ICT-Berufseinsteiger

"Unternehmen müssen sich über Wünsche und Karriereziele informieren"

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Die Ansprüche von Schweizer IT-Berufseinsteigern sind hoch. Das zeigt eine Umfrage der Beratungsfirma Universum. Mit­autor Leo Marty sagt, was junge Mitarbeiter erwarten und wie Unternehmen darauf reagieren können.

Leo Marty, Managing Director, Universum Switzerland & Austria (Source: FOTO MARLIN BASEL)
Leo Marty, Managing Director, Universum Switzerland & Austria (Source: FOTO MARLIN BASEL)

Sie haben den Schwerpunkt Ihrer Umfrage auf IT-Berufsein­steiger gelegt. Was erwartet diese Gruppe heute von einem ­Arbeitgeber?

Leo Marty: Junge, berufstätige Schweizer Informatiker legen in der diesjährigen Studie mehr Wert auf softe Faktoren. So beeinflussen dieses Jahr Faktoren wie «flexible Arbeitsbedingungen» (1. Präferenz), «ein freundliches Arbeitsumfeld» (4. Präferenz), ein «kreatives und dynamisches Arbeitsumfeld» (6. Präferenz) sowie «vielfältige Arbeitsaufgaben» (9. Präferenz) bei jungen Informatikern die Wahl des Wunscharbeitgebers massgeblich.

Haben sich diese Erwartungen in den letzten Jahren verändert?

Letztes Jahr war noch «Innovation» die Präferenz Nummer eins, dieses Jahr ist «Innovation» auf Platz 7 gerutscht. Bei jungen Informatikern haben die harten Faktoren rund um den Bereich Gehalt und Aufstiegsmöglichkeiten an Bedeutung verloren. Letztes Jahr machten diese Faktoren noch 20 Prozent der Top 10-Präferenzen aus, dieses Jahr nur noch 10 Prozent. So war letztes Jahr «ein attraktives Grundgehalt» etwa auf Platz 2 der Präferenzenliste. Dieses Jahr ist dieses auf den 5. Platz gerutscht.

Wie erklären Sie diese Veränderung?

Informatiker sind heute überall gefragt. Bei Corporates sowie mittleren und kleineren Unternehmen und nicht zuletzt bei Start-ups. Das spüren sie. Wenn sie viel Geld verdienen wollen, suchen sie sich den Arbeitgeber entsprechend aus. Genauso wenn ihnen die Work-Life-Balance wichtig ist. Sie können alles haben (nur oft nicht am selben Ort). Deshalb werden sie anspruchsvoller und fordern mehr und eigentlich alles gleichzeitig.

Was müssen Unternehmen beachten, um auf diese neuen ­Bedürfnisse reagieren zu können?

Es ist bestimmt sinnvoll, wenn Unternehmen zuhören und wissen, worauf Mitarbeiter und potenzielle Mitarbeiter achten und Wert legen. Werfen wir einen Blick auf die langfristigen Karrierewünsche von Technikern. Ausser der Work-Life-Balance – zentral für 65 Prozent der ITler –, ist für 36 Prozent unternehmerisch/kreativ/innovativ zu sein langfristig wichtig. Gleichzeitig sagen auch 36 Prozent, dass sie intellektuell herausgefordert sein wollen. Analysiert man diese Ergebnisse und untersucht, was sie genau bedeuten, kann man dies in die Werte der Firma einfliessen lassen und so eigene Mitarbeiter zufriedenstellen und somit länger halten und neue anziehen.

Der Wunsch, die Stelle zu wechseln, ist heute besonders hoch. Führungsaufgaben sind dagegen nicht mehr gefragt. Was bedeuten diese Einstellung für die Unternehmen?

Unternehmen müssen sich über Wünsche und Karriereziele von jungen Menschen informieren. Es ist wichtig, die Generation Z zu verstehen und zu wissen, was deren Ängste und Hoffnungen sind, wenn es um Führung und zukünftiges Arbeiten geht. Alle Generationen fürchten beispielsweise den Stress, den Führung mit sich bringt. Zusätzlich haben viele Vertreter der Generation Z Angst, zu scheitern. Wenn Unternehmen Anpassungsfähigkeit, Flexibilität und Unterstützung zeigen und dies auch entsprechend kommunizieren, dann ist Führung durchaus interessant für junge Talente. Natürlich, Talente sind heute generell weniger loyal als in den vergangenen Jahren. Wenn Arbeitskräfte jedoch zufrieden sind, wechseln sie den Job auch nicht so häufig.

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