Mythos Start-up-Hub Schweiz

Schweizern vergeht die Lust auf Firmengründungen

Uhr

Der Ruf der Schweiz als Start-up-Nation ist nichts weiter als ein Mythos. Eine Studie der Hochschule für Wirtschaft Freiburg zeigt: Der Schweizer Gründergeist liegt unter dem internationalen Durchschnitt. Und er schwindet schon seit 2013. Die Gründe dafür sind wenig schmeichelhaft.

(Source: StartupStockPhotos / Pixabay.de)
(Source: StartupStockPhotos / Pixabay.de)

Die Förderung des Unternehmertums steht ganz oben auf der politischen Agenda der Schweiz. Doch die Vorstellung, die Schweiz sei eine Start-up-Nation, ist ein Mythos, teilt die Hochschule für Wirtschaft Freiburg (HSW-FR) mit. Dies geht aus dem Länderbericht Schweiz des Global Entrepreneurship Monitors 2018/2019 hervor.

Den Ergebnissen zufolge wollen derzeit nur noch 6,9 Prozent der hiesigen Bevölkerung ein Start-up gründen. 2017 waren es noch 10,5 Prozent. Die Absichten zur Firmengründung nahmen also um 3,6 Prozentpunkte ab. Und sie liegen unter dem Durchschnitt anderer Volkswirtschaften mit hohen Einkommen (17,1 Prozent).

Ferner hätten nur 7,4 Prozent der befragten Schweizerinnen und Schweizer ein unternehmerisches Abenteuer begonnen. Zum Vergleich: In den Vergleichsländern liegt die durchschnittliche Gründungsrate bei 10,4 Prozent.

Eine Angst geht um in der Schweiz

Die Befragten zeigten sich zudem weniger zuversichtlich als im Vorjahr, was die Erfolgschancen einer Gründung angeht. So sei die Selbsteinschätzung der unternehmerischen Fähigkeiten der Probanden gesunken.

Wie die HSW-FR schreibt, geht dieser Mangel an Zutrauen einher mit einer höheren Angst vor dem Scheitern. Knapp 40 Prozent der Befragten hätten solche Ängste geäussert – im Vorjahr waren es noch 29,5 Prozent.

Das Vertrauen in die eigene Fähigkeit, ein Unternehmen zu gründen, schwinde hierzulande seit 2013. Was dieses unternehmerische Selbstvertrauen angeht, liegen die Schweizer unter dem europäischen Durchschnitt und weit hinter den US-Amerikanern. "Der Unterschied zu den Spitzenländern in Bezug auf die unternehmerische Tätigkeit ist 2018 grösser geworden", kommentiert Studienautor Rico Baldegger die Ergebnisse.

Schweizerinnen und Schweizer schätzen ihre unternehmerischen Fähigkeiten vergleichsweise gering ein. (Source: Länderbericht Schweiz des Global Entrepreneurship Monitors 2018/2019 / Hochschule für Wirtschaft Freiburg)

Junge Schweizer gründen weniger

Insbesondere unter den jungen Schweizerinnen und Schweizern sei der Unternehmergeist in den vergangenen Jahren geschwunden. Nur 2,2 Prozent der Befragten zwischen 18 und 24 Jahren waren an der Gründung eines Unternehmens oder an der Leitung eines Start-ups beteiligt. Dies sei die niedrigste Quote aller vergleichbaren Länder, heisst es in den Ergebnissen. Der länderübergreifende Durchschnitt liegt derzeit bei 9,5 Prozent.

Im internationalen Vergleich dieser Quoten liegt die Schweiz auf Platz 30 von 32 Ländern mit hohem Einkommen. Der Unterschied zu Kanada (27,3 Prozent), den Niederlanden (15,9 Prozent), den USA (14,7 Prozent) oder Österreich (14 Prozent) sei frappierend, schreiben die Studienautoren.

Von den hierzulande befragten 18- bis 24-Jährigen sehen nur 15,4 Prozent unternehmerische Chancen in ihrem Umfeld. Bei den 35- bis 54-Jährigen hingegen sind es 48,9 Prozent. "Daraus schliesse ich, dass unser Unterstützungsangebot […] in Tat und Wahrheit die falsche Altersgruppe anspricht", lässt sich Rico Baldegger zitieren.

Bei der Gleichstellung hinkt die Schweiz hinterher

Die Befunde zeigen ausserdem deutliche Unterschiede zwischen Frauen und Männern: Nur noch 4,7 Prozent der Schweizer Frauen zeigen sich heute bereit, unternehmerisch tätig zu sein. Bei den Männern sind es knapp 10 Prozent. Auf eine Gründerin fallen also genau zwei Gründer.

Dieses Verhältnis sei im Vergleich mit anderen einkommensstarken Ländern wenig vorteilhaft, schreiben die Studienautoren: 25 der 30 Referenzländer weisen ein günstigeres Geschlechterverhältnis bei Gründerinnen und Gründern auf.

Für die Schweizer Ausgabe der jährlich stattfindenden Untersuchung befragten die HSW-FR sowie die Tessiner Fachhochschule SUPSI rund 2400 Personen. Den vollständigen Länderbericht Schweiz des Global Entrepreneurship Monitors 2018/2019 finden Sie hier (PDF).

Schweizer Start-ups haben im ersten Halbjahr 2019 so viel Wagniskapital wie noch nie akquiriert. Unter anderem dank Getyourguide und Sophia Genetics. Lesen Sie hier mehr dazu.

Webcode
DPF8_146885

Kommentare

« Mehr