Im Gespräch mit Tobias Ackermann

Was den neuen Schweiz-Chef bei Oracle herausfordert

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Seit September leitet Tobias Ackermann das Schweizer ERP- und EPM-Geschäft von Oracle. Im Interview spricht er über seine ersten Eindrücke in der neuen Position. Zudem erzählt er, wie sich der Markt durch die Pandemie verändert hat und warum man in puncto Datenschutz einem Cloud-Anbieter vertrauen sollte.

Tobias Ackermann ist der Leiter des Schweizer ERP- und EPM-Geschäfts von Oracle. (Source: Oracle)
Tobias Ackermann ist der Leiter des Schweizer ERP- und EPM-Geschäfts von Oracle. (Source: Oracle)

Seit Anfang September sind Sie Schweizer ERP und EPM Country Leader bei Oracle Schweiz. Wie ist es, in dieser herausfordernden Zeit bei Oracle einzusteigen?

Tobias Ackermann: Was in Zeiten von Corona natürlich ganz neu war, ist die Tatsache, dass ich seit meinem Start bei Oracle lediglich nur einen halben Arbeitstag im Office war und bis heute weder meine Teams noch die zahlreichen Kollegen persönlich im Büro getroffen habe. Und trotzdem stellt diese Zeit das Highlight meiner beruflichen Karriere dar. In meinen über 15 Jahren in der IT-Branche habe ich noch nie einen Softwarehersteller kennengelernt, der seine eigenen Lösungen intern wirklich effektiv in allen Unternehmensbereichen zum Einsatz bringt und die geschäftsbereichsübergreife Digitalisierung wirklich auch intern vorlebt. Beim "Onboarding für neue Mitarbeiter" war ich sehr beeindruckt von der Tatsache, dass bei Oracle wirklich alle internen Geschäftsprozesse quasi "On-Demand" zur Verfügung stehen, eingehend dokumentiert sind und auch systematisch trainiert werden.

Wo setzen Sie in Ihrer neuen Position Schwerpunkte?

In meiner neuen Rolle bei Oracle liegt mein Fokus auf den folgenden Schwerpunkten: 1. Die umfassende und nachhaltige Beratung von Kunden zur Unterstützung ihrer digitalen Transformation, 2. "Customer Centricity" in der Umsetzung gemeinsamer Projekte und 3. die Zusammenarbeit mit Partnern.

Welchen Stellenwert hat das Partnergeschäft für Oracle?

Es mag für viele eine Überraschung sein, dass Oracle in Zukunft wieder viel stärker auf die Zusammenarbeit mit Partnern setzen wird. Wir arbeiten konkret daran, die Zusammenarbeit mit grossen Systemintegratoren zu verstärken, welche die Trendwende im Enterprise Geschäft antizipieren. Gleichzeitig werden wir in Zukunft aber auch auf die verstärkte Zusammenarbeit mit Partnern im Mid-Market Geschäft setzen, da wir als erster Anbieter ganzheitliche Cloud-Andwengungen bieten, die für Unternehmen im Mid-Market Geschäft individuell skalierbar einen wesentlichen Beitrag zum Geschäftserfolg liefern können.

Was hat Sie in den ersten Wochen bei Oracle herausgefordert?

Als eine erste Herausforderung hat sich herauskristallisiert, dass Oracle ein sehr breites - und aus meiner persönlichen Sicht - wohl das vollständigste und integrierteste ERP, EPM, SCM, HCM, CX und Tech Angebot hat. Dies scheint allerdings auf dem Schweizer Markt noch ein "gut-gehütetes" Geheimnis zu sein. Anders verhält sich das wohl in den USA und auch in Grossbritanien, wo der Markt sich sehr stark an den Analysen von Gartner zu orientieren scheint.

Welche Ihrer persönlichen Stärken wollen Sie bei Oracle am meisten einsetzen?

Ich bin persönlich sehr dankbar und auch ein bisschen stolz auf meinen beruflichen Werdegang und die Tatsache, dass ich in den vergangenen 15 Jahren zahlreiche digitale Transformationen bei meinen Arbeitgebern intern oder auch bei zahlreichen Kunden in allen möglichen Unternehmensgrössen und Geschäftsbereichen begleiten durfte. Heute ist das Thema Digitalisierung wirklich in aller Munde, und dabei bieten die wenigsten Anbieter vollständige, skalierbare und geschäftsbereichsübergreifende Lösungen, die wirklich den technologischen Möglichkeiten der Gegenwart entsprechen. Daher freue ich mich persönlich sehr darauf, Schweizer Unternehmen in ihrer Digitalisierungsstrategie eingehend zu beraten und zu unterstützen.

