Sieger von Best of Swiss Web

Mit Können, Mut und Glück zur "Webboje"

Uhr | Aktualisiert
von Christoph Grau

Beim traditionellen "Late Afternoon Talk" haben die Sieger der "Best of Swiss Web Awards" über ihre Erfolgsgeheimnisse gesprochen. Einige Hürden gab es zu überwinden. Aber auch ein Quäntchen Glück gab bei einem Projekt den Ausschlag.

Die Swiss Internet Industrie Association, kurz Simsa, hat am vergangenen Mittwoch wieder zum "Late Afternoon Talk" geladen. Die Sieger der diesjährigen Best of Swiss Web Awards sprachen am Event über ihre Erfolgsgeheimnisse. Die Veranstaltung fand im Zunfthaus zur Saffran in Zürich statt.

Wie die Post zum Digitalisierungschampion wurde

Den Anfang machte Andreas Eggimann, Leiter Digital Management bei der Schweizerischen Post. Er skizzierte den langen Weg der Post bei ihrem digitalen Wandel. Seinen Ausführungen zufolge setzte die Post schon lange auf die Digitalisierung. In den vergangenen drei Jahren habe es aber einen Schub gegeben. Die Post habe erkannt, dass Unternehmen wie Uber, Apple oder auch Google verstärkt in Konkurrenz zur Post getreten seien. Diesen Herausforderern galt es Paroli zu bieten, wie Eggimann sagte.

Mit einer neuen Vision, welche die Post vor drei Jahren verabschiedet habe, sei sie auf einem guten Weg. Der Kunde und dessen Bedürfnisse stünden nun im Zentrum. Einfachheit und Integration der verschiedenen Systeme seien die Ziele gewesen. Dazu hätten alte Strukturen im Unternehmen aufgebrochen werden müssen. Bei Veränderungen sei es zudem wichtig gewesen, alle Beteiligten an einen Tisch zu holen und auch hohe Kader aus der Geschäftsleitung möglichst früh mit einzubinden.

Zudem habe die Post mit Leuchtturmprojekten wie der Drohne, Twint, selbstfahrenden Shuttles im Wallis und nicht zuletzt mit dem Redesign der Website auf Innovationen gesetzt. Der Digital Transformation Award habe diese Bemühungen ausgezeichnet. Eggimann hofft, dass der Award der digitalen Transformation des Staatsunternehmens noch einmal Schub verleiht.

Grosses Projekt und wenig Zeit

Im Anschluss sprach Gabriela Eymann, Senior Project Manager bei Unic, über die neue Website der Post, die dieses Jahr den Master-Titel am Best of Swiss Web Award erhielt. Die Agentur bekam Mitte 2013 den Zuschlag, die Website der Post zu überarbeiten. In nur 15 Monaten sollte das Projekt umgesetzt werden. Beteiligt waren 300 Personen der Post und 60 bei Unic, wie Eymann erzählte.

Für die Beteiligten sei es schwierig gewesen, über die lange Projektdauer die Motivation stets hochzuhalten. Galgenhumor sei daher sehr wichtig gewesen, um schwierige Phasen zu überstehen, sagte Eymann. Zum Abschluss ihres Vortrags gab sie noch einige Lehren aus dem Projekt an die Anwesenden weiter. Ganz wichtig sei es, schon möglichst früh Konzernleitungsmitglieder in die Entscheidungen einzubinden. Zudem brauche es einen Fahnenträger, der das Projekt voranbringt.

Bei solch grossen Projekten sei es letztlich wichtig, in kleinen Schritten vorwärtszukommen, ohne jedoch das grosse Ziel aus den Augen zu verlieren. Nicht zuletzt habe Unic den Zeitplan und auch das Budget eingehalten, bestätigte Eggimann von der Post.

Medelas Wandel von B2B zu B2C

Der zweite Digital Transformation Award ging in diesem Jahr an Medela, ein Hersteller von Stillprodukten. Tim Dührkopp, Partner bei Namics, sprach über die Transformation des Unternehmens in den letzten Jahren. Medelas Geschäftsmodell sei bisher rein B2B getrieben gewesen. Über einen Channel seien die Milchpumpen an die Kundinnen gebracht worden, wobei die Channelpartner grosse Freiheiten geniessen würden.

Medela wollte jedoch den Austausch mit den Nutzerinnen der Produkte intensivieren, also über B2C direkt mit ihnen in Kontakt treten. Ziel war es, die Mütter früher anzusprechen und auch länger zu betreuen. Kernelement dieser Entwicklung war eine App namens Mymedela. Diese vertrieb das Unternehmen direkt und wollte damit einen Mehrwert für die Mütter liefern. Dieser Schwenk zum B2C wurde von den Partnern besser aufgenommen als erwartet, wie Dührkopp sagte.

Zum Schluss fasste Dührkopp seine Erfahrungen aus dem Projekt zusammen. Seiner Meinung nach ist die digitale Transformation nicht nur eine Herausforderung für die Digitalabteilung. Digitale Projekte seien vielmehr oft auch Auslöser für notwendige Veränderungen in anderen Unternehmensbereichen. Zuletzt sei es auch wichtig, nicht nur den Vertriebskanal zu transformieren, sondern das gesamte Produkt und das Geschäftsmodell zu überdenken.

Manchmal braucht es auch Glück

Zum Abschluss sprach Roman Hirsbrunner, CEO von Jung von Matt/Limmat, über die Kampagne "The Great Escape" von Graubünden Ferien. Dieses Projekt war die grosse Überraschung bei den Best of Swiss Web Awards 2016.

Trotz kleinem Budget wurde die Kampagne ein viraler Erfolg. Das Video generierte mehr als 8 Millionen Klicks. Die Zielmarke habe aber nur bei 200'000 gelegen. Laut Hirsbrunner zahlten sich Mut und Risikobereitschaft der Auftraggeber aus. Es brauchte aber auch viel Glück. Denn erst als der deutsche Fernsehsender RTL über die Aktion berichtete, nahm die Kampagne richtig Fahrt auf, wie er sagte.

Dabei hätte es auch schiefgehen können. Die Risiken seien gross gewesen, denn vieles habe am Tag des Drehs improvisiert werden müssen. Die Passanten hätten nicht mitspielen können, und auch unerwartete technische Probleme seien nicht auszuschliessen gewesen. Denn die Aktion sei weder vorher geprobt worden, noch hätte es einen zweiten Versuch gegeben. "Eine Mischung aus Glück, Mut und Können" ist für solche Real-time-Aktionen wichtig, wie Hirsbrunner betonte.

Den Abschluss des Events bildete ein ausgiebiger Apéro Riche. Die Gäste nutzten die Gelegenheit zum Austausch und zur Vertiefung der Vorträge. Der nächste Event der Simsa, der sogenannte Provider Day, findet am 8. Juni statt.

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