Mitarbeitende im Visier

Cyberkriminelle setzen auf gekaufte Insider

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von Joël Orizet und Netz-KI Bot und ahu

Cyberkriminelle werben gezielt Beschäftigte an und bezahlen sie für interne Zugänge oder bestimmte Handlungen. Daraus entwickelt sich ein organisierter Untergrundmarkt mit Vermittlungspersonen, festen Preisen und Gewinnbeteiligungen.

(Source: Ashi / stock.adobe.com)
(Source: Ashi / stock.adobe.com)

Cyberkriminelle versuchen zunehmend, Beschäftigte für ihre Zwecke zu gewinnen, statt ausschliesslich technische Schutzmechanismen zu überwinden. Besonders gefragt sind Personen, die Zahlungen freigeben, Konten wiederherstellen oder Betrugskontrollen umgehen können, wie TrendAI, der Geschäftsbereich für Unternehmenskunden von Trend Micro, nach zweijähriger Beobachtung von Untergrundforen und Telegram-Kanälen feststellt.

Die Rekrutierung von Insidern hat sich den Ergebnissen zufolge zu einem organisierten Geschäft entwickelt. Auf einschlägigen Plattformen treten Vermittlungspersonen auf, Geschäfte laufen über Treuhanddienste und Kriminelle bieten feste Vergütungen, Gewinnbeteiligungen oder Vermittlungsprämien. Besonders im Visier stehen Beschäftigte von Banken, Telekommunikationsunternehmen und Social-Media-Plattformen.

Kriminelle bezahlen für Entscheidungsgewalt

Dabei zählt laut der Untersuchung nicht unbedingt ein möglichst umfassender IT-Zugang. Wertvoll sind vor allem Beschäftigte, die aufgrund ihrer Funktion bestimmte Vorgänge auslösen dürfen. Bei Telekomunternehmen kann eine bestochene Person beispielsweise per SIM-Swap eine Telefonnummer auf eine andere SIM-Karte übertragen. Kriminelle können dadurch unter Umständen SMS-Codes zur Zwei-Faktor-Authentifizierung abfangen und weitere Konten übernehmen.

TrendAI dokumentierte für solche Dienste Angebote von bis zu 20'000 US-Dollar plus 20 Prozent Gewinnbeteiligung. Bei Social-Media-Plattformen fanden sich Angebote zwischen 1000 und mehr als 7000 Dollar für die Reaktivierung gesperrter Konten. Die Beträge stammen aus beobachteten Untergrundangeboten und belegen daher nicht, dass entsprechende Geschäfte tatsächlich zu diesen Preisen zustande kamen.

Auch im Finanzwesen suchen Kriminelle nach Personen mit den passenden Befugnissen. Laut TrendAI bot eine Person in einem Untergrundforum einen dreijährigen Insider-Zugang zur Buchhaltung eines Unternehmens mit 25 Millionen Dollar Jahresumsatz an. Das Startgebot lag bei 25'000 Dollar. Für die Vermittlung bestechlicher Beschäftigter bei Kryptoplattformen wie Binance oder Robinhood boten Auftraggebende zudem bis zu 5000 Dollar oder 15 Prozent des Erlöses an.

Neben dem Finanzwesen, der Telekommunikationsbranche und sozialen Medien dokumentiert der Report entsprechende Aktivitäten unter anderem im Gesundheitswesen, Detailhandel und in der Logistik. Als mögliches künftiges Ziel nennt TrendAI zudem die KI-Branche. Dort könnten Kriminelle Beschäftigte ins Visier nehmen, die Zugriff auf Modellgewichte - die trainierten Parameter eines KI-Modells -, proprietäre Trainingsdaten oder geschützte Systeme haben. Dabei handelt es sich allerdings um eine Prognose und nicht um einen belegten Anstieg entsprechender Fälle.

Die Untersuchung dokumentiert somit vor allem einen zunehmend organisierten Handel mit Insider-Zugängen und -Dienstleistungen. Wie gross dieser Untergrundmarkt tatsächlich ist und wie stark er wächst, lässt sich aus den veröffentlichten Daten jedoch nicht ableiten.


Übrigens: Welche Rolle Insider-Bedrohungen auf der Security-Agenda 2026 spielen und warum auch KI-Malware an Bedeutung gewinnt, lesen Sie hier.

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