Datenfabriken fordern ihren Preis
Rechenzentren sind mehr als nur die Schaltzentralen des Internets – sie haben sich zu kritischen Infrastrukturen von nationaler Tragweite entwickelt. In ihren Systemen sichern Banken die Transaktionen ihrer Kundschaft. Sie fungieren als Gedächtnis, das den digitalen Geschäftsbetrieb vom KMU bis zum globalen Konzern steuert. Und sie sind die Produktionsstätten der künstlichen Intelligenz, in denen Unternehmen und Forschende Rechenleistung in Modelle und Anwendungen verwandeln.
Sie stellen aber auch die Raum- und Energieplanung vor grundlegende Herausforderungen. Rechenzentren beanspruchen Fläche, benötigen stabile Stromnetze und verlangen nach durchdachten Kühlkonzepten. Ihr Wachstum folgt keiner abstrakten Logik, sondern konkreten Standortfaktoren: Versorgungssicherheit, regulatorische Stabilität und geopolitisches Vertrauen. Da die Schweiz diese Kriterien erfüllt, zieht sie Investitionen in Milliardenhöhe an, wodurch sich allerdings die Konkurrenz um Bauland und Netzkapazitäten verschärft.
Prägten früher lokale Anbieter das Geschäft, dominieren heute Hyperscaler und Colocation-Spezialisten den Markt. Konzerne wie Google, Microsoft und Vantage Data Centers treiben den Ausbau massiv voran, vor allem im Grossraum Zürich. Nach Angaben des Bundes sind hierzulande bereits über 120 Rechenzentren in Betrieb, weitere befinden sich im Bau. Einen detaillierten Überblick über die zentralen Akteure, deren Standorte und Kapazitäten liefert die Marktübersicht.
Dieses Wachstum treibt jedoch den Energieverbrauch in die Höhe. Wie viel Strom die Datacenter hierzulande tatsächlich verbrauchen, soll eine Studie des Bundesamts für Energie demnächst mit aktuellen Zahlen zeigen. Vorab schätzte Studienautor und HSLU-Professor Adrian Altenburger die Lage gegenüber "SRF" folgendermassen ein: Der Anteil der Rechenzentren am Stromverbrauch in der Schweiz liegt heute bereits bei 6 bis 8 Prozent – bis 2030 dürfte er auf bis zu 15 Prozent anwachsen. Das wäre mehr, als der gesamte Kanton Zürich im Jahr 2023 verbrauchte.
Die Branche reagiert auf diesen Druck mit technischen Innovationen – schliesslich hat sie unabhängig von politischen Energiezielen ein ureigenes ökonomisches Interesse daran, Anlagen möglichst energieeffizient zu betreiben. Doch die Frage bleibt, wo die effektivsten Hebel zur Effizienzsteigerung liegen. Antworten darauf liefert der Themenschwerpunkt, in dem Experten das Dilemma zwischen Wachstum und Nachhaltigkeit bewerten und darüber diskutieren, ob die Abwärme vom Nebenprodukt zur strategischen Ressource werden kann.
Parallel zur Frage der Ressourceneffizienz rückt eine zweite Dimension in den Vordergrund: die digitale Souveränität. Wie eng diese mit leistungsfähiger Hochleistungsinfrastruktur verknüpft ist, zeigt das Nationale Supercomputing Centre (CSCS) mit seinem Supercomputer "Alps". Welche Rolle solche Spitzeninfrastrukturen für die internationale Wettbewerbsfähigkeit spielen und weshalb Souveränität Investitionen und politischen Gestaltungswillen voraussetzt, erläutert CSCS-Direktor Thomas Schulthess im Interview.
Rechenzentren haben ihren Preis. Sie binden Energie, beanspruchen Raum und belasten die Netze der digitalen und physischen Infrastruktur. Sie verschärfen Zielkonflikte zwischen Versorgungssicherheit, Standortentwicklung und der ökologischen Tragfähigkeit bestehender Energiesysteme. Datacenter sind jedoch nicht bloss Stromfresser, sondern auch das Fundament digitaler Wertschöpfung – ohne sie stünde die moderne Wirtschaft still. Deswegen muss die Schweiz Wege finden, diese Spannungen auszutarieren. Gelingt ihr das nicht, riskiert sie, im globalen Wettbewerb um digitale Zukunftsfähigkeit den Anschluss zu verlieren.
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