Master of Swiss Web 2019: Dreipol und Liip

"Das Verhältnis von Bringern und Bestellern muss passen"

Uhr | Aktualisiert

Migros hat Dreipol und Liip damit beauftragt, die Social-Shopping-Plattform "Amigos" zu realisieren. Damit gewannen sie die Auszeichnung Master of Swiss Web 2019. Paola Gächter, Project Manager von Dreipol, und Colin Frei, Product Owner von Liip, sprechen im Interview über Benutzerfreundlichkeit, Herausforderungen und Gamification.

Paola Gächter von Dreipol und Colin Frei von Liip mit der Masterboje 2019.
Paola Gächter von Dreipol und Colin Frei von Liip mit der Masterboje 2019.

Herzliche Gratulation zum Gewinn des Titels Master of Swiss Web 2019! Wie ist es für Dreipol, nach dem Master of Swiss Apps 2018 auch den Master of Swiss Web 2019 nach Hause zu bringen?

Paola Gächter: Wirklich grossartig. Wir haben nicht damit gerechnet. Ich gönne es dem ganzen Projektteam von Herzen. Jeder Einzelne hat unermüdlichen Einsatz geleistet. Die zwei Auszeichnungen sind der wohlverdiente Lohn dafür.

Colin Frei: Liip hat schon einige Preise gewonnen, aber eine so grosse Bestätigung, neben dem Master-Titel noch sechs weitere Preise bei Best of Swiss Web zu gewinnen, ist natürlich ganz speziell. Bei "Amigos" hat alles gepasst: ein spannendes, innovatives Projekt, eine inspirierende Zusammenarbeit zwischen der Auftraggeberin und uns Agenturen und ein riesiger Einsatz von allen Involvierten.

Migros geriet wegen Lohn- und Versicherungsfragen bei ­"Amigos" in die Kritik. Wie stehen Sie dazu?

Gächter/Frei: Wir können uns nur zur Zusammenarbeit mit der Migros im Rahmen des Projekts äussern – und die war sowohl für Liip als auch Dreipol sehr angenehm.

"Amigos" setzt auf die Crowd. Was galt es deshalb besonders zu beachten?

Frei: Spannend bei "Amigos" ist, dass das Verhältnis von Bringern und Bestellern passen muss. Bei zu wenigen Bringern werden Aufträge nicht angenommen, womit nicht mehr bestellt wird. Gibt es zu wenige Besteller, sind die Bringer frustriert und löschen die App. Diese Balance zu finden, hat uns ständig begleitet, auch in der Weiterentwicklung. Aber auch die Crowd besteht letztlich aus einzelnen Personen. Wir durften schon einige von ihnen kennenlernen. Es ist spannend zu sehen, wie engagiert sie sind, und ihre völlig unterschiedlichen Geschichten und Erfahrungen zu hören.

Gächter: Wie Colin sagt, lebt "Amigos" von den Nutzerinnen und Nutzern. Wir haben uns zusammen mit Liip und Migros intensiv Gedanken gemacht, wie wir den beiden unterschiedlichen Zielgruppen gerecht werden. "Amigos" sollte für alle da sein. So ermöglichen wir auch bewusst für Menschen mit Sehbehinderung das einfache Einkaufen über "Amigos".

Wie gross ist Ihr "Amigos"-Projektteam insgesamt?

Gächter/Frei: Das aktuelle Kernteam umfasst elf Personen.

Haben Dreipol und Liip zum ersten Mal zusammengearbeitet?

Frei: Soweit ich weiss ja. Die Zusammenarbeit war von Anfang an sehr gut, ich würde mich freuen, auch in Zukunft wieder mit Dreipol zu arbeiten.

Gächter: Für uns war es eine Freude, dieses Projekt mit einem kompetenten Partner wie Liip zu stemmen.

Wie verlief die Zusammenarbeit?

Frei: Sehr gut. Bei Migros haben wir immer alle relevanten Personen am Tisch und können schnell und unkompliziert Entscheidungen treffen. Auch während der Entwicklung war Dreipol immer nur eine Slack-Nachricht entfernt, womit Fragen und Probleme auf technischer Ebene sehr schnell geklärt werden konnten.

Gächter: Die Zusammenarbeit ist sehr angenehm und produktiv. Alle sind mit Herzblut und viel Enthusiasmus bei der Sache. Wir profitieren auch von der geografischen Nähe zwischen Migros, Liip und uns. Das Kernteam trifft sich regelmässig persönlich. Das macht die Zusammenarbeit extrem effizient und vertrauensvoll.

Gab es kulturelle Unterschiede?

