Geheimhaltung in Zürich

Amazons Schweizer Büro ist operativ

Uhr | Aktualisiert

Amazon Web Services hat rund 20 Journalisten ins Hotel Widder nach Zürich geladen. Die Presse hoffte aber vergeblich auf mehr Informationen zur neuen Schweizer Niederlassung.

Murat Yanar, Leiter von Amazon Web Services (AWS) in der Region Zentral- und Osteuropa (Quelle: Netzmedien)
Murat Yanar, Leiter von Amazon Web Services (AWS) in der Region Zentral- und Osteuropa (Quelle: Netzmedien)

Amazons Schweizer Niederlassung im Zürcher Sihlcity ist nun operativ tätig. Das verkündete Murat Yanar heute im Hotel Widder in Zürich. Yanar ist Leiter von Amazon Web Services (AWS) in der Region Zentral- und Osteuropa und damit auch Repräsentant des Schweizer Büros.

Mit dem neuen Büro sei Amazon näher bei Schweizer Kunden, sagte Yanar. Details zur Niederlassung verriet er aber keine. In einer Mitteilung spricht Amazon davon, dass das Büro über "Account Manager, Lösungsarchitekten, Partnermanager, Support-Personal und weitere Mitarbeitende" verfüge.

In der Schweiz setzen unter anderem die Luxushotelgruppe Kempinski, das Reisebewertungsportal Holidaycheck und das Softwarehaus Appway auf AWS. Auch das Pharmaunternehmen Novartis, das Bundesamt für Landestopografie Swisstopo, die Messtechnikfirma Endress + Hauser und die Tageszeitung NZZ nutzen Amazons Cloud-Angebot. Im AWS Partner Network sind unter anderem der Berner IT-Dienstleister Amanox Solutions und Swiss TXT, der Multimedia-Arm von SRG SSR.

Kommentar

Amazon hat es heute tatsächlich geschafft, keine Details zur Schweizer Niederlassung zu verraten. Fragen zum neuen Büro blockte das Unternehmen konsequent ab. Wie viele Leute arbeiten in Zürich? Keine Auskunft. Welche Aufgaben haben die Mitarbeiter im Sihlcity? Keine Auskunft. Wer leitet das Büro und an wen rapportiert diese Person? Keine Auskunft. Die Geheimhaltung sei Unternehmenspolitik, verlautete Amazon, und liess so verdutzte Journalisten im Saal zurück.

Natürlich steht Amazon in Gartners wichtigem Magic Quadrant für Infrastructure-as-a-Service-Lösungen immer noch da, wo alle Cloud-Firmen sein wollen: rechts oben. Auch die Marktdominanz von AWS ist ungebrochen. Für ein Unternehmen, das im Cloud-Geschäft einer immer härteren Konkurrenz gegenübersteht, ist dieses Verhalten dennoch bemerkenswert.

Spotify, Dropbox und Apple kündigten in den letzten Monaten an, ihr Engagement in der AWS-Cloud zu reduzieren. Womöglich schauen sich nun auch Schweizer Firmen nach Alternativen für AWS um. Bei diesen Negativmeldungen hätte Amazon den heutigen Tag eigentlich nutzen können, um ein Zeichen der Stärke an seine Schweizer Partner auszusenden. Das Unternehmen setzte stattdessen auf Geheimhaltung und Kommunikationsverweigerung - Chance vertan.

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