"Euro-Office"

Europäische Tech-Koalition startet Open-Source-Alternative zu Microsoft Office

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von Alexia Muanza und Übersetzung: Dylan Windhaber, nki

Mehrere europäische Tech-Unternehmen, darunter Nextcloud und Ionos, entwickeln gemeinsam die Open-Source-Office-Suite "Euro-Office". Die Lösung soll im Sommer 2026 erscheinen und Behörden sowie Unternehmen eine souveräne europäische Alternative zu Microsoft Office bieten.

(Source: ZT_OSCAR / pixabay.com)
(Source: ZT_OSCAR / pixabay.com)

Mehrere europäische Technologieunternehmen treiben mit "Euro-Office" die Entwicklung einer eigenen Office-Suite voran. Beteiligt sind laut Github unter anderem Ionos, Nextcloud, Eurostack, XWiki, Openproject und Proton. Die Open-Source-Lösung richte sich an Behörden, Unternehmen und Bildungseinrichtungen und positioniert sich als europäische Alternative zu Microsoft Office.

Die webbasierte Lösung ermögliche die gemeinsame Bearbeitung von Dokumenten in Echtzeit und lasse sich in Plattformen für Dokumentenmanagement und kollaboratives Arbeiten integrieren. Gemäss Github unterstützt sie bereits Formate wie DOCX, XLSX, PPTX, PDF sowie Open-Document-Formate.

Der modulare Aufbau zeige sich auch in der Projektarchitektur mit separaten Komponenten wie Dokumentenserver, Webanwendungen und Integrationsmodulen. Die Koalition betont, dass derzeit ein umfangreicher Code‑Review‑ und Aufräumprozess laufe, um den Build‑Prozess zu vereinfachen und externe Beiträge zu erleichtern.

Eine Antwort auf die Risiken der Abhängigkeit

Das Projekt kommt zu einem Zeitpunkt, an dem viele europäische Unternehmen und Behörden ihre Abhängigkeit von Office-Suiten ausserhalb Europas überdenken. In der Schweiz haben diesen Trend bereits mehrere Akteure aufgegriffen. So bietet unter anderem Infomaniak mit "kDrive" eine kollaborative Alternative, die Messaging, Speicher, Videokonferenz und Office‑Tools umfasst, die ausschliesslich in der Schweiz gehostet wird und mit Microsoft‑Formaten kompatibel ist. Proton habe zudem eine Kollaborations-Suite vorgestellt, die auf End-to-End-Verschlüsselung setzt. Über Kosten und Funktionalität hinaus würden Aspekte wie Kontrolle, Kontinuität und digitale Souveränität zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Laut der Allianz enthalten bestehende Alternativen häufig Kompromisse hinsichtlich ihrer Kompatibilität, rechtlichen Risiken im Zusammenhang mit Lizenzen und Marken oder einer Governance ohne echte Unabhängigkeit. 

Euro‑Office greife auf den Open‑Source‑Code von Onlyoffice zurück, um eine Alternative zu bieten, die sowohl dem öffentlichen als auch dem privaten Sektor offensteht. "Europa verfügt seit Jahren über die technischen Bausteine. Was bisher fehlte, war eine Initiative, diese zu einer sinnvollen, umfassenden zusammenzuführen", lässt sich Frank Karlitschek, CEO von Nextcloud, zitieren.

Die Koalition ruft nun weitere Unternehmen, öffentliche Institutionen und zivilgesellschaftliche Organisationen dazu auf, sich dem Projekt anzuschliessen, um ein souveränes Office‑Ökosystem auf europäischer Ebene aufzubauen. Eine vorläufige technische Version ist bereits auf Github verfügbar, während die erste stabile Version im Sommer 2026 erwartet wird.

 

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