Erste Business Innovation Week

Ewa Ming lädt zum Forum "Zukunft Schw-AI-z"

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Ewa Ming hat die Business Innovation Week im Credit Suisse Tower in Zürich eröffnet. Das Forum für die innovative Zukunft der Schweiz bot Plattform für eine Vielzahl von Referenten aus verschiedensten Richtungen. Sie zeigten: Die Visionen einer innovativen Schweiz sind vielseitig.

"Die Vision, die vor einem Jahr begonnen hatte, ist heute Realität: Die Schaffung einer Plattform für Innovation, Digitalisierung und neueste Technologien." Damit hiess Ewa Ming, Initiantin und Gründerin der Business Innovation Week, ihre Gäste willkommen. Das "Forum Zukunft Schw-AI-z" fand als Eröffnung im Rahmen der Business Innovation Week im Credit Suisse Tower in Zürich statt. Das Ziel der Veranstaltung: Konkrete Antworten und wegweisende Lösungen.

Das Forum bot einer Vielzahl von Referenten die Möglichkeit, sich über die aktuelle Lage bezüglich Innovation und Digitalisierung in der Schweiz zu äussern. Die vielseitigen Hintergründe der Referenten zeigten auch die vielseitigen Sichtweisen bezüglich Innovationsverhalten und Zukunftsvisionen in der Schweiz auf. Moderiert wurde das Forum von Fernsehmoderator Stephan Klapproth.

Ewa Ming, Initiantin und Gründerin der Business Innovation Week, heisst ihre Gäste willkommen. (Source: Netzmedien)

Welche Zukunft für welche Schweiz?

Die Schweiz ist ausserordentlich vernetzt, so Peter Grünenfelder, Direktor von Avenir Suisse. "Zwei Drittel aller KMUs arbeiten international." Diese Jobs seien von der Internationalisierung abhängig. Der konstante Wandel setze den Arbeitsmarkt und das Rechtssystem seit Jahrzehnten einem konstanten Druck aus und es bestehe auch heute kein Anlass, sich zurückzulehnen.

Die Schweiz stelle sich derzeit vielfältigen wirtschaftlichen Herausforderungen, wie rückläufige Exporte, Aufwertungsdruck auf den Schweizer Franken und Reformstau. Dank hochqualifizierten Migranten ginge es uns heute noch gut. Aber es bestehe ein zunehmender Fachkräftemangel. Ein Sechstel bis zu einem Fünftel der Absolventen in innovativen technischen Berufsfeldern suche man heute monatelang oder werden gar nicht mehr gefunden.

Dies sind Wettbewerbsnachteile, die auch mit der demografischen Entwicklung der Schweiz zu tun haben, so Grünenfelder. Die Hochschulen würden zu wenig nach den Anforderungen des Arbeitsmarktes agieren. Dazu komme das alte und starre Schweizer Arbeitsgesetz und dass sich das Wirtschaftskräfteverhältnis von den USA zugunsten Chinas verschiebe.

"Wir fallen zurück und vergessen, dass die Transformation des Arbeitsmarktes vollkommen normal ist", sagte Grünenfelder. Wir seien aufgrund dieser Entwicklungen zwingend darauf angewiesen, produktiver zu werden. Hier komme die Technologie, die Digitalisierung zum Einsatz. "Der technologische Fortschritt schafft Stellen."

Peter Grünenfelder, Direktor von Avenir Suisse, zeigt, wie die Schweiz auf den Aussenhandel angewiesen ist. (Source: Netzmedien)

"Innovation ist nicht technisch, sondern Betriebskultur"

Bundesverwaltungsrichter Marc Steiner führte in seinem Referat aus, dass es für eine progressive Innovationshaltung in der Schweiz mehr Anreize benötigt. Steiner präsentierte in diesem Zusammenhang das junge Beispiel des Beschaffungsgesetzes vom 19. Juni.

Die Beschaffungsreform hat gezeigt, dass es noch viel zu viele Akteure gibt, die hoffen, dass die Innovationen entstehen, so Steiner. "Die sich aber selber daran nicht die Finger verbrennen wollen, indem sie sagen, was sie vom politischen Prozess verlangen."

Weil der Mut fehle, hätten Unternehmen während der Beschaffungsreform dringende Bedürfnisse nicht kommuniziert. Davon, sagte Steiner, müsse man dringend wegkommen. "Die Innovation ist viel zu schnell, dass immer, wenn einer einen Schritt vorwärts macht, dann schaut, ob die anderen mitkommen. Und wenn sie nicht mitkommen, macht man den Schritt gleich wieder zurück."

