Clustergate-2

EPFL-Spin-off bringt KI-Rechner in den Orbit

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von Alexia Muanza und Übersetzung: Dylan Windhaber, nki

Das EPFL-Spin-off DPhi Space präsentiert mit Clustergate-2 eine satellitengestützte Rechenplattform für Softwareanwendungen im Orbit. Zur Demonstration liess das Unternehmen ein LLM im Weltraum laufen, das automatisch eine Beschreibung eines Bildes der Erde generierte.

Ansicht der Erde aus dem Weltraum. (Source: zVg)
Ansicht der Erde aus dem Weltraum. (Source: zVg)

Das EPFL-Spin-off DPhi Space hat mit Clustergate-2 eine satellitengestützte Rechenplattform für Entwickler lanciert. Für eine erste Demonstration führte das Unternehmen das LLM "Liquid AI LFM2-3B" direkt im Orbit aus, um eine automatische Beschreibung eines Bildes der Erde zu generieren, wie DPhi Space mitteilt. Clustergate-2 sei Ende März im Rahmen der SpaceX-Mission Transporter-16 gestartet und befinde sich nun auf dem Satelliten Vigoride-7 von Momentus.

Laut Mitteilung übermittelte der Satellit bei ersten Tests ein Erdbild an den Weltraumserver, der dieses mithilfe des LLMs von Liquid AI analysierte und anschliessend folgenden Satz generierte: "Dieses Bild zeigt eine sehr detaillierte Nahaufnahme der Erde aus dem Weltraum."

Die Demonstration sei Teil des erklärten Ziels von DPhi Space, fortschrittliche Software und KI-Modelle direkt an Bord von Satelliten auszuführen. Eingebaute Sensoren erzeugten heute mehr Daten, als Satelliten übertragen könnten. Wie es weiter heisst, will das Unternehmen durch die Verlagerung der Rechenleistung näher an die Sensoren die Latenz reduzieren, die Bandbreite optimieren und relevante Informationen schneller auswählen.

Eine Infrastruktur nach dem Vorbild einer Cloud

Clustergate-2 verfügt laut einem technischen Präsentationsvideo des Unternehmens über zwei ARM-Quad-Core-A53-Prozessoren mit jeweils 4 Gigabyte RAM, ein programmierbares FPGA des Typs SYNC Ultrascale Plus, eine von EdgeX bereitgestellte Nvidia-GPU sowie mehrere Terabyte redundanten Speicher. Die Prozessoren seien über Ethernet verbunden und die Architektur ermögliche Entwicklern, containerisierte Anwendungen im Weltraum bereitzustellen - ähnlich wie bei Cloud-Infrastrukturen auf der Erde.

Die Plattform biete zudem über eine einfache API Zugriff auf die Nutzlasten, insbesondere zur direkten Verarbeitung von Sensordaten wie Fisheye-Bildern. Die technische Dokumentation und die Preise sind öffentlich zugänglich, sodass Entwickler ohne vorherige Kontaktaufnahme starten können. Laut Angaben des Unternehmens wurden mit Ausnahme der externen GPU sämtliche Komponenten von DPhi Space entworfen und zusammengebaut. Zuvor habe man Vibrationstests zur Simulation des Raketenstarts sowie Prüfungen in einer thermischen Vakuumkammer durchgeführt.

Erste Anwendungsfälle

"Clustergate-2 ist ein erster Schritt hin zu einer Satellitenkonstellation mit Recheninfrastruktur", sagt Aziz Belkhiria, CEO und Mitgründer von DPhi Space. "Unser Ziel ist es, die Hürden für die Bereitstellung von Software im Weltraum zu beseitigen." Zu den ersten genannten Anwendungsfällen zählt das Unternehmen postquantenverschlüsselte Kommunikation, KI-gestützte Objekterkennung, die Ausführung von Open-Source-LLMs auf Payload-Daten sowie die Analyse von Satellitenbildern.

Gemeinsam mit Liquid AI organisiere DPhi Space zudem bis zum 8. Mai einen Hackathon, um solche Anwendungen zu erforschen, insbesondere die Erkennung maritimer Anomalien und die Identifikation illegaler Bergbauaktivitäten.

Nach Angaben von DPhi Space gehört Clearspace zu den ersten Schweizer Nutzern des Dienstes. Die Mission folge auf "Clustergate-1", die erste Version der Plattform, die man bereits im Orbit getestet habe. Derzeit arbeite das EPFL-Spin-off zudem an "Omnisat", einem künftigen Satelliten zur Erweiterung der Weltraum-Rechenkapazitäten.

 

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