800 Festnahmen und 8 Tonnen Kokain

Polizei lockt Kriminelle mit vermeintlich sicherem Messenger in die Falle

Uhr
von René Jaun und cka

Mit einer angeblich sicheren Messenger-App haben Polizeibehörden mehrerer Länder monatelang Kriminelle ausgehorcht. Nun schlugen die Fahnder zu. Sie nahmen hunderte Verdächtige fest und beschlagnahmten tonnenweise Drogen, Waffen und Geld.

(Source: Bill Oxford / Unsplash.com)
(Source: Bill Oxford / Unsplash.com)

Laut Europol ist es eine der grössten Strafverfolgungsoperationen im Kampf gegen verschlüsselte kriminelle Aktivitäten. Sie trägt den Namen "Operation Trojan Shield/Greenlight" und erreichte vor wenigen Tagen ihren Höhepunkt. Doch die Aktion, an der sich laut Europol das US-Amerikanische FBI, die Polizeien Dänemarks, Schwedens und 16 weiterer Länder beteiligten, startete bereits 2019, mit einem vermeintlich sicheren Messenger namens "Anon".

Wie "Watson" berichtet, schleusten Undercover-Beamte mit der App präparierte Smartphones in mehr als 300 kriminelle Banden ein. Die App erweckte den Anschein eines sicheren Crypto-Messengers, wurde im Hintergrund aber vom FBI kontrolliert und abgehört. Die App habe sich unter Kriminellen verbreitet und war schliesslich auf über 10'000 Geräten in über 90 Ländern installiert, fasst Watson zusammen.

Die Behörden fingen während 18 Monaten über 27 Millionen der vermeintlich verschlüsselten Nachrichten ab und werteten diese aus, heisst es weiter. Vor wenigen Tagen schliesslich schlugen sie erstmals zu. Das Resultat:

  • 800 Verhaftungen in 16 Ländern,

  • 700 durchsuchte Häuser,

  • 6 ausgehobene Drogenlabore,

  • 22 Tonnen beschlagnahmtes Cannabis,

  • 8 Tonnen beschlagnahmtes Kokain,

  • 2 Tonnen beschlagnahmte Amphetamine,

  • 250 beschlagnahmte Waffen,

  • sowie 48 Millionen Dollar beschlagnahmt.

Laut Watson fanden Razzien nebst Australien auch in den USA, Kanada, Grossbritannien und mehreren europäischen Ländern statt, darunter Deutschland, Österreich, den Niederlanden, Schweden und Norwegen. Die Schweiz werde nicht explizit erwähnt. Mit dieser einen Aktion sei es aber noch nicht getan: In den kommenden Wochen plane man weitere Spin-Off-Aktionen, schreibt Europol.

Vor einem Jahr wurde bekannt, dass die französische und die niederländische Polizei während Monaten den sicheren Messenger "Encrochat" abgehört hatten. Den Behörden war es gelungen, die Verschlüsselung des unter Kriminellen beliebten Chatsystems zu knacken.

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