Die Schweiz hat hohe Ansprüche an die Digitalisierung im Gesundheitswesen
Die Schweizer Bevölkerung will selbst über ihre digitalen Gesundheitsdaten bestimmen, wie aus dem E-Health-Barometer 2026 hervorgeht. Das Gesundheitspersonal pocht hingegen auf eine leistungsfähige digitale Infrastruktur.
Die jährliche Umfrage zur Digitalisierung im Schweizer Gesundheitswesen, das Swiss E-Health-Barometer für 2026, ist da. Das Meinungsforschungsinstitut GfS Bern befragte im Auftrag des Swiss E-Health-Forums rund 1600 Einwohnerinnen und Einwohner der Schweiz sowie über 1100 Gesundheitsfachpersonen.
Die Schweizer Bevölkerung stehe weiteren Digitalisierungsschritten im Gesundheitswesen grundsätzlich offen gegenüber, teilt das Forum mit. Datenschutz und Kontrolle über die eigenen Gesundheitsdaten seien aber grosse Anliegen. Dagegen ist es dem Gesundheitspersonal laut Mitteilung wichtig, dass die digitale Infrastruktur gut funktioniert. Die Fachpersonen würden sich insbesondere effizientere Informationsflüsse und administrative Entlastung im Arbeitsalltag erhoffen.
Bevölkerung will Selbstbestimmung
Laut der Umfrage sind grosse Teile der Schweizer Bevölkerung damit einverstanden, ihre Gesundheitsdaten digital abzulegen, solange sie selbst bestimmen können, wer in welchem Ausmass darauf zugreifen kann. Behandelnde Ärztinnen und Ärzte geniessen das höchste Vertrauen: 84 Prozent der Befragten würden ihnen uneingeschränkten Zugriff auf ihre Gesundheitsdaten geben. Apothekerinnen und Apotheker, Pflegefachpersonen sowie Krankenkassen würden von den meisten Leuten nur eingeschränkten Zugriff erhalten, während die Mehrheit öffentlichen Stellen und Privatunternehmen gar keinen Zugriff gewähren würde. Ferner hätten die meisten Befragten nichts dagegen, wenn ihre Daten für die Forschung verwendet würden, solange sie anonym sind.
Insgesamt steige die Akzeptanz der digitalen Datenspeicherung im Gesundheitswesen seit Jahren langsam aber stetig an. Bedenken gebe es hauptsächlich in der älteren Bevölkerungsgruppe sowie bei Personen mit tieferem Bildungsniveau.
Das Gesundheitspersonal will einen klaren Nutzen
Gewisse Massnahmen der Digitalisierung gehören bei vielen Gesundheitsfachpersonen schon zum Alltag, wie die Umfrage zeigt. So würden 79 Prozent der Praxisärzteschaft bereits eine vollständig elektronische Krankengeschichte führen, weitere 10 Prozent täten dies teilweise. Trotzdem sei man gegenüber neuen Entwicklungen oft skeptisch eingestellt. Das Gesundheitspersonal akzeptiere eine solche nur, wenn ein Mehrwert erkennbar sei, etwa eine Entlastung bei administrativen Aufgaben.
Dies ist gemäss Umfrage besonders wichtig, wenn es um digitale Grossprojekte wie den "Gesundheitsdatenraum Schweiz" (SwissHDS) geht. Dieser stosse beim Gesundheitspersonal grundsätzlich auf Offenheit. Viele seien sogar bereit zum Mitwirken, solange das Projekt am Ende den administrativen Aufwand im Alltag verkleinere.
Patientendossier wird zu Gesundheitsdossier
Die Idee eines elektronischen Patientendossiers (EPD) kommt sowohl bei der Bevölkerung als auch beim Gesundheitspersonal nach wie vor gut an, wie das E-Health-Forum schreibt. Bezüglich der Umsetzung gebe es jedoch auf beiden Seiten noch Zweifel: Die Bevölkerung sorge sich um den Datenschutz, Gesundheitsfachpersonen würden dagegen den erforderlichen Mehraufwand bemängeln. Die Mehrheit dieser Gruppe nutze daher das bestehende EPD nicht.
Ein weiterer Grund dafür ist laut Umfragebericht das elektronische Gesundheitsdossier (E-GD), welches das EPD ablösen soll. In beiden befragten Gruppen bestehe die Hoffnung auf ein verbessertes System, das einfach nutzbar sei und die Arbeitseffizienz im Gesundheitswesen steigern könne, ohne Abstriche beim Datenschutz zu machen.
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