20 Jahre Netzwoche

2007: Das Jahr, das die IT-Welt verändern sollte

Uhr | Aktualisiert

Das IT-Jahr 2007 dreht sich um Dinge, die nicht zu haben sind – noch nicht oder nicht mehr. Wer darf das iPhone in der Schweiz verkaufen? Wann kommt das erste Handy von Google? Und wie kommen Unternehmen an Informatiker? Diese Fragen treiben die Redaktoren der Netzwoche um.

(Source: Netzmedien)
(Source: Netzmedien)

Im Winter 2007 ist das IT-Jahr schon fast wieder vorbei. Es war kein besonders aufregendes Jahr. Die nächste grosse Krise kündigt sich auf den Finanzmärkten der Welt erst langsam an. George W. Bush ist immer noch US-Präsident. Und in der Schweiz steht der grosse Knall, die Abwahl von Christoph Blocher aus dem Bundesrat, erst noch bevor. Und doch würde die Welt nach 2007 nie mehr die gleiche sein. Der Mann, der diesen Wandel verkündet, ist niemand anderer als Steve Jobs. Am 9. Januar stellt der CEO von Apple auf der Macworld in San Francisco ein neues Produkt vor: das iPhone. Die Netzwoche zeigt sich vom zweiten Smartphone – das erste hauptsächlich per Touchscreen bediente Handy war das LG Prada, das einige Monate vor dem iPhone auf den Markt kam – noch wenig beeindruckt. In den ersten Ausgaben des Jahres wird Apples Vorstoss in den Mobilfunkmarkt noch nicht erwähnt.

Vista kommt, die Spezialisten fehlen

Vielleicht ist das iPhone Anfang 2007 einfach noch zu nebulös und zu sehr auf den Endkundenmarkt zugeschnitten, als dass es für die Business-IT bereits von Belang wäre. Eine andere Neuheit stösst dagegen auf weitaus mehr Resonanz. Ebenfalls im Januar lässt Microsoft zum Schweiz-Start von Office 2007 und Windows Vista 20 000 Luftballone in den Himmel über Bern steigen. Viktor Giacobbo, Alexander Tschäppät und Filippo Leutenegger rühren die Werbetrommel für die Nachfolger der XP-Generation. Was die Schweizer IT im Jahr 2007 aber weit mehr beunruhigt ist der Mangel an Informatikern. Die Zahl der Studierenden in dem Fach sei rückläufig, obwohl der Bedarf nach Spezialisten noch zunehmen dürfte, schreibt Alessandro Monachesi Anfang Februar.

Was tun gegen den Fachkräftemangel? Die Firmen bilden Informatiker vermehrt selbst aus. Oder sie lassen Programme gleich im Ausland entwickeln, wie die Netzwoche im Mai schreibt. Outsourcing ist dabei allerdings out. Lieber bauen Softwareanbieter vor Ort eigene Teams auf, etwa in Mazedonien oder Vietnam. Wer in der Schweiz nach IT-Spezialisten sucht, findet sich dagegen in einem erbitterten "Krieg um die Könner" wieder. Die Waffe in diesem Krieg: die Löhne. Das freut die Informatiker – aber mindestens ebenso die Headhunter und Personaldienstleister.

Rivalen von morgen

In der zweiten Jahreshälfte meldet sich das Smartphone zurück. Um das iPhone bleibt es weiter still, dafür macht ein anderes Projekt von sich reden, das die Mobilfunkbranche auf den Kopf stellen könnte. Im Frühling schon waren erste Gerüchte aufgetaucht, dass auch Google ein eigenes Handy entwickeln könnte: das "G-Phone". Im Herbst wird die Sache dann konkret – und doch ganz anders als erwartet. Google stellt nämlich nicht ein eigenes Gerät vor, sondern Android, ein komplettes Handy-Betriebssystem auf Linux-Basis. Um der neuen Plattform Schub zu geben, gründet der Internetkonzern parallel die "Open Handset Alliance" aus Softwareunternehmen, Mobiltelefonherstellern und Netzbetreibern. Als Gründungsmitglieder mit an Bord sind auch die Schweizer IT-Firmen Noser Engineering und Esmertec.

Und dann, kurz vor Jahresende, ist es endlich da und erhält die ungeteilte Aufmerksamkeit. "Krempelt das ­iPhone den Markt um?", fragt Pascal Schmid prophetisch in der letzten Netzwoche-Ausgabe 2007. Der Hype um das erste Apple-Handy ist mittlerweile gross. Das Interesse an Apples Smartphone sei aber gerechtfertigt, sagt Telko-Experte Andreas Waber in der Netzwoche: "Dank der intuitiven und einfachen Benutzeroberfläche kann es helfen, mobile Dienste und Multimedia-Inhalte fürs Handy einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen." Noch unklar ist derweil, wann, wie und mit wem welches iPhone in die Schweiz kommt. Es tobt ein Kampf unter den Telkos, in dem auch die Wettbewerbskommission des Bundes ein Wörtchen mitredet. Swisscom scheint gerüchteweise die Nase vorn zu haben. Wer das Rennen macht, erfährt man allerdings erst im neuen Jahr.

Die bisherigen Rückblicke auf 20 Jahre Netzwoche können Sie hier nachlesen:

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