Wie hat sich die Pandemie auf den Schweizer Markt ausgewirkt?

Dieser Trend beschleunigte die digitale Transformation in der Schweiz und schuf gleichzeitig die Notwendigkeit, sich mit den zusätzlichen Cybersicherheitsrisiken auseinanderzusetzen, die mit der Arbeit an entfernten Standorten in allen Unternehmen verbunden sind. Verschiedene Unternehmen waren von der Pandemie nicht in gleicher Weise betroffen. Die Geschäftskontinuität war für einige Branchen, die einen echten Abschwung erlebt haben, wie zum Beispiel das Gastgewerbe, sehr problematisch.

Können Sie Beispiele für Schweizer Unternehmen nennen, die während Corona zu Oracle stiessen?

Wir haben ein zunehmendes Interesse von Unternehmen mit bestehenden On-Premise Lösungen festgestellt. So nutzt beispielsweise das weltweit führende Test- und Zertifizierungsunternehmen SGS ebenfalls die Oracle Cloud Infrastructure, um Leistungsvorteile zu erzielen und die Kosten zu senken. Das Unternehmen hat vor kurzem beschlossen, die E-Business Suite und die Oracle Integrationsplattform in die Oracle Cloud Infrastructure zu verlagern, was es ihm ermöglichte, über 34’000 Benutzer zu verbinden und gleichzeitig die Kosten zu senken. An der Applikationsfront haben wir die HES⁠-⁠SO Fachhochschule Westschweiz unterstützt. Mit Hilfe unserer ERP-Cloud konnten sie die Transparenz erhöhen und ihre Back-Office-Tätigkeiten im Finanzbereich optimieren, so dass sie strategische Informationen auf verständliche Weise übersetzen konnten. Das Ergebnis für sie war eine bessere Qualität der Daten und damit mehr Zeit für CFOs, um sich auf strategischere Aufgaben zu konzentrieren.

Hat der Schweizer Markt für Oracle Besonderheiten?

Die Schweiz ist ein sehr dynamischer Markt, in dessen Mittelpunkt Neugründungen und Innovation stehen. Gleichzeitig setzt man in vielen Grossunternehmen allerdings auch noch stark auf altbewährte Lösungen, die nicht vollständig Cloud-fähig sind und in der Zukunft weiter unter Druck geraten werden. Die Unterstützung dieses vielschichtigen Ökosystems ist für uns von grundlegender Bedeutung. Wir investieren weiterhin in unsere Innovationslabors - und wir arbeiten mit lokalen Einrichtungen zusammen, um technische Unterstützung zu leisten, damit die Auswirkungen für verschiedene gute Zwecke skaliert werden können.

Oracle nahm 2019 ein Schweizer Rechenzentrum in Betrieb. Wie hat sich diese Infrastruktur bis heute verändert?

Diese Investition ist wichtig für uns und die Datenspeicherung in der Schweiz ist der Schlüssel für unsere Kunden. Mit unserem Schweizer Rechenzentrum unterstützen wir viele Unternehmen aus verschiedenen Branchen und ermöglichen ihnen den Zugang zur Cloud. Dabei bieten wir ganz unterschiedliche Betriebsmodelle angefangen bei IaaS (Infrastructure-as-a-Service), PaaS (Platform-as-a-Service), SaaS (Software-as-a-Service) und DaaS (Data-as-a-Service). Mit dieser Lancierung demonstrieren wir unser Engagement, unsere Enterprise Cloud-Services der Generation 2 in den wichtigsten Märkten und Betriebsmodellen, die für Oracle-Kunden wichtig sind, verfügbar zu machen. Unsere jüngste Oracle Cloud Infrastructure (OCI) Region wurde aufgebaut, um die strengen Anforderungen von Unternehmenskunden in der Schweiz und der umliegenden Region zu erfüllen, die ein Höchstmass an Leistung, Sicherheit und Zuverlässigkeit benötigen und ergänzt unsere bestehenden Regionen London und Frankfurt perfekt.

Ende September hat Oracle Neuerungen seiner Cloud-Anwendungen vorgestellt. Wie gross ist der Aufwand für ein Schweizer KMU, diese zu beziehen?

Für bestehende Kunden liefern Oracle Cloud Applications kontinuierliche Produktaktualisierungen, die auf sofortigen und präzisen Feedback-Schleifen basieren und die sie zum besten Zeitpunkt für Ihre individuellen Geschäftsanforderungen aktivieren können. Auf diese Weise können Sie immer auf dem neuesten Stand des Innovationszyklus bleiben und gleichzeitig sofortige Geschäftsergebnisse erzielen.

