IPv6-Council-Memberanlass

Rollout von IPv6 im Datacenter

Uhr | Aktualisiert

Die Umstellung des Protokolls IPv4 auf IPv6 wird früher oder später jedes Unternehmen durchführen müssen. Das Swiss IPv6 Council informierte gestern bei einem Memberanlass über Umsetzungsmöglichkeiten.

Wie kann man IPv6 im Datacenter ausrollen? Diese Frage beantwortete gestern Tobias Brunner, Linux and Network Engineer bei VSHN, an einem Member-Anlass des Swiss IPv6 Councils zum Thema "IPv6 Rollout im Datacenter - Varianten der Integration von IPv4 mit IPv6".

Brunner erklärte, welche Schwierigkeiten Dual Stack, also der gleichzeitige Betrieb der beiden Protokolle IPv4 und IPv6, mit sich bringt. Dieser Betrieb sei fehleranfällig - man habe die doppelte Arbeit, das Monitoring müsse auf beiden Protokollen gemacht und die DNS-Einträge doppelt verwaltet werden. Kurz zusammengefasst: Die Fehleranfälligkeit sei sehr hoch. IPv4 abzuschalten sei aber auch keine Lösung, da noch zu viele Websites nur über IPv4 erreichbar sind.

Es gibt daher laut Brunner drei Möglichkeiten IPv6 einzuführen und den Betrieb von IPv4 weiterhin aufrechtzuerhalten:

  1. DNS64 & NAT 64: Ist ein günstiges und einfaches Verfahren. Funktioniert allerdings nicht für alle Protokolle, beispielsweise nicht für Skype, Teamviewer oder FTP.
  2. 464XLAT, beziehungsweise CLAT & NAT64 (CLAT = Client Local Address Translation): Hierbei handelt es sich um eine Erweiterung von DNS64 & NAT64. T-Mobile und Verizon Wireless setzen diese Variante in den USA für ihre Mobilnetzkunden ein und erreichen damit Millionen von Nutzern. Der Nachteil: Das Protokoll läuft mit Stateful NAT, was man mit der Umstellung auf IPv6 eigentlich vermeiden möchte.
  3. SIIT & CLAT (SIIT = Stateless IP/ICMP Translation): Mit dieser Variante kann man IPv4 im Core eliminieren und benötigt auch nur noch weniger IPv4-Adressen, die man für IPv4 Legacy Kunden einsetzen kann. Allerdings existiert CLAT noch nicht für alle Plattformen.

IPv6-Council-Präsidentin Silvia Hagen zeigte zudem die Entwicklung von IPv6 in der Welt auf. Laut einer Statistik von Google sind weltweit 5 Prozent der gesamthaft 2,8 Milliarden Internetnutzer IPv6-fähig. In der Schweiz liegt dieser Anteil bei 10 bis 12 Prozent aller Internetnutzer.

Bis im Sommer 2015 werden mit der Schweizerischen Post, SBB.ch und Swisslos voraussichtlich drei weitere grosse Schweizer Unternehmen über IPv6 via Dual Stack erreichbar sein. Zumindest sei alles soweit vorbereitet, sagte Hagen. Aus dem Dashboard des Councils ist ersichtlich, welche anderen Schweizer Unternehmen ebenfalls via IPv6 erreichbar sind.

Umstellung auf IPv6

Für Internetprovider und Betreiber von Websites ist die Umstellung auf das neue IPv6-Protokoll unumgänglich, da die freien IPv4-Adressen allmählich ausgehen. Die Umstellung erfordert jedoch eine gute Planung. IPv6 stellt gemäss Swiss IPv6 Council "eine wesentliche Voraussetzung für ein ungehindertes Wachstum des Internets dar", insbesondere im Zusammenhang mit dem "Internet of Things" sowie mobilen Diensten und Geräten.

Das Swiss IPv6 Council unterstützt und fördert den Einsatz und die Integration von IPv6 in allen öffentlichen und privaten Netzwerken und organisiert regelmässig Informationsveranstaltungen zum Thema.

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