HSLU-Professor Thomas Ankenbrand im Interview

Was die Coronakrise mit der Fintech-Branche macht

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Die Coronakrise rüttelt die Fintech-Branche durch. Und nicht alle Unternehmen sind gleich gut gerüstet für das, was auf sie zukommt. Welche Fintech-Firmen besonders unter der Situation leiden und wer im Gegenzug davon profitieren kann, erklärt Thomas Ankenbrand, Studienleiter und Dozent an der Hochschule Luzern.

Thomas Ankenbrand, Studienleiter und Dozent an der Hochschule Luzern. (Source: zVg)
Thomas Ankenbrand, Studienleiter und Dozent an der Hochschule Luzern. (Source: zVg)

Was macht die Coronakrise mit der Schweizer Fintech-Branche?

Thomas Ankenbrand: Die Finanzkrise 2007/2008 führte zu einem Innovationsschub im Finanzbereich. Als Beispiele seien Bitcoin oder Crowdfunding genannt. Ob dies auch in dieser Krise so ist, kann noch nicht beantwortet werden. Allerdings ist das Finanzsystem dieses Mal nicht der Auslöser und auch nicht im Auge des Sturms. Aktuell beobachten wir einen Digitalisierungsschub einerseits, und einen Konsumeinbruch andererseits.

Welche Fintech-Unternehmen leiden am meisten unter der Krise?

Kurzfristig sind es die knapp finanzierten Unternehmen. Die Konsolidierung beim Venture Capital hat sich allerdings bereits 2019 abgezeichnet. Daneben sind Unternehmen betroffen, die im Konsumbereich tätig sind. Aber auch Unternehmen im Business-to-Business-Geschäft leiden unter der getrübten Stimmung. Dies macht es schwieriger, neue Kunden zu gewinnen und Projekte zu lancieren.

Welche Unternehmen könnten von der Krise profitieren?

Krisen verstärken und beschleunigen oftmals längerfristige Trends. Etablierte Finanzinstitute und Konsumenten sind durch die Krise wesentlich digitaler geworden. Davon können Fintech-Unternehmen profitieren, da dies ihre Hauptabsatzmärkte sind und gemäss unserer jährlichen Umfrage in der "IFZ Fintech Study" die Kundengewinnung das grösste Problem darstellt.

Der Schweizer Fintech-Markt hat schon vor Ausbruch der Pandemie an Schwung verloren. Steht nun eine Konsolidierung bevor?

2019 ist die Zahl der Fintech-Unternehmen um 7 Prozent gewachsen, 2018 um über 60 Prozent – vor allem getrieben durch Blockchain. 2017 war die Zahl um 16 und 2018 um 18 Prozent gewachsen. Es ist also ein konstanter Flow von neuen Unternehmen vorhanden und selbstverständlich verschwinden auch Unternehmen. Darunter fallen auch erfolgreiche Exits durch Verkäufe. Man sollte auch nicht vergessen, dass Krisen oftmals die Geburtsstunden von Einhörnern sind, also von Unternehmen mit einer Bewertung von über einer Milliarde US-Dollar.

Trotzdem sieht sich insbesondere die Kryptobranche bedroht: Gemäss einer Umfrage der Swiss Blockchain Federation rechnen 80 Prozent der Schweizer Blockchain-Start-ups damit, innerhalb der nächsten 6 Monate insolvent zu werden.

Ich kenne die Details der Umfrage nicht und Fintech stellt auch nur einen Teil des Crypto Valley dar. Aber der Hype um die Distributed Ledger Technology – zum Beispiel Blockchain – hat sich bereits vor der Coronakrise abgekühlt. So war auch vom Crypto-Winter die Rede. Meines Erachtens findet hier eine allfällige Konsolidierung unabhängig von Corona statt. Es gibt aber auch aktuell noch Unternehmen, die neue Mitarbeiter einstellen und Finanzierungsrunden durchführen.

Wie wirkt sich die Krise auf den Fintech-Standort Schweiz aus?

In unserem jährlichen Fintech-Hub-Ranking, das die Rahmenbedingungen für Fintech-Unternehmen bewertet, liegt Zürich auf Platz 2 und Genf auf Platz 3. Nur Singapur ist besser positioniert. Auf Platz 4 liegt Stockholm, das ja einen anderen Ansatz bei der Krisenbewältigung verfolgt. Es wird also interessant sein, wie das Ranking 2021 aussieht. Grundsätzlich sind die Rahmenbedingungen für Fintech-Unternehmen in der Schweiz sehr gut.

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