Um Unternehmen zu ermutigen, müsse man sich die Frage stellen: Wie ticken diese Anbieter und warum ticken sie, wie sie es tun? Und was können wir tun, das die Unternehmen ermutigt, sich in eine bestimmte Richtung zu entwickeln? "Innovation ist nicht technisch, sondern Betriebskultur."

Anreize zur Innovation schaffen

Der Blick über den Tellerrand zur WTO und zur EU könne beim Innovationsbestreben der Schweiz als Anreiz helfen. Was nicht bedeute, das EU-Recht zu übernehmen, betont Steiner. Innovation lebt von diesen vielseitigen Anreizen und nicht nur von einem Gesetz, war Steiner überzeugt.

Die junge Reform des Beschaffungsrechts, die Steiner als Beispiel aufführt, sei aus ordnungspolitischer Sicht ein Misserfolg. Mit Blick auf den Weg zum richtigen Anreizsystem hat die Reform jedoch Erfolge vorzuweisen, sagte Steiner.

"Warum hat das geklappt? Weil die Schweizer Baulobby gesagt hat: Wir haben keinen Bock auf das Geschwafel von Avenir Suisse und Economiesuisse. Wir haben unsere eigenen Probleme. Der öffentliche Auftraggeber schaut viel zu sehr nur auf den Preis und wir werden für unsere Qualität nicht belohnt. Das schadet uns als Standort." Die europäische Baulobby habe dasselbe gemacht, fügt Steiner an. "Und wenn wir den Qualitätswettbewerb haben, dann sind wir dafür bereit, positiv über Nachhaltigkeit zu reden."

Die Folgen davon: Es wird heute mehr auf Qualität als auf Geld gesetzt, so Steiner. Externe Effekte wie Kollateralschäden müssten nun preislich internalisiert werden. Die Qualität würde preislich belohnt. Das neue Einkaufsgesetz sei somit ein gutes Beispiel dafür, wenn in der Schweiz Qualitätswettbewerb, Innovation und Nachhaltigkeit zusammenkommen.

Der Wandel findet auch auf WTO-Ebene statt, so Steiner. Als Reaktion auf den Protektionismus der USA hätten Kanada und Europa selber die Initiative ergriffen und entwickelten "das Ding" selber in Richtung Nachhaltigkeit.

Der Paradigmenwechsel ist da, betont Steiner. Aber weil das nicht in den normalen ordnungspolitischen Diskurs passe, komme vom Seco oder der NZZ diesbezüglich nichts. Die Nachhaltigkeit sei aber heute bereits gesetztes Ziel des Beschaffungswesens. Und das ist ein positives Beispiel für die Konzernverantwortung für die öffentliche Hand, sagte Steiner.

Marc Steiner, Bundesverwaltungsrichter, stellt anhand des Beschaffungsgesetzes ein mögliches Anreizsystem vor. (Source: Netzmedien)

Der Marktplatz fehlt

Enrico Baumann, CEO und Verwaltungsrat von Elektron, präsentierte seinen Vortrag im Zeichen der "Smart Citys" der Schweiz. Es gebe Strategien dazu, aber es scheine, als ob jede Stadt ein bisschen von den anderen Städten abschaut. Was fehle, seien ehrgeizige Ziele, aus denen sich konkrete Massnahmen ableiten lassen.

Was gebraucht wird, so Baumann, ist ein politischer Wille und Fahnenträger, sonst werde das Thema in den Departementen nur hin und her geschoben. Es brauche eine klare Strategie, eine neue Form der Organisation und die Verwaltungen müssten zusammenarbeiten. Zusätzlich brauche es ein Ökosystem von Anbietern, von Start-ups, Hochschulen, Grossfirmen und KMUs.

"Ich bin der Meinung: Die Technik ist da, die Firmen sind da, KMUs wie wir haben intelligente Lösungen. Aber was wir nicht haben, ist der Marktplatz, den wir brauchen, um diese Wirtschaft auszurollen."

Als gute Beispiele nannte Baumann Winterthur, das aktiv Pilotprojekte lanciere und St. Gallen, das als einer der ersten im Rahmen einer Smart-City-Strategie einen Chief Digital Officer angestellt hat, der entsprechende Projekte koordiniert.

Enrico Baumann, CEO und Verwaltungsrat von Elektron, fordert Kooperation. (Source: Netzmedien)

Die KI verändert die Welt

Christian Fehrlin, CEO und Gründer des Schweizer Softwareentwicklers Deep Impact, präsentierte, was die heutigen künstlichen Intelligenzen können. In Beispielen zeigte er eine Maschine, die menschliche Gespräche überzeugend simulierte, wie sein Unternehmen eine bestimmte Person mittels Gesichtserkennung in einem Fussballstadion identifizieren konnte und die Roboter von Boston Dynamics, die heute bereits fähig sind, zu joggen, zu hüpfen und sich im Sprung zu drehen. Die Entwicklung geht rasant voran, so Fehrlin.

