Best of Swiss Web

Christof Zogg: " Ich kann mich noch gut an Yahoos Übersetzungsservice erinnern"

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Zum 20. Mal werden dieses Jahr die Best of Swiss Web Awards verliehen. Christof Zogg ist CEO von Starticket und seit 2018 Chairman der Best-Of-Swiss-Web-Jury. Im Interview erzählt er, welche Website ihn vor 20 Jahren faszinierte, was sich seither bei Best of Swiss Web verändert hat und welche besonderen Erwartungen er dieses Jahr hat.

Christof Zogg, CEO, Starticket (Source: Netzmedien)
Christof Zogg, CEO, Starticket (Source: Netzmedien)

Die Best of Swiss Web Awards werden dieses Jahr zum 20. Mal vergeben. Wie lange sind Sie schon an Bord?

Christof Zogg: Offiziell bin ich erst seit zwei Jahren an Bord als Jury-Chairman. Aber eigentlich fühle ich mich schon seit jeher in der einen oder anderen Form verbunden mit Best of Swiss Web. In den Anfangsjahren als Mitarbeiter einer Webagentur, die fast nie etwas gewonnen und sich schwer darüber aufgeregt hat. Einige Jahre später als Mitglied der Jury «Business» unter der kompetenten Leitung von Ralf Wölfle. Und schliesslich als Director Digital Business bei den SBB in der Rolle als Projekteinreicher, der 2018 stolz den Master of Swiss Web entgegennehmen durfte.

Wie hat sich Best of Swiss Web seit der ersten Ausgabe vor 20 Jahren verändert?

Erstens ist der Anlass mit der Zeit stark gewachsen – von einer familiären Feier im Kaufleuten zum grössten Award und Branchentreffen der Schweiz mit über 300 Projekteinreichungen und 900 Gästen an der Award Night. Zweitens hat sich die Zielgruppe verbreitert, indem das Web nicht mehr nur für spezialisierte Webagenturen relevant ist, sondern auch für alle Kommunikationsdienstleister wie Werbe- und Mediaagenturen und als immer wichtiger werdender Vertriebskanal. Und drittens hat sich Best of Swiss Web im Gleichschritt mit der Branche professionalisiert. Was aber konstant geblieben ist: Im Kern steht die kompetente und seriöse Beurteilung von Webprojekten durch Fach­jurys mit fast 100 ehrenamtlichen Juroren.

Wenn Sie sich an die Zeit vor 20 Jahren erinnern: Welche war damals Ihre Lieblings-Website?

Lieblingssite wäre vielleicht zu viel gesagt, aber ich kann mich noch gut an Yahoos Übersetzungsservice Babel Fish erinnern, der uns damals faszinierte und eine kleine Vorahnung darauf gegeben hat, was heute mit KI-basierten Übersetzungstools wie Deepl und Konsorten möglich ist.

Sie beobachten die IT-Branche sehr genau. Gibt es eine Entwicklung in den letzten 20 Jahren, die Sie besonders beeindruckt?

Da waren auf der einen Seite die Trends, Technologien und Plattformen, die einst gehypt wurden, wie Flash, Altavista oder Myspace, und heute verschwunden sind und anderseits all die neuen Use Cases, die sich das Web erobert hat und aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken sind. Ich denke etwa an Musik- und Videostreaming, Onlinebanking oder das Nachschlagen von Fakten auf Wikipedia. Und das besonders Beeindruckende daran: Die meisten dieser Konzepte, die sich am Schluss durchgesetzt haben, wurden von innovativen Unternehmern und Visionären bereits vor dem Platzen der Internetblase um die Jahrtausendwende lanciert. Sie waren ihrer Zeit mehr als ein Jahrzehnt voraus.

Haben Sie besondere Erwartungen an die dieses Jahr eingereichten Projekte?

Meine grösste Erwartung betrifft die neu geschaffene Kategorie «Productivity». Hier wünsche ich mir, all die tollen Schweizer Weblösungen jurieren zu dürfen, die den Unternehmensalltag in den letzten Jahren fundamental verändert haben. Denn von der Buchhaltung über das Branchen-ERP bis hin zur Spesen- und Ferienverwaltung arbeitet heute wohl eine Mehrheit der Mitarbeitenden nicht mehr mit Desktop-, sondern mit Weblösungen. Erfreulicherweise handelt es sich dabei oft um Swiss-Made-Software.

Welche neue Web-Entwicklung oder Technologie fasziniert Sie im Moment am meisten?

Eine der spannendsten Entwicklungen finde ich aktuell die sich abzeichnende Konvergenz zwischen Web- und Apptechnologie, die in Form von Progressive Web Apps zum Ziel hat, alle Formfaktoren mit einem Entwicklungsframework zu erschlagen. Getrieben wird diese Entwicklung unter anderem durch die technologische Annäherung von Google und Microsoft - auch aus der Not geboren, dass die Redmonder den Kampf um die Smartphone-Vorherrschaft spektakulär verloren haben.

Webcode
DPF8_169719

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