Verbandsnachrichten

Die Krise dank Digitalisierung meistern

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von Peter Grütter, Präsident, Asut

Die Coronakrise hat deutlich gemacht, wie unverzichtbar eine moderne und leistungsfähige Kommunikationsinfrastruktur für die Schweiz ist. Und doch ist nicht sicher, ob unser Land daraus die richtigen Lehren zieht.

Peter Grütter, Präsident, Asut.(Source: privat)
Peter Grütter, Präsident, Asut.(Source: privat)

Noch vor kurzer Zeit hätte kaum jemand für möglich gehalten, dass grosse Unternehmen und Verbände ihre jährliche Generalversammlung samt diversen Abstimmungen online durchführen. So fand auch die Vereinsversammlung des Asut-Verbands am 14. Mai 2020 im virtuellen Raum statt.

Eine leistungsfähige Kommunikationsinfrastruktur ist aber nicht nur für den Unternehmensalltag und das Vereinsleben unverzichtbar. In der Ausnahmesituation der letzten zwei Monate haben sich Kommunikationstechnologien in unzähligen weiteren Bereichen des öffentlichen und privaten Lebens der Schweiz als unentbehrlich erwiesen. Vom Datenverkehr der Behörden mit der Bevölkerung, über das Arbeiten und Lernen zuhause, die Kontaktpflege mit Familie und Freunden bis hin zum Einkaufen übers Internet: Moderne Kommunikationstechnologien helfen uns massgeblich dabei, die durch die Coronakrise verursachten Einschränkungen zu bewältigen und sicherzustellen, dass Politik, Verwaltung, Gesellschaft und Wirtschaft trotzdem funktionieren. Deutlich zahlt sich nun aus, dass die Schweiz in den vergangenen Jahren mehr in die Kommunikationsinfrastrukturen investiert und neue Technologien rascher eingeführt hat als andere Länder.

Ein Schub für die digitale Wende

Die Schweizer Telekombranche hat sich der Krise gewachsen gezeigt. Sie hat rasch und kulant und im Sinne von Bevölkerung und Wirtschaft reagiert, hat Übertragungsgeschwindigkeiten angehoben, Datenvolumen erweitert, Roamingkosten reduziert und Beratungsange­bote bereitgestellt. Und trotz der enormen Zunahme des Kommunikationsverkehrs konnte sie die Versorgungsqualität auf hohem Niveau sicherstellen.

Die Pandemie hat an den Tag gebracht, was die Digitalisierung wirklich kann – das hat hoffentlich nun auch viele, die bisher eher skeptisch waren, von den Chancen der digitalen Wende überzeugt. Neue Arbeitsformen und Tools erfordern aber auch ein Umdenken und wir müssen in vielen Bereichen noch dazulernen. Das Homeoffice funktioniert überraschend gut, aber die Trennung von Arbeit und Privatleben wird schwieriger. Videokonferenzen werden virtuos genutzt und virtuelle Meetings mit Dutzenden Teilnehmern effizient durchgeführt. Doch der physische Kontakt, die zwischenmenschlichen Töne, alles was in einem Gespräch eben nicht gesagt, aber trotzdem kommuniziert wird, kommt momentan zu kurz. Der Einkauf ist dank Onlineshopping kein Problem, bringt aber die Logistikbranche an die Leistungsgrenzen.

Auch die Kommunikationsinfrastruktur musste sich schlagartig auf neue Herausforderungen einstellen: Bisherige «Hotspots» mit grossem Datenverkehr wie Bahn­linien, Einkaufszentren oder grosse Firmengebäude standen plötzlich leer, während Datenleitungen und Mobilfunkanlagen in Wohnquartieren auf einen Schlag eine viel grössere Datenmenge übernehmen mussten. Dies hat bei verschiedenen Mobilfunkstandorten zu Überlastungen geführt. Solche Engpässe nachhaltig zu beheben, braucht viel Zeit, weil langwierige Bewilligungsprozesse die notwendigen Anpassungen stark verzögern und die Einführung neuer Technologien wie 5G in vielen Gemeinden und Kantonen faktisch blockiert ist.

5G könnte matchentscheidend sein

Umso enttäuschender – und auf lange Sicht beunruhigender – ist der kürzlich vom Bundesrat gefällte «Nicht-Entscheid» zum Vorgehen im Bereich Mobilfunk und 5G. Denn auch in der nächsten Ausnahmesituation werden moderne Infrastrukturen und Technologien zu den Kernelementen gehören, mit deren Hilfe wir die Lage meistern können. Covid-19 hat gezeigt, dass eine leistungsfähige Mobilfunkinfrastruktur dabei matchentscheidend sein kann. Doch statt nun rasch pragmatische Vollzugshilfsmittel für adaptive Antennen bereitzustellen, hat der Bund erst einmal Testmessungen angekündigt, die man schon längst hätte durchführen können und sollen. Das zöger­liche Vorgehen überrascht umso mehr, als dass diese neue Technologie nicht nur die Qualität der Mobilfunkversorgung erhöht, sondern auch deutlich energieeffizienter ist und zu insgesamt tieferen mittleren Belastungen von Bevölkerung und Umwelt führen würde. Eine rasche Einführung wäre daher auch aus ökologischer Sicht zu begrüs­sen. Denn vergessen wir nicht: Die Klimakrise wird auch nach dem Corona-Lockdown immer noch da sein.

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