Fehrlin zeigte sich bezüglich Job-Vielfalt, die daraus hervorgehen soll, weniger optimistisch. Die Finanzindustrie setze heute schon viel auf künstliche Intelligenz. Auch im Pflegeberuf setze man schon Roboter ein. Anwälte und Richter sind ebenfalls ein Thema. "Die Maschine wird sich auch in akademischen Berufen breit machen", sagte Fehrlin. Auch wenn die Job-Vielfalt seiner Meinung nach schrumpfen wird, sagte Fehrlin wie Grünenfelder, dass die KI insgesamt mehr Jobs schaffen als vernichten wird.

Die Angst vor der künstlichen Superintelligenz versuchte Andy Fitze, Mitgründer von Swisscognitive, zu nehmen. Die heutigen und auch künftigen künstlichen Intelligenzen würden nicht anwendbar sein in einem Multipurpose-Umfeld oder in der industriellen Anwendung, dafür seien sie viel zu inkompetent.

Wir müssten dennoch lernen, dass die Technologie lernt, uns zu verstehen. Dies habe bereits viele Vorteile gebracht, zum Beispiel bei der Überwachung von Tankern. Und sie würde dennoch in anderen Bereichen noch immer fehlen, etwa bei der Früherkennung von Herzkrankheiten – und das obwohl heute diverse technische Alltagsmittel, wie Handys, die Möglichkeit hätten, auf solche Probleme aufmerksam zu machen.

Christian Fehrlin, CEO und Gründer von Deep Impact, zeigt die Berufe, die von der künstlichen Intelligenz betroffen sind, oder noch sein werden. (Source: Netzmedien)

In der Schweiz fehlt der Diskurs im Alltag und in der Politik

In Podien wurden Vertreter aus Wirtschaft und Politik eingeladen, um sich Fragen zu stellen, die die digitale Innovation in der Schweiz aufwirft. Dabei wurde von vielen Vertretern ein Punkt angesprochen: In der Schweiz fehle der Diskurs.

Man müsse sich bewusst sein, dass diese Technologie, wie jede Technologie, in einem sozialen Kontext eingesetzt wird, so Marc Holitscher, National Technology Officer und Mitglied der Geschäftsleitung Microsoft Schweiz. Der Bedarf nach einem informierten Dialog sei entsprechend hoch. Microsoft sei eines der Unternehmen, die aktiv den Diskurs mit der Politik gesucht hätten.

Judith Bellaiche, Geschäftsführerin des Swico, sagte, dass die Schweiz eigentlich prädestiniert sei, eine Plattform zu bieten, um künstliche Intelligenz seriös, in einer sozialverträglichen, nachhaltigen und vertrauenswürdigen Form anzubieten. Aber auch ihr fehle der Diskurs im Alltag der Schweiz. Diesen Diskurs könne man nicht vollumfänglich der Privatwirtschaft überlassen. Jedoch sei man in der Politik nicht genügend interessiert und nicht genügend "literate", um solche Diskurse zu führen.

"Wir müssen dem Sorge tragen", sagte Regine Sauter, Nationalrätin und Direktorin der Zürcher Handelskammer. Die Schweiz müsse diese Innovation weiterentwickeln. Andere würden auch nicht schlafen. Jedoch hätten wir derzeit das Problem, die Rahmenbedingungen an bestimmten Orten unsicher zu gestalten und das sei für die Unternehmen sehr unvorteilhaft.

Das erste Podium mit Andy Fitze, Mitgründer SwissCognitive, Marc Holitscher, National Technology Officer und Mitglied der Geschäftsleitung Microsoft Schweiz, Anna Jobin, Soziologin und Forscherin an der ETH Zürich, Judith Bellaiche, Geschäftsführerin Swico und Nicola Forster, Präsident und Gründer Think Tank foraus (v.l.). (Source: Netzmedien)

Im Anschluss an das Forum lud Ewa Ming zum Apéro, um erneut die Plattform dafür zu bieten, was die Schweiz bezüglich Innovation offenbar dringend benötigt: Diskurs und Networking.

Die Business Innovation Week dauert vom 30. September bis 03. Oktober und stellt Themen wie Innovationskultur, ICT, IoT, künstliche Intelligenzen, Cyber Security und Finance 4.0 in den Fokus.

Das Apéro bot Gelegenheit für Austausch und Networking. (Source: Netzmedien)

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