Women in Cyber Day

Das erwartet Frauen in der Cybersecurity

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von Kevin Fischer und cka

Der erste Women in Cyber Day ist vorbei. IT-Sicherheitsexpertinnen zeigten auf, was Interessentinnen in einer entsprechenden Karriere erwartet und weshalb es in der Branche Frauen braucht. Bundesrätin Viola Amherd hatte ebenfalls einen Auftritt am Event.

(Source: WavebreakMediaMicro / Fotolia.com)
(Source: WavebreakMediaMicro / Fotolia.com)

Der erste Women in Cyber Day ist am 10. Juni über die Bühne gegangen. Um Frauen mehr für eine Karriere im Cybersecurity-Bereich zu begeistern, gewährten Frauen aus der Branche Einblicke in ihre Berufe. Ihre Tätigkeiten waren so unterschiedlich wie ihre Präsentationen, doch vermittelten alle explizit oder implizit: Ein gut funktionierendes Cybersecurity-Team ist so divers wie seine Herausforderungen.

IT-Security braucht mehr als nur Mathematik

Welche Qualitäten eine Arbeit in der Cybersecurity erfordert, erklärte Monica Ratte vom Nationalen Zentrum für Cybersicherheit (NCSC). In ihrem Studium waren ihre technische Fähigkeiten das Wichtigste. Als sie jedoch anfing zu arbeiten, zeigte sich, dass das nicht genug war.

In ihrem Arbeitsfeld muss man bereit sein, stets Neues zu lernen. Dazu gehört etwa das Wissen für den Berufsalltag, das gerade im technischen Bereich regelmässige Updates benötigt. Zudem erlernte Ratte in ihrem Werdegang mehrere Landessprachen und Englisch. Auch das Kommunizieren mit "Techies" und mit der Führungsetage war wie die Verwendung zwei neuer Sprachen. Ratte musste ausserdem rechtliche Aspekte bezüglich Cybersecurity erlernen - neben Soft Skills wie Kompromissbereitschaft oder schlicht Geduld. "Anpassungsfähigkeit ist eine Schlüsselkomponente", brachte sie es auf den Punkt.

Monica Ratte zeigte auf, welche Skills eine Karriere in der Cybersecurity erfordern kann. (Source: zVg)

Da keine einzelne Person alle Anforderungen erfüllen könne, brauche es durchmischte und vielfältige Teams, die den Ansprüchen gerecht werden. In ihrer Karriere bemerkte Ratte, dass sie als Frau immer etwas mehr machen musste, um ihre Kompetenzen zu beweisen, wie Sie schon zuvor in einem Interview erklärte. Doch danach wurde sie respektiert. Sie geniesst den Abwechslungsreichtum ihres Jobs und die Arbeit für die Schweiz, ihre Bevölkerung und die Unternehmen motiviere sie in ihrem Berufsalltag.

Da Cybersecurity ein Thema ist, das alle betrifft, ist Ratte der Überzeugung, dass es auch allen zugänglich sein sollte. Deshalb beteiligt sie sich an Projekten und Kursen, um auch "Nicht-Techies" die Cybersecurity näherzubringen.

Cybersecurity ist ein politisches Thema

Myriam Dunn Cavelty von der ETH bewies, dass es keinen technischen Werdegang braucht, um sich im Feld der Cybersecurity zu betätigen. Ihr Fokus liegt auf Cybersecurity Politics. Sie muss zwar Kenntnisse aus der Branche haben, aber ihr Spezialgebiet sind Cyberbedrohungen sowie -angriffe und deren Akteure im politischen Kontext und wie eine angemessene Reaktion aussieht.

Cavelty unterrichtet Cybersecurity Politics an der ETH und unter anderem beim Militär. Sie versteht das Gebiet als "Brückenbau". Cybersecurity Politics hat zum Ziel, Bedrohungen (Threats) und Reaktionen (Responses) zu verstehen und zu erklären. Das soll unter anderem zur Frage beitragen, wie akzeptables Verhalten im Cyberspace aussieht.

Das sind die wichtigen Fragen in Cybersecurity Politics bei Bedrohungen...