Für Neukunden bietet Oracle über 200 "Modern Best Practices", das heisst viele Standardprozesse, die von Kunden individuell nach eigenen Anforerungen konfiguriert werden können. Die entscheidene Frage sollte dabei nicht unbedingt lediglich der Kostenfaktor darstellen, sondern vielmehr der langfristige und nachhaltige Mehrwert einer solchen integrierten und skalierbaren Lösung.

Bei allen Anwendungen setzt Oracle auf Automatisierung und künstliche Intelligenz. Welche Branchen interessieren sich hierzulande besonders für diese Lösungen?

Wie bereits erwähnt, haben sich die Erwartungen in sehr kurzer Zeit rasant erhöht. Um relevant zu bleiben, entwickeln Führungskräfte ihre technologieorientierten Geschäftsmodelle weiter und stellen sicher, dass die Menschen im Mittelpunkt dieser Veränderungen stehen, um vertrauensvolle Beziehungen aufzubauen. Das betrifft alle Branchen, vom öffentlichen Sektor bis zu FMCG, Einzelhandel, Gastgewerbe und die am stärksten regulierten Branchen wie Finanzen und Pharma.

Mir scheint, dass die neuen Anwendungen vor allem mit reichlich Daten funktionieren. Wo speichert Oracle die Daten von Schweizer Kunden?

Diese speichern wir auf Wunsch in Zürich in unserem Rechenzentrum. Wir erfüllen dabei die Schweizer Anforderungen bezüglich der Bereitstellung von Cloud-Diensten für die Schweizer Regierung und Unternehmen. Oracle ist sich bewusst, dass Unternehmen strenge Anforderungen an den Datenspeicherung haben, und als Enterprise Cloud Provider stellen wir sicher, dass die Daten dort bleiben, wo Kunden sie haben wollen. Kunden können eine oder mehrere Mietverträge abschliessen, die Cloud-Regionen ihrer Wahl nutzen, mit der Möglichkeit, Daten, Zugriff und Regionen nach Kundenwunsch zu segmentieren.

Täglich werden im digitalen Raum Daten kopiert und etwa für Erpressungen genutzt. Wie reagieren Ihre Kunden darauf? Sind sie skeptischer, Ihnen Daten anzuvertrauen?

Für mich sollte die Frage vielmehr lauten: "Ist unsere bestehende Infrastruktur sicher genug, um unsere Daten vor den heutigen Bedrohungen zu schützen?" oder, einfacher gesagt: "Können wir riskieren, unsere Finanzdaten intern zu behalten? Man muss erkennen, warum die Finanzabteilungen nicht bereit sind, ihre Daten an Dritte "auszuhändigen", aber trotz ihrer guten Absichten vermittelt die interne Aufbewahrung dieser Informationen nur ein falsches Sicherheitsgefühl. Ganz gleich, wie gut das IT-Team einer Organisation und wie modern ihre technologische Infrastruktur ist, es ist unwahrscheinlich, dass sie besser ist als die eines Cloud-Unternehmens, dessen Experten ihre Tage damit verbringen, Sicherheit und Verfügbarkeit ständig zu optimieren. Die Finanzabteilung ist nicht die einzige Abteilung, die für sensible Daten zuständig ist, aber im Gegensatz zu anderen Geschäftsbereichen hat sie traditionell die Vorteile der Cloud verpasst, wie grössere Flexibilität, Kosteneffizienz, umfassende geschäftsbereichsübergreifende Planung von Szenarien für den Geschäftserfolg oder für die Bewältigung von Krisen, erschwinglichen Zugriff auf die neueste Software und verbesserte Zusammenarbeit.

Was tut Oracle, um die Daten ihrer Unternehmenskunden vor Übergriffen zu schützen?

Wir sind uns der sich ständig weiterentwickelnden Bedrohungen für die Daten unserer Kunden bewusst. Um dieses riesige Problem zu lösen, hat Oracle drei neue Sicherheitsdienste hinzugefügt, die es ohne zusätzliche Kosten in seine Oracle Cloud Infrastructure aufnimmt: Oracle Maximum Security Zones, Oracle Cloud Guard und Oracle Security Advisor. Diese neuen Dienste arbeiten zusammen, um Oracle's öffentliche Cloud der zweiten Generation voranzubringen, die mit Sicherheit als kritischer Grundlage aufgebaut ist. Oracle Cloud zeichnet sich durch grundlegende Design-Primitive aus, darunter eine hohe Kundenisolierung, saubere Host-Hardware, Standardverschlüsselung, keine Patches für Ausfallzeiten und eine ausgeklügelte Datensicherung.

Webcode
DPF8_192474

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