Das rät Ergon-CEO Gabriela Keller Frauen in der IT
Frauen stellen auch in der Schweizer IT-Branche immer noch die Minderheit dar. Das vorherrschende "Nerd-Image" scheint viele Frauen davon abzuschrecken, sich für einen Informatikberuf zu entscheiden. Gabriela Keller, CEO von Ergon, sprach über diese Problematik in Schweizer IT-Unternehmen.
Wie haben Sie Ihren beruflichen Werdegang in der IT-Branche als Frau erlebt?
Gabriela Keller: Ich glaube, nicht viel anders als meine männlichen Kollegen. Bei Ergon hatten wir von Anfang an einen sehr kollegialen Umgang, und ich habe es nie als etwas "Besonderes" empfunden, als Frau im Team zu sein. Dass ich innerhalb des Unternehmens immer mehr Führungsaufgaben übernommen habe, hat sich einfach so ergeben, und die neue Herausforderung hat mir Spass gemacht.
Was machen Sie, um mehr Diversität/Frauen in Ihrer Organisation zu fördern?
Wir rekrutieren unsere Mitarbeitenden vor allem von der ETH Zürich. Die Anzahl Frauen unter den Softwareingenieuren ist per se tief und liegt bei etwa 15 Prozent. Auch wenn wir Frauen sehr willkommen heissen und bei gleicher Qualifikation für einen Job einer Frau den Vorzug geben, können wir nur sehr bedingt etwas am geringen Frauenanteil in der Branche und in unserem Unternehmen ändern. Verschiedene Ergon-Mitarbeiterinnen engagieren sich in ihrer Freizeit für Initiativen, die Frauen für die Informatik begeistern wollen, zum Beispiel Rails Girls oder Django Girls. Wir begrüssen dies sehr und stellen ihnen Räumlichkeiten für ihre Workshops zur Verfügung. Dass Mütter und Väter Teilzeit arbeiten können und dass sie mit Jahresarbeitszeit ihre Arbeitstage sehr flexibel gestalten können, wird von vielen Eltern gern genutzt.
Warum sind Ihrer Meinung nach die bisherigen Initiativen zur Förderung von Frauen in der IT-Branche wenig erfolgreich?
Im Informatikstudium muss man sich vor allem am Anfang durch viele abstrakte Gebiete arbeiten und sieht nicht sofort den Bezug zu Menschen und dem späteren Beruf. Das kann abschrecken, gerade auch junge Frauen, die traditionell schon oft gewisse Berührungsängste gegenüber Technik haben. Es sollte uns noch mehr gelingen, als Branche aufzuzeigen, dass die Informatik sehr viel Gestaltungsspielraum bietet und Teamarbeit, aber auch Eigenschaften wie Einfühlungsvermögen oder Kreativität absolut essenziell sind. Wichtig finde ich zudem, dass in den Medien oder an öffentlichen Veranstaltungen, zum Beispiel bei Digitalisierungsthemen, auch weibliche Expertinnen zu Wort kommen, denn je normaler es wird, Frauen in solchen Rollen zu erleben, desto mehr weichen sich die traditionellen Rollenmuster auf.
Welchen Rat geben Sie Frauen, die in der IT Karriere machen wollen?
Go for it! Frauen werden in unserer Branche mit offenen Armen empfangen, gerade weil es so wenige von ihnen gibt. Vielen Unternehmen ist es bewusst, dass Diversität auch für den Geschäftserfolg wichtig ist, darum setzen sie viel daran, Frauen auch in Führungspositionen zu fördern.
Die Arbeitswelt ändert sich, auch in der IT. Werden sich dadurch die Chancen für Frauen verändern?
Ja, ich bin überzeugt, dass für Frauen künftig viele neue attraktive Möglichkeiten entstehen werden. Es wird immer mehr Schnittstellenberufe zur Informatik geben, in denen ausser dem Informatikwissen spezifisches Fachwissen gefragt ist. Sei das im Bereich User Interaction Design, Beratung, Augmented Reality, Data Science, aber auch in Fachbereichen wie etwa Medizininformatik oder Jura. Diese Interdisziplinarität liegt vielen Frauen sehr und kann auch ein starker Anreiz sein, sich durch die eher technischen Aspekte der Informatik "durchzubeissen". Informatik ist definitiv ein Berufsfeld mit ganz vielen Perspektiven!
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