... und bei Reaktionen respektive Antworten. (Source: Screenshot Netzmedien)

Die benötigten Fähigkeiten für Cybersecurity Politics überschneiden sich mit den Skills, die Ratte genannt hat. Dazu gehören kommunikative Fähigkeiten, Neugier und das Verlangen, Neues zu lernen. Zudem sei die Arbeit interdisziplinär und erfordere Wissen aus Politik, über Unternehmen und darüber, wie Hacker sowie IT-Professionelle denken und Arbeiten.

Abschliessend kam Cavelty auf ihre Erfahrungen als Frau in der Cybersecurity zu sprechen. Es sei ein herausforderndes, aber auch bereicherndes Erlebnis gewesen. Wie Ratte hatte sie erlebt, dass Frauen etwas mehr leisten müssen, um sich zu beweisen, doch habe sich Cavelty nie unwillkommen gefühlt. Gewisse (männerdominierte) Gruppen "testen" die Frauen auch, doch danach habe man ihren Respekt. Bei der Rekrutierung habe Cavelty bemerkt, dass Frauen ihren Wert eher herunterspielen, während Männer das Gegenteil tun. Schliesslich rät Cavelty den Frauen in der Branche, sich einen Mentor zu suchen - egal ob Mann oder Frau.

Althergebrachte Vorstellungen behindern den Cybersecurity-Einstieg

Myla Pilao von Trend Micro ging konkreter auf den Fachkräftemangel in der Cybersecurity ein. Unter dem Motto "Auch Cybersicherheit kann Leben retten" betonte sie zu Anfang die Wichtigkeit der IT-Sicherheit: Künftig werde es keine Technologie geben, die auf Cybersecurity verzichten kann. Als bereits heute aktuelle Beispiele für Cyberrisiken nannte Pilao etwa Autos, die gehackt werden können, oder die Gefahren durch Deepfakes. Mit neuen Innovationen machen auch Cyberkriminelle Fortschritte.

Gleichzeitig hat die Cybersecurity ein Problem, wenn es um die "Talent-Pipeline" geht. Ein Problem sei, dass Cybersecurity nicht als so "sexy" und/oder bedeutend vermittelt wird wie etwa der Beruf eines Astronauten oder andere. Der Grund, weshalb Pilao selbst so spät in die Cybersecurity gefunden habe, liege auch an traditionellen Vorstellungen. Gerade in der asiatischen Kultur sei es verbreitet, dass die ältere Generation bestimme, was die jüngere künftig arbeiten soll. Dabei sei man so sehr in diese Vorstellungen verfangen, dass man verkenne, wie die heutige Welt eigentlich aussieht und funktioniert.

Myla Pilao machte auf die Wichtigkeit von Cybersecurity aufmerksam. (Source: Screenshot Netzmedien)

Veränderungen seien deshalb schwierig. Dabei könnten gerade etwa Frauen ihre Stärken wie Empathie und Leidenschaft in das Feld einbringen. Der Kampf in der Cybersecurity findet laut Pilao nicht zwischen Männern und Frauen statt. Die Feinde seien diejenigen, die Schwachstellen zu ihrer eigenen Bereicherung und auf Kosten anderer ausnutzen.

Die IT-Abteilung als verbindendes Element in der Schweizer Verteidigung

Der proklamierte Höhepunkt des Women in Cyber Day war die Videobotschaft von Bundesrätin Viola Amherd, Chefin des Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS). Sie klärte die Zuschauerinnen und Zuschauer über die Rolle der ICT-Abteilung und des Cyberbereichs in der Armee und der Schweizer Verteidigung auf.

Gemäss der Botschaft gibt es zwar bereits viele Frauen in der Armee, aber für Amherd dürften es noch mehr sein. Sie wirbt für den Cyberlehrgang beim Bund und ruft dazu auf, dass Zivilisten diesen auch in ihrem (weiblichen) Umfeld wie bei den Töchtern bewerben.

Die gesamte Videobotschaft von Viola Amherd anlässlich des Women in Cyber Day. (Source: VBS / Youtube)

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