Interview

Infomaniak rüstet sich gegen GAFAM

Uhr | Aktualisiert
von Yannick Chavanne und Übersetzung: Joël Orizet

Der Genfer Hosting-Anbieter Infomaniak will mit kDrive eine Alternative zu den Tools von Google und Microsoft anbieten. CEO Boris Siegenthaler und COO Marc Oehler sprechen darüber, wie sie es mit GAFAM aufnehmen wollen, wo sie Herausforderungen sehen und wie sie mit dem Mangel an Talenten umgehen.

Boris Siegenthaler (l.), CEO von Infomaniak und COO Marc Oehler. (Source: Netzmedien)
Boris Siegenthaler (l.), CEO von Infomaniak und COO Marc Oehler. (Source: Netzmedien)

Infomaniak hat gerade kDrive lanciert. Inwiefern steht dieses Angebot in Konkurrenz zu den Services von Google, Microsoft & Co.?

Boris Siegenthaler: Es geht darum, eine Schweizer Alternative zu den Speicherdiensten und Online-Collaboration-Suiten von Google oder Microsoft anzubieten. Mit kDrive können KMUs einen einzigen Cloud-Service abonnieren, der Zugriff bietet auf Speicherplatz, File-Sharing, E-Mail-Management und bald auch auf einen von Slack inspirierten Chat-Dienst. Die Idee ist auch, das Identitäts- und Zugriffsmanagement für KMUs ohne eigene IT-Abteilung so weit wie möglich zu vereinfachen.

Wie haben Sie die Plattform entwickelt?

Marc Oehler: kDrive baut auf Technologien auf, die wir in den letzten zwei Jahren für andere Dienste entwickelt haben. Swiss Backup basiert auf Object Storage und hat es uns ermöglicht, Lasttests mit grossen Datenmengen durchzuführen. Mit Swiss Transfer haben wir gelernt, viele Zugriffe auf kleinere Dateien zu bewältigen. Unsere Roadmap war von Anfang an so geplant, dass wir mit diesen beiden Diensten unsere Infrastruktur auf die Probe stellen können, und zwar im Hinblick auf die Einführung von kDrive.

Wie sieht der Fahrplan für die Einführung neuer Funktionen in kDrive aus?

Marc Oehler: Unser Ziel ist es, jeden Monat neue Features zu lancieren. Wir arbeiten unter anderem an einem digitalen Safe. Die Nutzer könnten Ordner Ende zu Ende verschlüsseln, um den Datenzugriff durch ein Passwort zu schützen. Da die Verschlüsselung nur auf Browser-Ebene des Clients stattfindet, ist absolute Vertraulichkeit garantiert. Wir selbst werden niemals Zugang zu diesen Daten haben.

Was sind die wichtigsten Herausforderungen bei der Entwicklung Ihrer Produkte?

Boris Siegenthaler: Die grösste Herausforderung betrifft die Ergonomie. Wir müssen aufpassen, dass wir keine Benutzeroberflächen entwickeln, die nur Geeks ansprechen. In den nächsten drei oder vier Jahren wollen wir rund 20 Produkte zusammenführen, die wir derzeit als Standalone-Dienste anbieten. Dabei werden wir weiterhin auf die Ergonomie achten, um eine reibungslose User Experience zu gewährleisten – trotz der komplexen Integrationen im Back-end.

Fällt es Ihnen schwer, Talente zu finden?

Boris Siegenthaler: Es ist nicht einfach, in der Schweiz qualifizierte Entwickler und System Engineers zu finden. Wir wollen aber unsere Entwicklung nicht auslagern. Glücklicherweise haben wir im benachbarten Frankreich die Gelegenheit, Talente zu finden. Die Universitäten von Annecy, Grenoble und Aix-les-Bains bieten Ausbildungskurse an, die wie auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten sind. Vor allem deswegen, weil die Studierenden während den letzten zwei Jahren ihrer Ausbildung im Berufsleben stehen. Um die Situation zu verbessern, fordern wir seit Jahren mehr Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und der Industrie. In Partnerschaft mit der Genfer Fachhochschule CREA werden wir in Kürze einen Bachelor- und einen Master-Abschluss in Web- und Applikationsentwicklung einführen.

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