Hans Hess, Präsident, Swissmem

"Der Zug zur Industrie 4.0 ist noch nicht abgefahren"

Uhr | Aktualisiert
von Christoph Grau

Mehrere Branchenverbände haben zu einer Konferenz über Industrie 4.0 in der Schweiz geladen. Mit der Veranstaltung wollten sie die Potenziale des Konzepts aufzeigen.

Am 2. Juni hat in den Räumlichkeiten der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) in Brugg-Windisch eine Tagung zur Industrie 4.0 stattgefunden. Die Veranstaltung trug den Titel: "Smart Factory – Industrie 4.0. Wettbewerbsvorteile durch intelligente Produktion". Die Verbände Asut, Electro Suisse, Swissmem und Swisstnet organisierten den Event gemeinsam.

Neben einer Plakatausstellung im Foyer der FHNW gab es noch eine Reihe von Vorträgen. Es kamen mehr als 150 Interessierte aus der Schweizer Industrie und ICT-Branche an die Veranstaltung. Der grosse Hörsaal der FHNW war zur Hälfte gefüllt.

Industrie 4.0 als Chance für die Schweiz

Swissmem-Präsident Hans Hess eröffnete die Veranstaltung. Er sieht diese als eine Chance für Industrie 4.0 in der Schweiz.

Durch die Frankenstärke befänden sich viele durch Swissmem vertretene Unternehmen in einer Krise. Auch der Fachkräftemangel spitze sich immer weiter zu, sagte Hess. Gemäss einer Umfrage, die der Verband zusammen mit McKinsey durchführte, denken Schweizer Unternehmen zunehmend auch über Verlagerungen ins Ausland nach.

Gerade in diesem Umfeld ist es laut Hess sehr wichtig, den Schwenk auf Industrie 4.0 nicht zu verpassen. Denn diese könnte erheblich zu Effizienzsteigerungen und Innovationen beitragen. Mit der Initiative "Industrie 2025" will Swissmem daher für Industrie 4.0 in der Schweiz werben. Die Initiative trägt den programmatischen Titel: "Eine nationale Initiative zur Stärkung des Werkplatzes Schweiz. Mit den Konzepten von Industrie 4.0."

Schweizer Industrie muss sich jetzt bewegen

Hess hob in seiner Rede noch einmal die zentralen Aspekte von Industrie 4.0 hervor. Dies sind seiner Meinung nach eine zunehmende Individualisierung der Produktion, eine Flexibilisierung der Produktionsprozesse, eine höhere Automation und die Verknüpfung der Produktionsgüter untereinander. Industrie 4.0 werde zudem die bestehenden Geschäftsmodelle über den Haufen werfen und zur Entstehung neuer Dienste führen, worauf die Schweiz reagieren müsse.

Generell seien die Schweizer Unternehmen gegenüber Industrie 4.0 offen, sagte Hess. Dennoch arbeite Swissmem aktiv daran, das Konzept noch populärer zu machen. "Jedes Unternehmen kann von Industrie 4.0 profitieren", zeigte sich Hess überzeugt. Dabei sei die Implementierung von Industrie 4.0 ein langer Prozess, der nicht von heute auf morgen durchgeführt werden könne.

Abschliessend fasste Hess zusammen, dass Industrie 4.0 ein wichtiges Thema und auch eine grosse Chance für die Schweizer Industrie sei. Die Unternehmen müssten sich aber "jetzt der Industrie 4.0 stellen, um den Zug nicht zu verpassen, denn noch ist er nicht abgefahren", schloss Hess seine Ausführungen ab.

"Niemand kann heute noch Innovationen alleine machen"

In einem weiteren Vortrag gab der niederländische Forscher Egbert-Jan Sol einen Einblick in das niederländische Konzept der "Smart Industries". Diese sei eine Weiterentwicklung von Industrie 4.0, denn sie schliesse die "Innovation 4.0" mit ein, sagte Sol.

Anders als in Deutschland wurde das Konzept in den Niederlanden von unten angestossen. Dabei spielte eine enge Kooperation zwischen Unternehmen und staatlichen Forschungseinrichtungen eine wesentliche Rolle. Denn "niemand kann heute noch Innovationen alleine machen", begründete Sol das Vorgehen. Dies bedeute, dass sich Unternehmen überregional vernetzen und Entwicklungen gemeinsam vorantreiben müssten.

Mit dem Ansatz der Smart Industries hätten die Niederlande einen Weg gefunden, um auf die Veränderungen in der Wirtschaft zu reagieren. Zudem seien im ganzen Land sogenannte Field-Labs aufgebaut worden, um die Menschen mit den Veränderungen vertraut zu machen. Denn nur langsam eingeführte Technologien würden von den Menschen akzeptiert, betonte Sol.

Ob die Schweiz nun den Top-down-Ansatz wie in Deutschland oder den Bottom-up-Ansatz wie in den Niederlanden wählt, ist laut Sol egal. Wichtig sei es, dass sich die Schweiz  in die Richtung der Smart Industries oder zur Industrie 4.0 entwickle. Dabei sei es kein reines Technologiethema. Vielmehr sei ein Paradigmenwechsel in der Industrie der Schlüssel zum Erfolg für die Schweizer Industrie.

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