Gegen Superspreader

SwissCovid-Macher wollen Corona-Clustern mit neuer App an den Kragen

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Der Softwareentwickler Ubique Innovation lanciert eine App namens "Notify Me". Statt auf einzelne Begegnungen ist die neue App auf ganze Veranstaltungen ausgerichtet. Sie soll SwissCovid nicht ablösen, sondern ergänzen.

(Source: Screenshot notify-me.ch)
(Source: Screenshot notify-me.ch)

Mit einer neuen App wollen die Firma Ubique Innovation und die ETH Lausanne gegen Corona Cluster vorgehen. Die App namens "Notify Me" erlaubt es Gastgebern öffentlicher oder privater Veranstaltungen einen QR-Code zu generieren, den die Gäste mit ihrem Smartphone scannen können. Erhält einer der Teilnehmer ein positives Corona-Testergebnis, kann der Gastgeber die übrigen Besucher seiner Veranstaltung benachrichtigen.

Neue Erkenntnisse, ...

Hintergrund der App seien relativ neue wissenschaftliche Erkenntnisse über die Verbreitung von SARS-CoV-2, wie "Watson" schreibt. Demnach bringe die gezielte Eindämmung ganzer Cluster eine grössere Wirkung als das Aufspüren einzelner Infektionen.

"Ein Cluster entsteht, wenn eine infizierte Person durch lautes oder auch feuchtes Sprechen, heftiges Atmen oder Singen sehr viele Virenpartikel ausstösst", zitiert Watson aus der "NZZ". So könnten einige wenige Personen hochansteckend sein und in geeigneten Situationen als Superspreader sehr viele Menschen infizieren. In geschlossenen Räumen könne dies über grössere Distanzen passieren. Diesem Umstand werden Apps wie SwissCovid nicht gerecht, schreibt Watson weiter. Wie SwissCovid abschätzt, welche Kontakte gefährdet sind, lesen Sie hier.

… altes Datenschutzkonzept

"Mit dieser App wollen wir ein kryptografisches Protokoll vorschlagen, das eine äusserst effektive Kommunikation mit Behörden und allen Anwesenden an einer bestimmten Veranstaltung ermöglicht und gleichzeitig die Wahrung der Privatsphäre gewährleistet", zitiert Watson den EPFL-Forscher Edouard Bugnion.

Wie SwissCovid setzt auch "Notify Me" auf einen Privacy-By-Design-Ansatz. "Beim Check-In wird nur eine verschlüsselte ID lokal auf dem Smartphone gespeichert. Eine zentrale Speicherung von privaten Daten wird überflüssig", schreiben die Macher auf ihrer Website. Man müsse auch keine persönlichen Daten wie Name, Adresse oder Telefonnummer angeben und es würden keine GPS-Standortdaten erfasst.

Meldet ein Veranstalter ein positives Corona-Testergebnis, wird die zufällig erzeugte Veranstaltungs-ID zusammen mit dem Risikozeitraum auf einem zentralen Server veröffentlicht. Die Smartphones der Nutzer gleichen diese Infos mit den lokal gespeicherten Daten ab und schlagen gegebenenfalls Alarm. Das Konzept der App basiert gemäss Entwickler auf einem Paper namens "CrowdNotifier", welches auf "Github" zum Download bereitsteht.

BAG ist nicht involviert

"Notify Me" sei als freiwilliges zusätzliches Hilfsmittel gedacht, um Corona Cluster zu bekämpfen, schreibt Watson. Entsprechend soll sie die bereits veröffentlichte SwissCovid-App nicht ersetzen, sondern ergänzen. Das Onlineportal verweist ferner auf die "gesetzlich vorgeschriebene Verpflichtung für Gastrobetreiber, die Kontaktdaten der Gäste schriftlich zu erfassen".

Ubique-Geschäftsführer Mathias Wellig könnte sich eine Integration der beiden Apps vorstellen: "Hier könnte man sich beispielsweise vorstellen, dass positiv getestete Personen, die sich mit ihrem unpersönlichen Covidcode authentifizieren, optional Check-Ins während ihrer infektiösen Zeit an die Behörden senden können", wird er von Watson zitiert. Damit dies möglich werde, müsste der Bund jedoch erst die nötigen gesetzlichen Grundlagen schaffen.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) ist in "Notify Me" nicht involviert. "Es handelt sich um ein Projekt von Ubique und der EPFL von welchem wir Kenntnis haben. Im erwähnten Projekt haben wir aktuell aber keine aktive Rolle", zitiert Watson einen Sprecher.

Eine Testversion gibts schon

Noch sei die App offiziell nicht gestartet, heisst es bei Watson. Es gibt jedoch bereits eine Testversion für Android

Und IOS (via "Testflight").

Zudem stellen die Entwickler den gesamten Quellcode als Open Source zur Verfügung.

Ende August sprach SwissCovid-Entwickler und Ubique-Chef Mathias Wellig im Interview über die Hintergründe, Herausforderungen und haltlose Kritik in Zusammenhang mit der Schweizer Corona-App.

Webcode
DPF8_198328

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