Lösung von Sicpa und Elca vom Tisch

Der Bund entwickelt das Covid-Zertifikat selbst

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von Rodolphe Koller und Übersetzung: René Jaun, cwa

Bis Ende Juni will der Bund ein Covid-Zertifikat für Personen anbieten, die geimpft, genesen oder kürzlich negativ getestet worden sind. Das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation entwickelt eine Lösung, die mit dem europäischen "Digital Green Certificate" kompatibel ist. Derweil wirft die Idee des Covid-Zertifikats zahlreiche technische, wissenschaftliche und gesellschaftliche Fragen auf.

(Source: Bundesamt für Informatik und Telekommunikation)
(Source: Bundesamt für Informatik und Telekommunikation)

Die Würfel sind gefallen. Die Bundesbehörden entwickeln das schweizerische Covid-Zertifikat selber. Laut einer Mitteilung erhält das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) den Zuschlag. Personen, die geimpft oder geheilt sind oder die kürzlich ein negatives Testergebnis erhalten haben, sollen das Zertifikat bis Ende Juni 2021 erhalten können.

Schnittstelle zu FMH-System

Damit ist die Lösung von Sicpa und Elca, die der Bund ebenfalls prüfte, vom Tisch. "Die Lösung des BIT ist EU-kompatibel, sicher, auf das notwendige technische Minimum beschränkt, und der Quellcode (Open Source) wird offengelegt. Dies war für die Wahl ausschlaggebend", schreibt der Bund. In einem kurzen Statement nehmen Sicpa und Elca den Behördenentscheid zur Kenntnis. Man verstehe die Absichten und Vorgaben, die zu dieser Wahl geführt haben. "Wir wünschen uns von ganzem Herzen, dass die Schweizer Bevölkerung so schnell wie möglich zum normalen Leben zurückkehren kann, mit den besten Sicherheitsgarantien und unter voller Berücksichtigung der Datenschutzbelange. Wir beglückwünschen deshalb den Bund zu seiner raschen Entscheidung." Zudem zeigen sich die Unternehmen bereit, die Behörden weiterhin aktiv zu unterstützen.

Der Bund weist darauf hin, dass Sicherheits- und Datenschutzexperten in das Projekt eingebunden sind. Auch Ärzte und Apotheker seien involviert. Diejenigen Arztpraxen und Apotheken, die beispielsweise mit einer HIN-Lösung zur sicheren Identifizierung und Verwaltung von Patientendaten arbeiten, sollen dies über eine Schnittstelle weiterhin ohne Systemwechsel tun können. Vor wenigen Tagen erst gaben die Berufsverbände Pharmasuisse und FMH bekannt, unabhängig der der Bundesbemühungen ein eigenes Covid-Zertifikat herausgeben zu wollen.

Das europäische "Digital Green Certificate", mit dem die Schweizer Lösung kompatibel sein wird, basiert auf einem teilweise dezentralen System. Die Zertifikate enthalten einen QR-Code, der von einer ausstellenden Organisation – etwa einem Spital oder einem Covid-Testzentrum – generiert und signiert wird. Die Bescheinigungen enthalten Informationen wie Name, Geburtsdatum und Angaben zur Immunität, also entweder das Datum und die Art der Impfung, das Datum des negativen Covid-Tests bzw. jenes des positiven Tests bei genesenen Personen. Auf einem zentralen Portal der EU sollen diese Zertifikate auf ihre Echtheit hin überprüft werden können.

Technische, wissenschaftliche und gesellschaftliche Fragen

Doch die Einführung von Immunitätszertifikaten wirft viele technische, wissenschaftliche und gesellschaftliche Fragen auf. Auf der technischen Seite besteht die Gefahr von gefälschten Zertifikaten und ungenügend geschützter sensibler Daten. Angesichts der notwendigen Infrastruktur stellt sich zudem die Frage nach dem Mehrwert der digitalen Version.

Auf wissenschaftlicher Seite wirft das Zertifikat die Frage nach der Wirksamkeit verschiedener aktueller und zukünftiger Impfstoffe auf bekannte und neue Varianten auf. Wird ein heute gültiges Zertifikat plötzlich obsolet, weil eine neue Variante auftaucht oder weil der Impfstoffhersteller etwa eine dritte Dosis verlangt? Dazu kommen Fragen der Übertragbarkeit des Virus bei geimpften Personen.

Gesellschaftlich stellt sich die Frage der Diskriminierung zwischen zertifizierten Geimpften und anderen. Welche weiteren Rechte oder Einschränkungen werden neben der Reisemöglichkeit von Behörden und Organisationen umgesetzt? Darf ein Geschäft von seinen Angestellten ein Covid-Zertifikat verlangen? Kann ein Festival Menschen, die den kostbaren Sesam nicht haben, den Zutritt verweigern?

Geimpften Personen über ein Zertifikat Vorteile zu gewähren, sei verfassungsrechtlich unproblematisch und sogar geboten, argumentiert Jurist Alexander Stremitzer von der ETH. Hier lesen Sie seine ausführliche Begründung.

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