Die digitale Transformation der IT

Nicht nur Know-how ist gefragt, sondern auch Do-how

Uhr | Aktualisiert

Jetzt finden sie wieder statt, die vielen IT-Breakfasts, Innovation-Touren und Digitalisierungskonferenzen. Landauf, landab zelebrieren sich die IT-Manager in ihrem alljährlichen Get-together und zeigen sich von ihrer besten Seite, wenn es um die Verkündigung ihrer Visionen und Strategien zur Umsetzung der digitalen Transformation geht. In den höchsten Tönen wird für sich in Anspruch genommen, auf dem besten Weg in die digitale Zukunft zu sein. Wer es ganz gut verpackt, bekommt vielleicht noch einen Award.

Es ist ja eigentlich alles so einfach und bestechend zugleich. An der "Brave new World of Digitalization" führt kein Weg mehr vorbei. Mit einer Leichtigkeit sollen Apps bereitgestellt, aus der hochdynamischen Cloud eingesetzt und magisch mit den Schnittstellen der Businessprozesse verlinkt werden, dass es nur so funzt. Und das nicht etwa in aufwendigen Investitionsprojekten – nein, quasi aus dem operativen Betrieb heraus. Der Erfolg liegt auf der Hand und muss nicht mehr hinterfragt werden. Die nun vollständig automatisierten Value-Streams generieren quasi ohne Energieverlust und ohne manuelle Hand-offs Werte ohne Ende für das Business. Oder zumindest ist die Aussicht darauf schon mal auf der Powerpoint-Folie skizziert. Man wundert sich höchstens, warum das Unternehmen nicht schon längst am Ziel ist.

Die Realität ist halt leider oft eine ganz andere. Grosse Hypotheken von Altlasten aufgeschobener Architekturerneuerungen lassen sich nicht so einfach wegmigrieren. Mit "Lift and Shift" in die Cloud werden Anwendungen nicht automatisch "Cloud native" oder zu "stateless Microservices". Die IT-Organisation fällt bei jedem Versuch, die Entwicklungssünden der Vergangenheit und die fragilen IT-Infrastrukturen zu transformieren, erbarmungslos auf die Nase. All dies rächt sich jetzt und lässt die IT-Organisationen rat- und hilflos erscheinen. Mit bimodalen Konzepten hat man schon versucht, die alte Welt aussterben zu lassen – dumm nur, dass genau dort die Kernanwendungen der Unternehmen liegen.

Jetzt sind keine theoretischen Blaupausen-Designer gefragt, die von sich behaupten: "Theoretisch kann ich praktisch alles …" Es braucht vielmehr nüchterne Praktiker, die bereit sind, die Probleme an der Wurzel zu packen. Es braucht CIOs, die hinstehen und sich dafür einsetzen, dem Business klaren Wein einzuschenken und die angesammelten Leichen aus dem Keller zu holen. Das braucht auch Durchhaltewillen, Rückgrat und etwas mehr Weitsicht als nur bis zur nächsten Bonus­runde.

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