Das sagt Visa

Apple Pay kommt im Sommer in die Schweiz

Uhr | Aktualisiert
von George Sarpong

Noch im Sommer können Schweizer an der Kasse mit dem iPhone bezahlen. Die Akzeptanz des kontaktlosen Bezahlens steigt, wie Visa sagt. Doch für den Kreditkartenhersteller ist Apple Pay nur ein Modell von vielen.

(Quelle: Apple/Netzmedien)
(Quelle: Apple/Netzmedien)

Bezahlen mit dem iPhone. Endlich auch in der Schweiz. Das dürfte für viele Schweizer Apple-Kunden das Highlight von Apples Keynote an der WWDC gewesen sein. Apple kündigte fast schon beiläufig den Marktstart seiner Bezahllösung für die Schweiz an. Noch diesen Sommer soll es losgehen.

Die Kreditkartenanbieter Visa und Mastercard sind an Bord. Wer den Dienst nutzen will, muss aber erst bei seinem Kartenherausgeber anfragen, ob und wann die Kreditkarte mit Apple Pay verknüpft wird.

Apple Pay ist erst in etwa einem Dutzend Länder verfügbar. Von einer globalen Lösung kann also noch nicht die Rede sein. Allerdings wird Apple den Dienst wohl weiter ausbauen.

Der Schweizer Markt eignet sich auch deshalb für Apple, da hierzulande die Smartphone-Durchdringung sehr hoch ist. Ausserdem nutzen, je nach Studie, rund 50 Prozent der Schweizer Smartphone-Besitzer ein iPhone. Allerdings funktioniert Apple Pay erst mit neueren iPhones und iPads, auf denen die App Wallet vorinstalliert ist.

Schweiz ist ein spannender Markt

Für Kreditkartenanbieter wie etwa Visa ist die Schweiz spannend, da die meisten Bezahlterminals eine NFC-Schnittstelle haben und 2/3 aller Visa-Terminals bereits NFC bieten. Bis 2020 soll man an allen Visa-Terminals mit NFC und somit mit Apple Pay bezahlen können, sagte Stefan Holbein, Country Manager von Visa Europe Schweiz, heute in einer Telefonkonferenz.

Laut Holbein steigt der Anteil an kontaktlosen Bezahlvorgängen. Im Mai sollen 11,2 Prozent aller Bezahlvorgänge mit Visa-Karten kontaktlos gewesen sein. Ein Jahr zuvor waren es erst halb so viele.

Wer mit Visa arbeitet, könne das System nutzen, sagte Holbein. Es brauche keine spezielle Software oder Hardware. Für Händler entstünden auch keine weiteren Gebühren, kündigte Holbein an.

Visa muss keine Gebühren bezahlen, der Handel auch nicht. Allerdings werden die Herausgeber von Kreditkarten einen Teil der Umsätze an Apple abgeben müssen. Bisher bekannt sind die Kartenherausgeber Bonuscard und Cornér Card. Weitere wie etwa Viseca sind noch nicht an Bord, werden aber vermutlich nachziehen.

Wie funktioniert Apple Pay?

Apple hat für Apple Pay einen Registrierungsprozess entwickelt. Anwender müssen zunächst ihre Kreditkarte abfotografieren. Die Wallet-App stellt darauf hin eine Anfrage an einen Server beim Kreditkartenanbieter, also Visa oder Mastercard. Der Server liefert eine Token-Nummer an das Apple-Gerät.

Diese Nummer wird im Gerät gespeichert und ist einzigartig. Das heisst im Umkehrschluss: Wer mit einer Apple Watch, einem iPhone und einem iPad ausgerüstet ist, muss diesen Vorgang dreimal durchführen. Das sei wichtig, falls ein Gerät verlorengehen sollte. Dann kann der Token des iPhones gesperrt werden. Dennoch kann ein Kunde weiterhin mit seiner Uhr, dem iPad und der Kreditkarte bezahlen.

Der Datenaustausch am Bezahlterminal, etwa an einer Supermarktkasse, funktioniere gleich wie mit der NFC-fähigen Kreditkarte. Selbst wenn das Telefon keinen Mobilfunk- oder WLAN-Empfang hat. Nur das Terminal muss an das Netz angeschlossen sein.

Technolgie für andere Hersteller einsetzbar

Wie viele Tokens an Schweizer Kunden herausgegeben werden, kann Visa nur schätzen. Das hange davon ab, welche Kartenherausgeber wann einsteigen würden. Visa schätzt, dass 2020 fast alle kontaklosen Bezahlvorgänge mit Visa über das Smartphone abgewickelt werden könnten.

Denn für Visa gibt es nicht nur Apple Pay. Für Visa ist Apple Pay ein erster Use Case für die Token-Technik, wie Holbein erklärte. Apple Pay sei nur einer von vielen denkbaren Anwendungen. Auch andere Smartphone-Hersteller könnten die Technik "mit überschaubarem Aufwand" einsetzen, sagte Holbein. Er verwies im Gespräch wiederholt auf Google, das seine Bezahllösung, wie Apple, in Grossbritannien anbietet.

Apple Pay vs. Twint/Paymit

Visa sieht gute Chancen gegen Mitbewerber wie Twint/Paymit oder Mobino zu bestehen. Immerhin seien die Visa-Lösungen global einsetzbar.

Twint/Paymit gibt sich gelassen, begrüsst sogar den Mitbewerb. Immerhin könnte Apple Pay helfen, das Bezahlen via Smartphone populärer zu machen, erklärte Twint-CEO Thierry Kneissler. "Twint/Paymit ist eine technologisch offene und herstellerunabhängige Plattform mit attraktivem Zusatznutzen – für den Kunden über den Händler bis hin zum Finanzinstitut", fügte Kneissler an.

Der Markt und die Bereitschaft der Konsumenten würden entscheiden, wie sich die verschiedenen Lösungen positionieren können, teilte das Konsortium mit.

Die Grossbanken

Das Rennen um die beliebteste Bezahllösung auf dem Smartphone ist also eröffnet. Wie stehen die grossen Banken zu Apple Pay?

Paymit-Partner UBS wird Apple Pay (vorläufig) die kalte Schulter zeigen. Die Bank favorisiert Twint/Paymit. UBS fokussiere sich auf die Einführung der plattformunabhängigen offenen Schweizer Lösung Twint/Paymit. Die darüber hinaus für iOS und Android angeboten wird. Mit dem geplanten Zusammenschluss von Twint und Paymit "wird UBS dem Kunden eine Lösung für mobile Endgeräte bieten, die Zusatznutzen bringt, wie beispielsweise die Anbindung von Kundenkarten und Coupons".

Postfinance konzentriert sich derzeit auf die Weiterentwicklung seiner Mobile-Payment-Lösung Twint. Ausserdem geniesse derzeit die Erneuerung des Kernbankensystems Priorität. Dieses diene als Grundlage für das zukünftige Zahlungssystem und binde intern viele Ressourcen, teilte das Unternehmen mit.
 
Postfinance macht klar: "Aktuell ist die Bezahlung mit einer Postfinance Kreditkarte über Apple Pay nicht möglich. Ob und wann die Bezahlung mit einer Postfinance Kreditkarte über Apple Pay allenfalls in Zukunft möglich sein wird, können wir zum heutigen Zeitpunkt noch nicht beantworten."

Der Kreditkartenanbieter Viseca erklärt auf seiner Website, dass es Apple Pay derzeit nicht unterstützt.

 

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