Frei: Dreipol und Liip sind kulturell sehr ähnlich. Als Grosskonzern funktioniert die Migros etwas anders. Durch die Grösse sind mehr Leute involviert. Dies ­haben wir vorwiegend bei Schnittstellen zu anderen Systemen gemerkt. Im Kernteam hat sich schnell ein positiver und unkomplizierter Umgang miteinander etabliert.

Gächter: In unserem Projektteam herrscht ein Start-up-Spirit. Der Austausch ist persönlich, auf Augenhöhe und von hoher Entscheidungsfreudigkeit geprägt.

Wie teilten sich Dreipol und Liip die Arbeit auf?

Gächter: Dreipol war verantwortlich für die Front-End-Entwicklung von Webshop und App sowie für das komplette Design inklusive Logo.

Frei: Liip war verantwortlich für das Back-End von Web­shop und App. Zusätzlich haben wir eine Administra­tionsoberfläche gebaut, mit der das Supportteam bei Anfragen schnell und kompetent Auskunft geben und Probleme lösen kann.

Auf welches Entwicklungsmodell setzen Sie?

Frei/Gächter: Wir setzen auf eine agile Vorgehensweise. Anforderungen werden von Spurt zu Spurt geklärt und spezifiziert. Die Entwicklung können wir somit optimal orchestrieren. Nach jedem Spurt wird der Entwicklungsstand dem ganzen Team vorgestellt und ins Testing ge­geben, damit wir zeitgleich Verbesserungen ausführen können.

Wie haben Sie die Website benutzerfreundlich gemacht?

Gächter: Dafür war Dreipol zuständig. "Amigos" soll intuitiv verstanden werden. Auf die Einhaltung gängiger Accessibility-Richtlinien legen wir grossen Wert. Die Inhalte sind gut lesbar, die Sprache einfach gehalten. Farbkontraste und Farbintensitäten sind stark genug, damit auch Menschen, die Farben nicht gut erkennen, die Inhalte lesen können. Der Webshop wurde absolut barrierefrei entwickelt. Während der Entwicklung haben wir immer wieder Gespräche mit potenziellen Nutzerinnen und Nutzern gesucht und die Plattform auf Herz und Nieren getestet. Beim Testing hat uns SwissQ unterstützt.

Was war für Dreipol und Liip jeweils die grösste Herausforderung bei der Entwicklung von "Amigos"?

Gächter: Aus Projektleitungssicht war sicherlich die Komplexität von "Amigos" eine Herausforderung. Mir war und ist es wichtig, allen Teammitgliedern genügend Raum zu geben, um sich einbringen zu können.

Frei: Eine grosse technische Herausforderung war der Geldfluss beziehungsweise der Zahlungsprozess. Das Bezahlen sollte einerseits so einfach wie möglich sein, andererseits aber den Nutzerinnen und Nutzern auch Flexibilität und Absicherung bieten. Zum Beispiel dann, wenn ein Bringer ein Ersatzprodukt zu einem anderen Preis kauft.

Wie sind Sie diesen Herausforderungen begegnet?

Gächter: Durch stetige Priorisierung und Re-Priorisierung. Sprich, sicherzustellen, dass wir auf die richtigen Features setzen und auch den Mut aufbringen, vermeintlich gute Ideen wieder loszulassen.

Frei: Durch die Evaluation vieler Möglichkeiten, bevor wir etwas implementieren. Bei der Umsetzung des Zahlungsprozesses zeigte sich, dass dieser noch nicht wie gewünscht funktionierte. User-Tests bestätigten dies. Also gingen wir einen Schritt zurück und bauten die Grundlagen um. Dies war zwar aufwändig und bedeutete eine Verzögerung, hat sich aber definitiv gelohnt.

Was gibt es für Sie heute noch an "Amigos" zu tun?

Gächter: Wir nehmen kontinuierlich neue Ideen auf, evaluieren sie und bringen sie hinsichtlich ihres Mehrwerts in die Beurteilung ein. Und nebenbei gilt es natürlich, die Zuverlässigkeit und Performance der aktuellen Plattform zu gewährleisten.

Frei: Das System soll definitiv nicht stehen bleiben. Anhand von Umfragen bei Bringern und Bestellern, aber auch anhand unserer eigenen Erfahrungen haben wir die Bereiche bestimmt, in denen es Verbesserungspotenzial gibt.

An welchen neuen Features arbeiten Sie gerade?

Gächter: Grundsätzlich lässt sich die Idee von "Amigos" auf viele andere Konzepte ausweiten. Wenn ich persönlich einen Features-Wunsch frei hätte, würde ich Gamification-Elemente einbauen. Zum Beispiel, dass sich Besteller Rabatte erspielen können.

Frei: Ich warte immer noch darauf, dass "Amigos" auch bei mir im Aargau verfügbar ist.

Webcode
DPF8_136530

Kommentare

« Mehr