Wild Card von Marcel Dobler

Welchen Wert haben Ladengeschäfte in unserer Gesellschaft?

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Onlineumsätze steigen stetig und als Konsequenz grassiert das Ladensterben. Ist die Konkurrenz aus dem Internet aber wirklich der einzige Grund, dass der Detailhandel und zunehmend auch Traditionsgeschäfte verschwinden? Nein, erschwerte Verkehrssituationen, Einkaufstourismus und konservative Ladenöffnungszeiten tragen das ihrige dazu bei.

Marcel Dobler, Präsident ICT-Switzerland und FDP-Nationalrat. (Source: zVg)
Marcel Dobler, Präsident ICT-Switzerland und FDP-Nationalrat. (Source: zVg)

Dass in den letzten Jahren eine Verschiebung von Retail zu Online stattgefunden hat und diese weiter anhält, ist nicht neu. Auch nicht, dass aufgrund der Konkurrenz aus dem Internet immer mehr Läden verschwinden. Stadtbilder sind mittlerweile von leerstehenden Lokalen oder Schaufenstern von Versicherungen und Banken geprägt. Liegt dies aber wirklich nur daran, dass online einzukaufen bequem ist? Oder was steckt noch dahinter?

Direkt vor Ort einzukaufen, wird immer unattraktiver

Es gibt nach wie vor klar ein Bedürfnis, direkt im Laden einzukaufen – sei dies wegen der persönlichen Bedienung und Beratung oder weil man zum Beispiel Kleider anprobieren kann. Trotzdem ist es gerade in Städten immer unattraktiver, vor Ort einzukaufen.

Das städtische Standortmarketing spielt dem lokalen Gewerbe gelinde gesagt nicht gerade in die Hände: Die Verkehrssituation ist teilweise sehr mühsam, von fehlenden Parkplätzen ganz zu schweigen. Und ehrlich gesagt, einen Fernseher oder Ähnliches kaufe ich in dem Fall beim besten Willen nicht im Detailhandel und trage ihn mit dem ÖV nach Hause.

Konkurrenz von "Shop Ville" und Co.

Der stationäre Detailhandel steht auch in grosser Konkurrenz zu den Läden in den Bahnhöfen, die immer geöffnet haben, und den Tankstellenshops, die fast immer offen sind. Es ist klar, dass die Kundenfrequenz abnimmt, wenn der Gewerbler an strikte Öffnungszeiten gebunden ist. Diese Marktverzerrung ist nicht fair, denn auch der Ladenbetreiber schafft Arbeitsplätze und zahlt Steuern.

Einkaufstourismus als zusätzliche Bedrohung

Natürlich gehen in grenznahen Gebieten viele Schweizer einerseits wegen der tieferen Preise zum Einkaufen ins nahe Ausland. Andererseits ist aber ein anderer Grund nicht zu unterschätzen: Unsere Nachbarländer haben liberalere und bessere Ladenöffnungszeiten. Es ist also dringend angezeigt, dies zu ändern, nur wurde vor Kurzem gerade wieder ein Vorstoss dazu abgelehnt. Begründung für die Ablehnung war, dass eine Ausnahmeregelung nahe der Grenze zu einer Marktverzerrung führen würde. Das stimmt. Doch muss man sich fragen, was das kleinere Übel ist: die interne oder die externe Verzerrung?

Was muss ein Unternehmen tun? Innovativ sein!

Es ist klar, dass die Unternehmen selbst in der Pflicht stehen, etwas zu tun: Innovation und Kreativität sind gefragt. Die Betreiber der Ladengeschäfte müssen allenfalls eine Mehrfachnutzung in Betracht ziehen oder sich anderweitig an die neuen Begebenheiten anpassen. Logisch, dass hier Selbstverantwortung gefragt ist. Es braucht nicht nur neue Geschäftsmodelle, die in der Verantwortung der Gewerbler sind, auch der Bund muss etwas tun.

Was muss der Bund tun? Dazu ist eine Studie nötig

Es ist dringend angezeigt, eine Studie in Auftrag zu geben, um zu klären, welchen Wert die Ladengeschäfte in unserer Gesellschaft haben. Eine Befragung soll zeigen, ob eine Marktverzerrung (intern oder extern) gerechtfertigt ist. Denn meines Erachtens sind gleich lange Spiesse nötig. Der Bund ist hier also gefragt und muss zugunsten unserer KMUs tätig werden!

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