Kundentreue zu Swisscom wurde Terroristen zum Verhängnis

Uhr | Aktualisiert
Das Abhören der Gespräche von Terroristen, die mit SIM-Karten der Swisscom telefonierten, hat offenbar Früchte getragen und wesentlich zur Festnahme eines ranghohen Kaida-Mitglied und weiterer Terroristen und Verdächtiger beigetragen. Bereits im Herbst 2002 hatte Facts über die Verwendung von anonymen Prepaid-Karten der Swisscom durch Terroristen geschrieben. Die Schweizer Bundeskriminalpolizei wollte damals wegen der laufenden Ermittlungen aber keine Details bekannt geben. Nun sind die Ermittlungen der Aktion "Mont Blanc", die unter Schweizer Führung stattfanden, offensichtlich abgeschlossen; Geheimdienstmitarbeiter aus verschiedenen Ländern haben mit der New York Times über Details gesprochen. Ihr Fazit: Die Kundentreue zu Swisscom wurde vielen Terroristen zum Verhängnis: "Sie glaubten, dass die Chips ihre Anonymität schützen würden, aber das war nicht der Fall", wird ein europäischer Geheimdienstoffizier zitiert. Auch ohne persönliche Information habe man die Gespräche mithören können. Zum ersten Mal geschah dies am 11. April 2002, als ein Anruf eines Verdächtigen in Deutschland an das ranghohe Kaida-Mitglied Khalid Sheikh Mohammed in Pakistan abgehört wurde. Nach der Durchsuchung der Wohnung des Verdächtigen in Deutschland habe man dann eine ganze Liste mit Swisscom-Nummern gefunden. Die Aufzeichnungen der Swisscom-Gespräche zeigten, dass viele weitere andere Verdächtige Prepaid-Karten von Swisscom nutzten. Durch die Überwachung des Mobilverkehrs sei es dann gelungen, Sheikh Mohammed in Karachi zu lokalisieren und im vergangenen März festzunehmen. Dieser habe zwar öfters das Handy gewechselt, jedoch die SIM-Karte weiter benützt. Die Festnahme von Sheik Mohammed habe dann zu weiteren 6000 Telefonnummern und die Überwachung weiterer Gespräche zu mehreren Festnahmen geführt. Wie Geheimdienstmitarbeiter der New York Times mitteilten, würden die Terrorismusverdächtigen nun weitgehend auf die Benützung von Schweizer Prepaid-Karten verzichten, die sie, so die New York Times en gros in Genf gekauft hatten. Am 1. Juli 2004 gilt in der Schweiz zudem die Registrierungspflicht für Prepaid-Karten.