Protestler fürchten Ausverkauf ihrer Demokratie

Update: In El Salvador brennen die Bitcoin-Automaten

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El Salvador hat nach der Einführung der Kryptowährung Bitcoin mit Widerstand zu kämpfen. Kritiker und Demonstranten haben vergangenen Mittwoch einen Bitcoin-Geldautomaten in Brand gesteckt.

(Source: André François McKenzie / Unsplash)
(Source: André François McKenzie / Unsplash)

Update vom 22.09.2021: Das Nachrichtenportal Cointelegraph berichtet von heftigen Widerständen in El Salvador. Grund dafür sei das offiziell eingeführte Zahlungsmittel Bitcoin. Als Zeichen des Widerstandes zünden Bitcoin-Kritiker und Demonstranten am vergangenen Mittwoch einen Bitcoin-Geldautomaten in San Salvador an, wie Teleprensa in den sozialen Medien zeigt.

Der Kiosk, an dem der Automat stand, wurde zudem mit Anti-Bitcoin-Botschaften und dem Slogan "Demokratie ist unverkäuflich" beschmiert.

Der nach der regierungseigenen Krypto-Wallet benannter "Chivo-Geldautomat", nahm grösstenteils oberflächlichen Schaden. Jedoch wurde auch Mobiliar des Kiosks verbrannt. Schon bevor das Gesetz in Kraft trat, demonstrierten mehrere Protestgruppen. Die grösste Befürchtung sei dabei eine Verschlechterung der ohnehin schwachen Wirtschaft im Land. Bereits am Tag der Einführung stellte der Krypto-Marktführer einen Rückgang unter 43'000 US-Dollar fest. Präsident Bukele trat dem durch den Kauf weiterer 150 BTC für sein Land entgegen, was die Währung wieder auf 48'000 US-Dollar brachte.

In El Salvador seien bisher rund 200 Bitcoin-Geldautomaten in Betrieb. Der Präsident Bukele hofft auf eine schnelle Ausweitung der Automaten im ganzen Land. Ziel ist es, die Kryptowährung flächendeckend einzuführen. Die Nutzung soll jedoch freiwillig sein.

Originalmeldung vom 09.09.2021: Bitcoin ist offizielles Zahlungsmittel in El Salvador

El Salvador ist von nun an ein Paradies für alle Fans von Kryptowährungen: Seit Dienstag gilt im mittelamerikanischen Land weltweit erstmals Bitcoin als offizielles Zahlungsmittel. Neben dem US-Dollar, ist der Bitcoin dort nun die zweite gültige Währung. Das neue Gesetz besagt, dass jeder Händler die Digitalwährung annehmen muss, der technisch dazu in der Lage ist.

Um der Bevölkerung die Währung attraktiv zu machen, will der Präsident Nayib Bukele laut "Spiegel" Bitcoins im Wert von 30 US-Dollar all denjenigen verschenken, welche die neue App namens "Chivo" heruntergeladen haben. Zudem will er 200 Geldautomaten aufstellen, an denen Bitcoins auf das Handy geladen werden können.

Das Land habe laut Bukele bereits 400 der Coins gekauft. Diese sollen rund 17,6 Millionen Euro wert sein, wie "Spiegel" weiter berichtet. "Wie alle Innovationen hat auch das Bitcoin-Verfahren in El Salvador eine Lernkurve. Jeder Weg in die Zukunft ist so, und nicht alles wird an einem Tag oder in einem Monat erreicht", schrieb der Präsident auf Twitter.

Präsident verspricht günstigen Transfer

Doch der Widerstand der Salvadorianer lässt nicht nach. Gemäss einer landesweiten Umfrage der Universidad Centroamericana wollen 70 Prozent der 1300 Befragten den Bitcoin nicht benutzen. Nur 5 Prozent der Teilnehmenden wussten überhaupt erst, was ein Bitcoin genau ist. Um die Unwissenheit zu reduzieren und die Skepsis zu dämpfen, wirbt Bukele insbesondere mit dem günstigen Transfer der Kryptowährung.

Seit 2001 ist das Land von der Geldpolitik der US-Notenbank abhängig. Nach Angaben von "Spiegel" leben zudem viele Salvadorianer in den USA und überweisen jährlich rund 5,9 Milliarden Dollar in ihre Heimat - was etwa 22 Prozent des Bruttoinlandproduktes entspricht. Da 70 Prozent der Einwohner selbst keinen Zugang zu traditionellen Finanzdienstleistungen haben, sind diese auf solche Überweisungen angewiesen. Nayib Bukele verspricht mit dem Bitcoin einen preiswerteren Transfer. Mit der neuen Währung solle die Bevölkerung bei der Überweisung einiges sparen.

Der Krypto-Experte Moritz Wietersheim von Specter Solutions sieht das anders. Er prognostiziert eine hohe Volatilität, die für El Salvador "den Unterschied zwischen Überleben und Verhungern" ausmachen würde, wie er sich in der "NZZ" äussert. Das Problem werde aber gelöst, wenn sich die Kryptowährungen weltweit durchsetzen.

Auch Paypal macht Bitcoin zum Zahlungsmittel. Nutzerinnen und Nutzer des Zahlungsanbieters können Produkte und Dienstleistungen neu auch mit Kryptowährungen bezahlen. Hier können Sie mehr darüber lesen.

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