"Kontroverse Persönlichkeit"

Update: Deshalb wurde Edward Snowden von den Swiss Cyber Security Days ausgeladen

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von Coen Kaat und René Jaun und kfi

Edward Snowden spricht nicht an den Swiss Cyber Security Days 2021. Noch vor einer Woche war er als Special Guest angekündigt worden. SCSD-Präsidentin Doris Fiala begründet den Meinungsumschwung mit Reaktionen aus Politik und Wirtschaft.

Edward Snowden wird an den SCSD 2021 per Live-Schaltung mit dabei sein. (Source: zVg)
Edward Snowden wird an den SCSD 2021 per Live-Schaltung mit dabei sein. (Source: zVg)

Update vom 01.03.2021: Wenige Tage nach der Ankündigung, dass Edward Snowden an den Swiss Cyber Security Days als Gast auftritt, haben die Organisatoren den US-amerikanischen Whistleblower wieder ausgeladen. Doch wie kam es zu diesem Meinungsumschwung?

Auf Anfrage verweist Doris Fiala, Nationalrätin und SCSD-Präsidentin, zunächst auf die Konferenz vom vergangenen Jahr. Diese sei damals überschattet worden von der Cryptoleaks-Affäre. "In den Medien dominierte die Berichterstattung um die Crypto AG", sagt Fiala, "die SCSD selber gingen dabei fast unter."

Wäre Snowden dieses Jahr aufgetreten, hätte erneut das Risiko bestanden, dass die Medien nur noch über seinen Auftritt berichtet hätten. "Wir entschieden uns für ein Umdenken, weil wir die SCSD als SCSD in den Medien haben möchten", erklärt die Präsidentin. International falle die Schweiz derzeit in Bereich der Cybersecurity zurück, und darum müsse die Kernbotschaft lauten, dass Cybersecurity hierzulande und global an Bedeutung gewinnen müsse.

"Für die einen ein Held, für die anderen ein Krimineller"

Im Kontext des Marketings habe Snowdens Verpflichtung begeistert, führt Fiala weiter aus. Doch die Ankündigung seines Auftrittes habe auch für kritische Reaktionen aus Wirtschaft und Politik gesorgt. "Edward Snowden ist eine kontroverse Persönlichkeit. Für die einen ist er ein Held, für die anderen ein Krimineller", sagt sie. Zwar habe niemand dem Organisationskomitee vorgeworfen, einem Kriminellen eine Bühne zu bieten, aber "es gab ein gewisses Unbehagen unter den Referenten, in diesem Kontext aufzutreten".

Bis zum heutigen Zeitpunkt habe die Streichung von Snowdens Auftritt keine negativen Reaktionen hervorgerufen, berichtet Fiala weiter. So habe es beispielsweise niemanden gegeben, der sein Konferenzticket wegen der Programmänderung habe zurückgeben wollen. Personen, die ihr Ticket einzig wegen dieses Gastreferats gekauft hatten, empfiehlt Fiala, sich mit dem Organisationskomitee in Verbindung zu setzen.

Update vom 26.02.2021: Edward Snowden spricht doch nicht an den SCSD 2021

Edward Snowden wird nicht als Special Guest an den Swiss Cyber Security Days (SCSD) teilnehmen. Dies teilen die Veranstalter der SCSD wenige Tage nach der Ankündigung von Snowdens Auftritt mit. Das Organisationskomitee habe sich bei einer zweiten kritischen Analyse gegen den "zweifellos attraktiven", digitalen Auftritt des US-amerikanischen Whistleblowers entschieden.

In der Mitteilung erwähnen die Organisatoren der SCSD, dass Snowden im Januar 2020 bereits einen virtuellen Auftritt an der ETH Zürich hatte. "Die Teilnehmenden und das Umfeld der Swiss Cyber Security Days unterscheiden sich allerdings grundlegend von jenem der ETH", heisst es in der Medienmitteilung.

Originalmeldung vom 23.02.2021: Edward Snowden spricht an den SCSD 2021

Die Swiss Cyber Security Days (SCSD) haben für die diesjährige virtuelle Ausgabe Edward Snowden als Special Guest verpflichtet. Der wohl berühmteste US-amerikanische Whistleblower wird in einer Live-Schaltung aus Moskau mit dabei sein.

Am 11. März, dem zweiten Tag der SCSD, spricht er über Technologien und Praktiken, zunehmend auch von nichtstaatlichen Stellen, die "das effektivste Mittel der sozialen Kontrolle in der Geschichte unserer Spezies" geschaffen haben, wie die Veranstalter mitteilen.

"Alles, was wir jetzt tun, bleibt für immer bestehen. Nicht, weil wir uns erinnern wollen, sondern weil wir nicht mehr vergessen dürfen", lässt sich Snowden in der Mitteilung zitieren. Er spiele damit auf das zentrale Thema von Permanent Records an. "Mitzuhelfen, dieses System zu schaffen, ist mein grösstes Bedauern."

Gegen die Geheimdienste

Der ehemalige CIA- und NSA-Mitarbeiter Snowden enthüllte 2013 die Ausmasse der globalen Überwachung, zu der US-amerikanische und britische Geheimdienste fähig waren. Jeden einzelnen Telefonanruf, jede Textnachricht und jede E-Mail eines jeden Menschen auf der Erde konnten sie erfassen, heisst es in der Mitteilung.

Gemäss SCSD-Programmdirektor Nicolas Mayencourt zeigte Snowden damit, dass das Internet entgegen dem ursprünglichen Versprechen in den letzten Jahrzehnten zum Internet mit staatlicher Überwachung ausgebaut wurde.

"Von Snowden möchten wir wissen, wie er die Entwicklung im vergangenen Jahrzehnt sieht, und was getan werden muss, um wieder auf die Spur des initialen Versprechens zurückzukommen, und ob es dafür überhaupt eine Chance gibt", sagt Mayencourt.

Nicolas Mayencourt, SCSD-Programmdirektor und CEO von Dreamlab Technologies. (Source: Tamedia AG)

Snowdens Aktivitäten führten in beiden Ländern zu neuen Gesetzen bezüglich der Überwachung. Von seinem Asyl in Russland aus - Oktober 2020 erhielt er eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis in Russland - schlägt Snowden jedoch weiterhin Alarm. Die Überwachung durch Staaten und Unternehmen ist damit noch nicht aus der Welt geschafft.

Das Programm der SCSD 2021

Die dritte und vollständig virtuelle Ausgabe der SCSD finden am 10. und 11. März 2021 statt. Die Veranstalter versprechen, die wichtigen Entscheidungsträger und Experten im Bereich Cybersecurity zusammenzubringen. Ausser Edward Snowden werden unter anderem auch Bundesrat Ueli Maurer, der Chef der Armee Thomas Süssli und der französische Cyber Defence Commander Didier Tisseyre präsent sein.

Wer mehr zum Programm der SCSD 2021 erfahren will, kann hier mehr dazu lesen. Wer mehr über die Onlineplattform "SCSD365" wissen will, findet diese Informationen hier. Die Plattform ist das ganze Jahr über zugänglich und soll mehr bieten als nur das Streamen von Referaten.

Ein Ticket für den Event-plus-Zugang auf die Plattform kostet 352 Franken pro Tag. Für Mitglieder der Verbandspartner und für Studierende bieten die Veranstalter Vergünstigungen an. Der Zugang zum Ausstellungsbereich und zu den Best-Practice-Streams ist kostenlos. Tickets gibt es hier.

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