Globales Spionagenetzwerk enttarnt, hunderte Regierungsrechner sind infiziert
„Ghostnet“, so titulierten Wissenschaftler des in Toronta ansässigen Munk Centre for International Studies das von ihnen entdeckte Spionagenetzwerk. In den vergangenen zwei Jahren befiel es 1295 Rechner in 103 Ländern. Dabei wurde eine Vielzahl von Systemen infiziert: Vor allem aber Rechner der Regierungen Asiens, Systeme ihrer Botschaften in Nordamerika und Europa sowie Rechner diverser Nachrichtenorganisationen und sogar ein Rechner im NATO-Hauptquartier. Auf die Spur des Spionagenetzwerks kamen die Forscher durch die Überprüfung des Rechnersystems der in Indien residierenden tibetischen Exil-Regierung des Dalai Lama.
Die Spionagesoftware erlaubt nicht nur die Überwachung des Mail-Verkehrs, sondern auch das Fernsteuern des Computers. So können sogar an den Computer angeschlossene Kameras und Mikrofone zur Raumüberwachung eingesetzt werden. Die Server des Ghostnet stehen zum grössten Teil in China, dennoch vermieden es die Wissenschaftler, mit dem Finger auf die chinesische Regierung zu zeigen, da sowohl Russland als auch die USA beispielsweise über solche Techniken verfügen. Konkrete Auswirkungen waren bisher aber vor allem bei der tibetischen Exilregierung zu spüren. So habe sich die chinesische Regierung bei einem Diplomaten gemeldet und ihm von einem Besuch des Dalai Lama abgeraten, nachdem dieser per E-Mail eingeladen worden war. Ausserdem sei eine Aktivistin, die Kontakte zwischen Exil-Tibetern und Chinesen vermittelte, von den chinesischen Behörden an der Grenze zu Tibet festgenommen worden. Dies zeigt zwar in Richtung China, dennoch sollen interessanterweise auch keine US-Rechner befallen worden sein. Weiter gehen hier Wissenschaftler der Universität Cambridge. Diese hatten das Spionagenetz gleichzeitig entdeckt. Sie sehen die Täter eindeutig in China. Ein chinesischer Konsulatssprecher stritt in New York jedwede Verbindungen der chinesischen Regierung zu dem Bot-Netz ab. "Das sind alte Geschichten und sie sind Unsinn," sagte er gegenüber der New York Times. "Die chinesische Regierung verbietet streng jedwede Cyber-Verbrechen und beteiligt sich nicht an ihnen."
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