Alte Marke mit neuer Vision

Commodore lanciert ein Klapphandy (fast) ohne Social Media

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von René Jaun und tse

Vor 40 Jahren hat das Unternehmen Commodore Computergeschichte geschrieben. Nun haucht ein US-amerikanisches Unternehmen der Marke neues Leben ein. Das Klapphandy, welches bald erscheinen soll, ist ein Plädoyer für digitalen Minimalismus.

Das "Callback 8020" in seiner weissen Ausführung. (Source: Screenshot / commodore.net)
Das "Callback 8020" in seiner weissen Ausführung. (Source: Screenshot / commodore.net)

Wer heute das Wort Commodore hört, dürfte in den meisten Fällen an die bei Gamern beliebten Computer aus den 1980er-Jahren denken. Diese Rechner gehörten zweifellos zu den erfolgreichsten Geräten des Unternehmens Commodore International; doch sie sind nur ein Kapitel einer Firmengeschichte, die in den 1950ern in Kanada mit einem Unternehmen namens Commodore Business Machines begann. Im Laufe der Zeit produzierte Commodore etwa Schreibmaschinen, Taschenrechner und Büro-Computer.

Bis Whatsapp - und nicht weiter

Lange schon sind nicht nur die bekannten Computer wie Commodore 64 Geschichte. Auch das damalige Unternehmen musste irgendwann in den 1990ern Insolvenz beantragen. Die Marke aber verschwand eigentlich nie vollständig. Mehrfach versuchten Firmen, die Rechte an Commodore und Co. zu erwerben und den alten Hype neu zu entfachen. Auf der Wikipedia-Seite finden sich Hinweise auf Computer, Spielekonsolen und MP3-Player, aber auch immer wieder Erwähnungen von Insolvenzen, Verkäufen und Übernahmen.

Seit 2025 jedenfalls gibt es wieder ein Unternehmen namens Commodore International. Es sitzt in den USA, erwarb die Nutzungsrechte an mehreren Dutzend Marken des früheren Commodore-Ökosystems und bietet mit dem "'Slimline' Commodore 64C Ultimate" auch schon ein erstes Produkt: Ein Gaming-Computer im Geiste des früheren Flaggschiffs.

Und das soll nur der Anfang sein: Mit dem "Callback 8020" kündigt Commodore International nun auch ein Klapphandy an. Laut dem Hersteller punktet das Gerät hardwaremässig mit einer 48-Pixel-Kamera, einem besonders durchdachten Audio-System und einem eingebauten UKW-Radio. Sowohl der Akku als auch die hintere Abdeckung lassen sich laut dem Hersteller leicht austauschen.

Doch ganz besonders hebt Commodore die Software hervor - und dort wiederum vieles, was das Handy eben bewusst nicht kann. Auf dem Gerät läuft demnach kein Internetbrowser. Und auch Social-Media-Apps seien "blockiert", wie es auf der Website heisst. "Keine schädlichen, hypnotisierenden Algorithmus-Apps, die von Wissenschaftlerteams entwickelt wurden, um Sie süchtig zu machen. Keine KI-Systeme. Keine E-Mails. Kein Slack/Teams/etc. Wenn Sie nicht bei der Arbeit sind, arbeiten Sie auch nicht". Mit dem Gerät verfolgt Commodore laut eigener Angaben die Vision, digitale Technologien zwar nutzbar zu machen, deren schädliche Komponenten aber aussen vor zu lassen.

Dennoch kommt das Handy ins Internet. Eine Reihe von Messaging-Apps sind verfügbar, darunter Whatsapp, Signal, Telegram und - nach einmaliger Aktivierung per Mac - auch Apples iMessage. Als Betriebssystem nutzt das Callback das auf Linux basierende Sailfish, es könne aber dennoch 99 Prozent aller Android-Apps ausführen, schreibt Commodore. Von Notizen über Karten und Ridesharing bis zu Podcasts soll demnach sehr vieles verfügbar sein. Das Phone sei "Smart, where it counts", wirbt Commodore.

Auf der Website nennt Commodore aktuell eine UVP von 443 Franken. Vorbestellungen nimmt das Unternehmen ab Ende Juni 2026 entgegen. Ob man künftig beim Stichwort Commodore an ein Handy für den digitalen Detox denkt, wird sich noch zeigen.

 

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