Bundesrat Albert Rösti und Digitalswitzerland machen die Schweiz fit für den KI-Gipfel 2027
Trotz eher kleinem Budget wird der Geneva AI Summit 2027 ein Erfolg. Davon war Bundesrat Albert Rösti am Digitalswitzerland Forum überzeugt. Digitalswitzerland selber präsentierte erste Pläne für eine Förderkampagne für KI-Kompetenzen, während weitere Gäste zeigten, warum und wo Nachholbedarf herrscht.
Man muss zwar noch deutlich über 200 mal schlafen bis zum internationalen KI-Gipfel - dem Geneva AI Summit 2027. Doch die Schweiz bereitet sich jetzt schon auf den Event vom 21. und 22. Juni 2027 vor. Der Bund lancierte für die zahlreichen Pre-Events die Kampagne "Road to Geneva". Mit dem Digitalswitzerland Forum 2026 fand am 15. September in Bern ein solcher Event statt.
Eine Bühne für die Schweiz
Die Austragung des KI-Gipfels sei "ein wichtiger Schritt für die Schweiz", gab sich Bundesrat Albert Rösti zu Beginn der Veranstaltung überzeugt. Der Chef des Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) erinnerte an die bisherigen Austragungsorte Grossbritannien, Frankreich und Indien. Nach diesen grossen Staaten "dürfen wir doch etwas stolz sein, dass die Schweiz das tun kann".
Das Motto des Geneva AI Summit 2027 lautet "Bridging Innovation and Trust", wie Rösti weiter ausführte. Den Pfeiler der Innovation soll dabei in erster Linie die hiesige Wirtschaft und Forschung abdecken. Mit dem AI Summit rücke das Land ins internationale Blickfeld, erläuterte er. Die Schweiz könne sich als Forschungs-, Innovations- und Wirtschaftsstandort positionieren und hiesigen Unternehmen eine Bühne geben, beschrieb der Bundesrat das wichtigste Ziel des AI Summit: "Dass wir aufzeigen: Die Schweiz bietet die beste Grundlage, um in KI-Projekte zu investieren."
KI-Codex aus der Schweiz
Die staatliche Ebene verortete Rösti im Themenfeld "Trust". Im Rahmen des KI-Gipfels leiste die Schweiz einen Beitrag zu internationaler Zusammenarbeit. Viele offene Fragen zur KI-Regulierung könne ein Land alleine nicht beantworten, so der Bundesrat. Noch dieses Jahr wolle der Bund versuchen, die laufenden Arbeiten an einer KI-Regulierung zu kanalisieren. Im Idealfall könnte daraus "ein internationaler Codex, eine internationale Schlusserklärung" entstehen, in der "die minimalen Regulierungen im Bereich der KI" festgehalten würden. Zwar wolle er nicht zu viel versprechen, stellte Rösti klar, und verwies auf die Komplexität multilateraler Verhandlungen. Aber: "Ziel ist schon, dass wir etwas bieten könnten, das nicht einfach fertig ist, sondern an einem nächsten Gipfel weiterentwickelt werden könnte."
Umgekehrt erhalte die Schweiz durch den Gipfel "die Gelegenheit, unsere eigenen Arbeiten in den internationalen Zusammenhang zu stellen und weiterzuentwickeln." Natürlich werde der AI Summit den innenpolitischen Prozess hin zu einer Schweizer KI-Regulierung nicht ersetzen, stellte der Redner klar. "Er schafft aber einen Rahmen, der uns hilft, die nationalen Diskussionen informierter zu führen."
Vertrauen entstehe jedoch nicht nur durch Regeln und Zusicherungen, fuhr Rösti fort, sondern "dort, wo Menschen selbst verstehen, handeln und urteilen können." Entsprechend soll am Gipfel auch diskutiert werden, wie die Grundkompetenzen im Umgang mit künstlicher Intelligenz gestärkt werden können.
Mit 6 Millionen Franken zum Erfolg
Das Geld für den Geneva AI Summit kommt sowohl vom Staat als auch von Sponsoren aus der Wirtschaft. "Wir sollten den Gipfel, so wie es heute aussieht, gut finanzieren können in einem Umfang von etwa sechs Millionen Franken", sagte Rösti dazu. Damit liegt die Schweiz deutlich unter dem Budget des KI-Gipfels in Paris, wie der Bundesrat einräumte. Den in den Medien geäusserten Vorwurf, die Schweiz habe zu kleine Ambitionen, wies er in seiner Rede zurück. Vielmehr verfüge Genf bereits über die notwendige internationale Infrastruktur, weshalb die Schweiz den Anlass "relativ effizient oder sehr effizient" organisieren könne. Zudem habe die Veranstaltung in Genf das Format einer "hochkarätigen Ministerkonferenz" statt eines Treffens sämtlicher Staats- und Regierungschefs. Letztere verursachten einen "riesigen Sicherheitsaufwand" und "riesige Kosten, ohne dass der Output dann grösser wird", kommentierte Rösti. Rund zehn Staatschefs sollen dennoch eingeladen werden, insbesondere aus Ländern, die bereits einen KI-Gipfel veranstaltet haben oder künftig einen durchführen wollen.
Selbstverpflichtung statt strenger Gesetze
Abgesehen vom AI Summit ging Rösti in seiner Rede und dem anschliessenden Gespräch mit Digitalswitzerland-Präsident Andreas Meyer auf zahlreiche weitere Themen ein. So wies er auf nötige Investitionen in die digitale Infrastruktur hin, etwa in den Glasfaserausbau oder die Weiterentwicklung der Energieversorgung.

