion, die laut Google standardmässig deaktiviert ist).

Weniger Freizeitaktivitäten, Einkäufe und Mobilität

Die Daten zeigen einen offensichtlichen Wandel im Verhalten der Schweizer. Die Besucherzahlen in Cafés, Restaurants, Museen und Kinos sind landesweit um 81 Prozent zurückgegangen. Und die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel nahm um 68 Prozent ab. Die Schweizer besuchen auch Geschäfte und Apotheken nur noch halb so häufig, obwohl es hier einige regionale Unterschiede gibt. So ist beispielsweise das Einkaufen in der Deutschschweiz um 35 Prozent, in der Westschweiz um 48 Prozent und im Tessin, der am stärksten von der Pandemie betroffenen Region, um 69 Prozent zurückgegangen (basierend auf den Medianwerten).

Trotzdem gehen die Schweizer weiterhin nach draussen. etwa zum Spazieren. Die Besucherzahlen in öffentlichen Parks und Gärten sind zwar generell um um 41 Prozent gesunken, schwanken jedoch stark, vielleicht abhängig von Feiertagen und dem Wetter. Der Unterschied zu Ländern mit strikteren Regeln, ist ebenfalls erkennbar. In Frankreich ging die Nutzung öffentlicher Parks doppelt so stark zurück (-82 Prozent).

Weniger im Büro, öfter zuhause

Auch die Schweizer haben in den letzten zwei Wochen weniger Zeit am Arbeitsplatz und mehr Zeit zuhause verbracht. Dieser Befund überrascht kaum, denn aufgrund der Pandemie wurden viele Arbeiten einfach eingestellt, oder man wechselte nach Möglichkeit ins Homeoffice.

Der relativ geringe Anstieg der zuhause verbrachten Zeit (+15 Prozent) ist wahrscheinlich statistisch dadurch zu erklären, dass jeder auch normalerweise viel Zeit daheim verbringt. Auch in anderen Ländern nahmen die zuhause verbrachten Stunden nur wenig zu - in Deutschland etwa um 11 Prozent und in Frankreich um 18 Prozent. Google stellt die detaillierten Berichte online zur Verfügung.

Entwicklung im Kanton Zürich. (Source: Google)

Dass Regierungen zur Eindämmung des Coronavirus auf Handydaten ihrer Bürger zurückgreifen, stösst nicht immer auf Gegenliebe. Datenschützer und Menschenrechtsaktivisten fürchten, dass diese Notfallmassnahmen auch über die Pandemie hinaus eingesetzt werden könnten.

Webcode
DPF8_176097

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