Freiheiten und Flexibilität

Microsoft geht einen Schritt auf europäische Cloud-Anbieter zu

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von Yannick Chavanne und übersetzt von René Jaun

Mit mehreren Initiativen reagiert Microsoft auf die Kritik europäischer Regulierungsbehörden und Cloud-Anbieter. Das Unternehmen erlaubt letzteren unter anderem, Windows und Office künftig auf ihrer eigenen Infrastruktur zu hosten und auszuführen.

(Source: Christian Lue / Unplash)
(Source: Christian Lue / Unplash)

Europäische Cloud-Anbieter sind nicht besonders gut auf Microsoft zu sprechen. Die Unternehmen zeigten sich in der Vergangenheit oft konsterniert über die Lizenzierungspraktiken des US-amerikanischen Tech-Konzerns. Drei europäische Cloud-Anbieter reichten deswegen gar Klage gegen Microsoft ein. Sie werfen dem Konzern vor, seine Vertrags- und Geschäftspraxis mache es teuer und schwierig, Microsoft-Cloudlösungen in der Infrastruktur eines Konkurrenten laufen zu lassen.

Nun hat Microsoft-Präsident Brad Smith Änderungen angekündigt. In einem ausführlichen Blogbeitrag stellt er fünf Prinzipien vor, nach denen sein Unternehmen das europäische Cloud-Geschäft künftig ausrichten wird. Eines davon ist die Bereitschaft Microsofts, europäische Cloud-Anbieter zu unterstützen und Partnerschaften mit ihnen einzugehen. Dazu will der Konzern sein "Cloud Solution Provider Program" ausweiten. Auf Anfrage teilt ein Microsoft-Sprecher mit, dass auch Schweizerische Cloud-Provider davon profitieren.

Windows und Office hosten und ausführen

Konkret nimmt Microsoft mehr Anbieter in das Programm auf. Zudem erlaubt ihnen das Unternehmen, Microsoft-Produkte auf ihrer Infrastruktur für Kunden zu hosten und auszuführen.

Dazu gehören auch Produkte, die traditionell nur auf den Desktops oder Servern der Kunden laufen durften, stellt der Microsoft-Präsident klar: "Diese Erweiterung wird es diesen Cloud-Anbietern ermöglichen, Windows und Office (einschliesslich Windows 11 und Microsoft 365 Apps für Business und Enterprise) direkt als Teil einer vollständigen gehosteten Desktop-Lösung anzubieten, die sie aufsetzen, verkaufen und auf ihrer Infrastruktur hosten können." Europäische Anbieter sollen zudem diesen Hosting-Service auch für Kunden anbieten können, die Windows- und Office-Software von anderen Microsoft-Partnern kaufen.

Flexiblere Lizenzierung

Weiter verspricht Microsoft mehr Flexibilität bei seinen Lizenzen. "Wir werden Änderungen vornehmen, die teilweise von den Grundsätzen für faire Softwarelizenzen inspiriert sind", schreibt Smith. Dabei erwähnt er namentlich die "10 Prinzipien gegen unfaire Softwarepraktiken" der europäischen Organisationen CIGREF und CISPE.

Anpassung an europäische Werte

Abgesehen von den Initiativen, die sich speziell an europäische Anbieter richten, will Microsoft auch bei seiner eigenen Cloud nachbessern. Man wolle dafür sorgen, dass die öffentliche Cloud den Bedürfnissen Europas entspricht und sich an dessen Werte anpasst. Zudem will sich der Tech-Gigant auch dafür einsetzen, dass seine Cloud am Erfolg europäischer Entwickler teilhat und dass seine Angebote in diesem Bereich "die souveränen Bedürfnisse der europäischen Regierungen in Partnerschaft mit vertrauenswürdigen lokalen Technologieanbietern erfüllen", schreibt Smith.

Die Initiativen seien breit angelegt, schreibt der Microsoft-Präsident im Blogbeitrag. Basierend auf dem Feedback europäischer Cloud-Anbieter, Kunden oder Regulierungsbehörden könne sein Unternehmen die Prinzipien weiter anpassen.

Ende Februar stellte Microsoft neue Sicherheitsfunktionen für Multicloud-Umgebungen. Unter anderem sind die nativen Funktionen von Microsoft Defender for Cloud neu auch für Google Cloud Plattform verfügbar. Ausserdem startete das Unternehmen einen Public Preview für ein Multicloud-Identitätsmanagement-Tool. Mehr dazu lesen Sie hier.

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