Andreas Meyer, Präsident von Digitalswitzerland (links), im Gespräch mit Bundesrat Albert Rösti. (Source: zVg)
In Sachen KI-Regulierung plädierte Rösti für einen vergleichsweise zurückhaltenden staatlichen Ansatz. Das Gesetz sollte Transparenz, Nichtdiskriminierung und Menschenrechte absichern. Im Gespräch warnte der Bundesrat vor zu strenger Regulierung, die zwar absichere, aber auch die Innovation beschränke. Zudem dauerten Gesetzgebungsverfahren angesichts der Geschwindigkeit der KI-Entwicklung viel zu lange. Dagegen sprach er sich für Selbstverpflichtungen spezifischer Branchen aus und lobte den KI-Codex von Schweizer Medien.
Förderkampagne für KI-Kompetenzen
Im weiteren Verlauf der Veranstaltung traten zahlreiche Gäste von Mitgliedsorganisationen von Digitalswitzerland auf. Sie zeigten, was die Schweiz in Sachen KI zu bieten hat, von souveräner Infrastruktur bis zum quelloffenen KI-Modell Apertus. Andere stellten KI-Trainingsprogramme vor, wie das AI-Enabled ICT Workforce Consortium. Auch Digitalswitzerland selbst will die KI-Kompetenzen in der Bevölkerung fördern. Dazu plant der Verband für 2027 die landesweite "AI Literacy Campaign". Sandrine Denti, Head Digital Trust and Literacy bei Digitalswitzerland, stellte klar, man wolle nicht alle Menschen zu KI-Profis machen. "Es geht darum, allen genügend Wissen und Selbstvertrauen zu vermitteln, damit sie fundierte Entscheidungen treffen können." Menschen sollten befähigt werden, KI in unterschiedlichen Kontexten zu verstehen, zu beurteilen, mit ihr zu interagieren und sie kritisch und wirkungsvoll zu reflektieren. Für die Kampagne will Digitalswitzerland bekannte Persönlichkeiten als Botschafter gewinnen. Ebenfalls geplant ist ein "AI Check", mit dem Menschen ihre eigenen KI-Kompetenzen einschätzen können.

Sandrine Denti, Head Digital Trust and Literacy bei Digitalswitzerland. (Source: zVg)
Dass Nachholbedarf in Sachen KI-Kompetenzen besteht, zeigten mehrere Gäste am Digitalswitzerland Forum auf. Der Mensch sei aktuell das meistgenannte Hindernis der KI-Transformation in Unternehmen, sagte etwa José Parra Moyano, Professor of Digital Strategy am IMD. Vielerorts schaffe KI einen Konflikt zwischen Effizienz und Qualität. Der Referent illustrierte dies anhand eines Mitarbeiters, der einen Bericht erstellen soll. Er könne die Aufgabe vollständig an die KI delegieren und dadurch Zeit sparen - riskiere aber schlechtere Qualität. Oder er könne zunächst selbst recherchieren und denken, anschliessend KI für Analysen, Szenarien und Kritik einsetzen und damit ein besseres Ergebnis erzielen. Das Problem: Diese zweite Variante koste weiterhin Zeit und Anstrengung, während gleichzeitig durch KI die Erwartungen der Vorgesetzten steigen. Genau dieser Druck begünstige den verhassten "AI Slop", also den schlechten KI-generierten Output.

José Parra Moyano, Professor of Digital Strategy am IMD. (Source: zVg)
Gleichzeitig sei mit dem KI-Boom eine "zweifache Informationsasymmetrie" entstanden, so Parra Moyano weiter. Einerseits zerstöre KI bisherige Qualitätssignale: Deutete noch vor Kurzem etwa ein gut strukturierter, fehlerfreier und sprachlich ausgefeilter Bericht darauf hin, dass jemand viel Arbeit investiert habe, liessen sich heute mit generativer KI solche Signale billig erzeugen. Zweitens erhielten Menschen heute eloquent formulierte Antworten zu Themen, die sie selbst gar nicht ausreichend beurteilen könnten. Diese hielten sie fälschlicherweise für richtig.
Dem Publikum riet der Referent, menschliches Urteil nicht durch autonome KI zu ersetzen. Gerade für Führungskräfte gelte: Je mehr Autonomie KI erhält, desto stärker müsse auch menschliches Urteilsvermögen eingesetzt werden. Die oft genannte Forderung "Human in the Loop" konkretisierte er zu: "Human in the Loop, but Human first": Der Mensch müsse zuerst selbst denken und ein Problem strukturieren, bevor er KI einsetze. Anschliessend soll KI nicht den Menschen ersetzen, sondern dessen Denken herausfordern. Schliesslich ermutigte er Unternehmen, den KI-Einsatz in Teams zu reflektieren, um gemeinsam zu lernen, sinnvoll mit der Technologie umzugehen.
Erklärbarkeit und Nachvollziehbarkeit sind Kerneigenschaften, doch positive Erfahrungen sind essenziell für unser Vertrauen in KI. Obwohl Vertrauen für viele Menschen etwas Abstraktes ist, stehen uns zahlreiche Methoden zur Verfügung, um vertrauenswürdige KI zu entwickeln und zu überprüfen. Mehr dazu lesen Sie im Fachbeitrag der Uni Zürich.
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