IPv6 und Netzneutralität

"Je abhängiger wir von der Cloud sind, desto wichtiger wird die Netzneutralität"

Uhr | Aktualisiert

Welcher Zusammenhang besteht zwischen der Einführung von IPv6 und Netzneutralität? Eine Frage, die gestern an einem Anlass des Swiss IPv6 Council diskutiert wurde.

Alain Fiocco, Senior Director und Head of Cisco IPv6 High Impact Program, sprach gestern Abend in Zürich. (Quelle: Netzmedien)
Alain Fiocco, Senior Director und Head of Cisco IPv6 High Impact Program, sprach gestern Abend in Zürich. (Quelle: Netzmedien)

Netzneutralität und IPv6 sind zwei Themen, die in der IT-Branche eher stiefmütterlich behandelt werden. Das Swiss IPv6 Council, das sich für die Einführung von IPv6 in der Schweiz einsetzt, hat an einer Veranstaltung gestern Abend gleich beide Themen unter einen Hut gebracht.

So erläuterte Balthasar Glättli, Zürcher Nationalrat der Grünen, in seinem Referat die Wichtigkeit von Netzneutralität, also dem diskriminierungsfreien Zugang zum Internet beziehungsweise einer gleich guten Datenübertragung für alle.

Er wies darauf hin, dass Netzneutralität in der Bevölkerung, der Politik sowie bei den Entscheider der ICT-Branche keine grosse Rolle spiele. "Internet ist für uns so selbstverständlich wie Wasser, aber das Wissen über dessen Infrastruktur ist sehr gering", gab er zu bedenken. Dabei gehe ein wichtiger Punkt vergessen: "Je abhängiger wir von der Cloud sind, desto wichtiger wird die Netzneutralität." Denn Unternehmen seien immer mehr davon abhängig, dass sie einen garantierten Zugang zum Internet und dessen Applikationen und Services haben. Glättli warnte davor, auf ein "Zwei- oder Dreiklassen-Internet" zuzusteuern statt eine neutrale Infrastruktur zur Verfügung zu stellen.

IPv6 und Netzneutralität

Alain Fiocco, Senior Director und Head of Cisco IPv6 High Impact Program, widmete sein Referat der technischen Sicht auf die Umstellung von IPv4 auf IPv6. Sein Fazit, vereinfacht auf den Punkt gebracht: Wer sein Netzwerk nicht auf IPv6 umstellt, gefährdet die Netzneutralität.

Warum? Da die freien IPv4-Adressen allmählich ausgehen und die Umsetzung auf IPv6 seine Zeit dauert, gibt es schon seit Jahren eine Übergangslösung, um die bestehenden IPv4-Adressen effektiver zu nutzen: Carrier-grade NAT (CGN). Damit lassen sich bestehende IPv4-Adressen besser nutzen, indem man eine öffentliche IPv4-Adresse auf verschiedene Nutzer aufteilt. Anders gesagt müssen sich viele Nutzer eine öffentliche IPv4-Adresse teilen.

Dies funktioniere gut innerhalb eines kleinen Kreises von Nutzern, zum Beispiel innerhalb eines Unternehmens, aber mit der steigenden Zahl von Nutzern, die immer komplexere Applikationen nutzen, könnte diese Technik an ihre Grenzen stossen, gab Fiocco zu bedenken. Als Folge davon können Verbindungsprobleme auftreten oder der Datenfluss könne beeinträchtigt werden. Um dies zu demonstrierren, zeigte Fiocco das Bild einer Karte auf Google Maps, die nur noch teilweise angezeigt wurde. Mit der Umstellung auf IPv6 liessen sich diese Probleme umgehen, so Fiocco.

Wie viele Nutzer in der Schweiz über ein CGN surfen, konnte Fiocco gestern nicht sagen. Es gebe für den Nutzer auch keine direkte Möglichkeit herauszufinden, ob er über CGN surfe oder nicht.

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