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Selbstmotivation im Homeoffice: Keine Chance dem inneren Schweinehund!

Uhr | Aktualisiert

Im Homeoffice zu arbeiten, ist aufregend und macht Spass – zumindest in den ersten Wochen. Doch was, wenn der Alltagstrott einkehrt, die Ablenkungen interessanter werden und die Motivation nachlässt? Experten sagen, was dagegen hilft.

(Source: kite_rin / Fotolia.com)
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Arbeiten im Homeoffice ist angesagt – Coronavirus sei Dank. Beinahe über Nacht wurden auf der ganzen Welt hunderttausende Arbeitsplätze umgestellt. Und dies durchaus erfolgreich: 80 Prozent der Schweizer wünschen sich laut einer Anfang April veröffentlichten Umfrage von Columbus mehr Telearbeit. Und gemäss einer in den USA durchgeführten Onepoll-Befragung findet eine Mehrheit der Fachkräfte, sie seien im Homeoffice produktiver als im normalen Büro.

Anerkennung und Kontakt

Aber nicht allen geht die Arbeit zuhause stets leicht von der Hand. Besonders nach den ersten paar Wochen macht sich bei manchen Ernüchterung breit. Hartmut Schulze, Leiter des Instituts für Kooperationsforschung und -entwicklung (IFK) an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), hört dies öfters. "Zu Beginn hatte die Situation im Homeoffice etwas von einer besonderen Challenge, man setzte alles daran, die bestehenden Aufgaben aus dem Homeoffice heraus zu meistern, arbeitete sich in die Tools ein und gab sein Bestes. Es ging allen so und man hatte das Gefühl einer Schicksalsgemeinschaft. Nun hat man dies geschafft und die besondere Challenge verliert ihr spezielles Motivationspotenzial." Zu diesem Zeitpunkt könne sich bei Mitarbeitern eine "Gratifikationskrise" einstellen, sagt Schulze weiter. Dazu kommt es, "wenn die Mitarbeitenden für ihren Effort nicht genügend Anerkennung und Wertschätzung erfahren und nun auf Dauer die gleiche Leistung erwartet wird".

In ihren Tipps für Arbeitgeber und Vorgesetzte rät die FHNW dazu, den Mitarbeitenden regelmässiges und spontanes Feedback zu geben, damit diese Orientierung und Wertschätzung erhalten. Das Personalberatungsunternehmen Robert Half ermutigt aber auch Mitarbeitende, aktiv zu werden und regelmässig den Kontakt zu den Vorgesetzten zu suchen: "Vereinbaren Sie verbindliche telefonische Jours fixes, bei denen Sie Ihren Chef auf den aktuellen Stand bringen und Ihre Fragen an ihn loswerden können."

Nachlassende Motivation könnte sich auch mit wachsenden Einsamkeitsgefühlen erklären lassen, sagt Schulze. Nach einer gewissen Zeit werde der eingeschränkte Kontakt zu den Kollegen als Verlust erlebt. Dagegen helfen könnten regelmässige kurze Teambesprechungen, etwa um Ziele für den Tag zu setzen. "Auch die Vereinbarung von 'virtuellen Präsenzzeiten', Zeiten an denen alle sicher an ihrem Schreibtisch sitzen, könnte wieder ein Stück Gemeinschaftsgefühl schaffen", ergänzt er.

Sein persönliches Schloss schützen

Wie leicht jemandem die Telearbeit fällt, hängt auch von persönlichen Präferenzen ab. Laut Schulze sind jene besonders gefordert, "die zwischen den Lebensbereichen trennen wollen. Für die also das Zuhause eine Ressource der Erholung ist, nach dem Motto 'my home is my castle'." Zuhause arbeiten zu müssen, könne als Eindringen in die Privatsphäre empfunden werden und Stress auslösen.

Er rät dazu, auch zuhause zu versuchen, eine Trennung zwischen dem Arbeits- und dem Freizeitbereich aufrechtzuerhalten. Am einfachsten gehe dies, wo ein Arbeitsraum vorhanden ist – "wo man die Türe schliessen und signalisieren kann, dass man jetzt auf Arbeit ist". Es könne aber auch durch Einhalten der typischen Arbeitszeiten oder durch Anlegen von Businesskleidung erfolgen.

Natürlich sei diese strikte Trennung im Homeoffice insbesondere dann schwieriger, wenn jüngere Kinder im Haus sind. "Hier hilft dann häufig nur die temporäre Reduktion von Arbeitszeit, um den konfligierenden Anforderungen gerecht werden zu können", sagt Schulze.

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