Schluss mit Eszett

DeepL lernt Schweizer Hochdeutsch

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von René Jaun und dwi

Die Übersetzungsplattform DeepL generiert neu auf Wunsch Texte in Schweizer Hochdeutsch. Die entsprechenden Übersetzungen verzichten etwa auf das im Standarddeutsch gängige Eszett, enthalten dafür aber Helvetismen.

(Source: Mohamed_hassan / pixabay.com)
(Source: Mohamed_hassan / pixabay.com)

Zum Schweizer Nationalfeiertag 2026 hat DeepL sein Übersetzungsangebot um Schweizer Hochdeutsch ergänzt. Auf der Übersetzungsplattform lassen sich somit Texte direkt in der hierzulande am häufigsten genutzten Schriftsprache erstellen.

Bislang generierte DeepL Texte lediglich in Standarddeutsch. Für die Veröffentlichung in der Schweiz mussten diese üblicherweise nachbearbeitet werden. Insbesondere enthalten Texte in Standarddeutsch das Eszett-Zeichen (ß). In der Schweiz werde dieses Zeichen schon seit den 1930er-Jahren nicht mehr genutzt, erklärt DeepL im Firmenblog; entsprechend fielen Texte mit Eszett in der Schweiz als ausländisch auf.

Das weggelassene Eszett ist aber nur eine von diversen Änderungen in der neuen DeepL-Sprache. Das zeigt ein kleiner Test mit dem englischen Satz "In the end, we parked our bikes in the attic". In Standarddeutsch übersetzt DeepL diesen Satz mit: "Schließlich haben wir unsere Fahrräder auf dem Dachboden abgestellt." Die Übersetzung in Schweizer Hochdeutsch lautet: "Schliesslich haben wir unsere Velos auf dem Dachboden abgestellt." DeepL übersetzt die Bikes also mit dem Helvetismus Velos anstatt den standarddeutschen Fahrrädern. Der Attic bleibt in diesem Beispiel jedoch auch in der Schweizer Version der Dachboden – dies, obwohl DeepL selber im Firmenblog den Estrich als Helvetismus erwähnt. Als weiteres Beispiel wird dort die unterschiedliche Übersetzung des Verbs "parken" aufgezählt, in der Schweiz meist ersetzt durch "parkieren" - und im Test der Redaktion allerdings umschifft durch die Wahl des Verbs "abstellen".

Beim etwa sechs Monate dauernden KI-Training für die neue Sprache entschied das DeepL-Team, Schweizer Hochdeutsch als eigenständige Schriftsprache zu behandeln, wie es im Blogbeitrag heisst. Man wollte Schweizer Hochdeutsch "in all seinen Nuancen, seiner charakteristischen Grammatik und seinem Wortschatz darstellen". Hingegen entschied sich das Unternehmen, sich ausschliesslich auf die Schriftsprache zu konzentrieren – die vielen mündlichen Dialektformen sind nicht Teil des neuen Angebots, zumal dafür oft nicht genügend Trainingsdaten zur Verfügung stünden.

Mit der Erweiterung auf Schweizer Hochdeutsch erfüllt DeepL unter anderem einen Wunsch der Bundeskanzlei, wie dem Blog zu entnehmen ist. Die Bundesverwaltung ist denn auch einer der Kunden, die die neue DeepL-Übersetzungsvariante bereits nutzt.

 

Lesen Sie auch: Im Frühling 2026 hat DeepL den Abbau von rund 250 Stellen bekanntgegeben. Mit dem Umbau will sich die Firma zu einem "KI-nativen" Unternehmen entwickeln. Die Begründung des Firmengründers: Kleinere Teams könnten dank KI heute die Arbeit ganzer Abteilungen stemmen.

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