Solnet bestätigt unbefugte Zugriffe auf Webmail-Protokolle
Unbekannte haben beim Solothurner Internetprovider Solnet Protokolldaten aus dem Webmail-Dienst abgegriffen. Diese enthalten unter anderem E-Mail-Adressen, Betreffzeilen und Verbindungsdaten. Wie viele Personen betroffen sind, ist unklar.
Der Solothurner Internetprovider Solnet hat unberechtigte Zugriffe auf Protokolldateien seines Webmail-Dienstes bestätigt. Betroffen sind Kundinnen und Kunden, die ihre E-Mails über den browserbasierten Webmail-Client Roundcube verwaltet haben. Die Dateien enthalten unter anderem E-Mail-Adressen, Angaben zu Empfängern, Betreffzeilen und Verbindungsdaten, wie Solnet mitteilt.
Die betroffenen Versandprotokolle stammen aus dem Zeitraum vom 13. bis 31. Oktober 2026. Solnet hat bereits veröffentlichte Datenauszüge untersucht und bestätigt, dass sie aus den eigenen Protokolldateien stammen. Wer sich Zugriff auf die Daten verschaffte und wer sie derzeit besitzt, weiss der Anbieter nach eigenen Angaben nicht. Auch den Umfang des Datenabflusses kann das Unternehmen bislang nicht beziffern. Mengenangaben aus einem Onlineforum bestätigt Solnet nicht.
In den untersuchten Protokollen erschienen Passwörter laut Solnet ausschliesslich maskiert, also unkenntlich gemacht. Passwörter im Klartext habe das Unternehmen darin nicht gefunden. Ebenso gebe es keine Hinweise auf unbefugte Übernahmen von E-Mail-Konten. Allerdings können bereits Betreffzeilen und Angaben zu Kommunikationspartnern sensible Informationen preisgeben.
Bekannte PHP-Lücke soll nicht die Ursache sein
Die am 21. Oktober bekannt gewordene PHP-Sicherheitslücke ist laut Solnet nicht für den Vorfall verantwortlich. Der Anbieter habe die Lücke noch am Tag ihrer Bekanntgabe mit einem Sicherheitsupdate geschlossen. Die Untersuchung habe bestätigt, dass Unbefugte sie beim Zugriff auf die Protokolldaten nicht ausnutzten. Welche Schwachstelle den Zugriff stattdessen ermöglichte, erläutert Solnet nicht.
Am 1. November habe das Unternehmen von dem Vorfall erfahren und das Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) informiert. Anschliessend nahm Solnet den betroffenen Webmail-Server vorsorglich ausser Betrieb, baute die Umgebung neu auf und liess sie extern auf ihre Sicherheit prüfen. Seit dem Abend des 2. November steht der Webmail-Dienst wieder zur Verfügung. Der E-Mail-Verkehr über Programme wie Outlook oder Thunderbird funktionierte laut Statusmeldung auch während der Abschaltung weiter.
Die identifizierten betroffenen Kundinnen und Kunden informierte Solnet eigenen Angaben zufolge am 2. November. Ihnen empfiehlt der Anbieter, vorsorglich das E-Mail-Passwort zu ändern, die Multifaktor-Authentifizierung zu aktivieren und auch bei Nachrichten von bekannten Absendern auf verdächtige Inhalte zu achten.
Übrigens: Wie häufig Phishing, fehlende Multifaktor-Authentifizierung und Sicherheitslücken zu Cybervorfällen führen und welche Schutzmassnahmen Fachleute empfehlen, lesen Sie hier.
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