Auch Microsoft Teams und Whatsapp

Russland verbietet Threema und weitere bekannte Messenger-Dienste

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von Daniel Schurter, watson.ch

Das Verbot ausländischer Software gelte für russische Organisationen. Angeblich wird befürchtet, dass sensible Informationen abfliessen könnten.

(Source: LoboStudioHamburg / Pixabay.de)
(Source: LoboStudioHamburg / Pixabay.de)

In Russland dürfen ab dem 1. März diverse ausländische Messenger- und Internet-Telefonie-Dienste (VoIP) nicht mehr verwendet werden, wie die Zensurbehörde Roskomnadzor in einer aktuellen Mitteilung in Erinnerung ruft.

Das entsprechende Gesetz verbietet es russischen Organisationen, "Informationsaustauschsysteme" zu nutzen, die ausländischen Unternehmen gehören.

Wer ist betroffen?

Roskomnadzor listet auf seiner Website die folgenden ausländischen Online-Dienste auf:

  • Discord – eine ursprünglich für Gamer lancierte Kommunikationsplattform mit Sitz in den USA.
  • Microsoft Teams, USA
  • Skype for Business, USA
  • Snapchat, USA
  • Telegram, ursprünglich russisch, in Dubai ansässig
  • Threema, Schweiz
  • Viber – eine VoIP- und Instant-Messaging-App, die seit 2017 einem japanischen Technologiekonzern gehört
  • WhatsApp, USA
  • WeChat – eine chinesische App für Instant Messaging, Social-Media-Aktivitäten und mobile Zahlungen.

Interessanterweise steht das in Kalifornien ansässige "Zoom", eine der weltweit am häufigsten genutzten Plattformen für Videokonferenzen, nicht auf der Verbots-Liste. Und auch der bekannte Open-Source-Messenger Signal, der wie Threema und WhatsApp eine angeblich abhörsichere Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bietet, ist nicht aufgeführt.

Warum tut Russland das?

Das derzeitige Verbot scheine kein Versuch des Putin-Regimes zu sein, den Zufluss von unzensierten Informationen einzudämmen, schreibt der Techblog "Bleeping Computer".

Russland sei vielmehr sehr vorsichtig und schränke den Einsatz ausländischer Software in kritischen Wirtschaftssektoren aktiv ein, um das Risiko zu minimieren, dass ausländische Geheimdienste an sensible Daten gelangen.

Die Zensurbehörde hatte zuvor verlangt, dass einige der oben aufgeführten Dienste, darunter Discord und Telegram, "Fehlinformationen" von ihren Plattformen entfernen.

Bekanntlich ist es in Russland unter Strafe verboten, sich kritisch zum völkerrechtswidrigen Angriffskrieg zu äussern, den Wladimir Putin gegen die Ukraine führen lässt.

Warum wurde Shutterstock gesperrt?

Ebenfalls am Mittwoch hat die Zensurbehörde Roskomnadzor bekannt gegeben, dass sie die Website des US-amerikanischen Stock-Photo-Anbieters Shutterstock in Russland gesperrt hat. Dies berichtete die staatliche russische Nachrichtenagentur TASS und bezog sich dabei auf einen Entscheid der russischen Konsumentenschutzbehörde Rospotrebnadzor

Zur Begründung heisst es, auf der Shutterstock-Website seien "wiederholt destruktive Materialien gepostet" worden, "darunter selbstmörderische und pro-Drogen-Inhalte".

Was ist mit Threema?

Auf Anfrage von watson heisst es beim Schweizer Unternehmen, man werde den Bericht aus Russland prüfen.

Im Juni 2022 war bekannt geworden, dass ein russisches Gericht eine Geldstrafe gegen Threema verhängt hatte. Das Schweizer Start-up soll Vorschriften für Messenger-Diensten nicht nachgekommen sein, die zu einem russischen "Anti-Terror-Paket" gehören, das 2018 in Kraft trat.

Demnach müssten Threema und Co. die User anhand ihrer Telefonnummer identifizieren können und Daten an den russischen Inlandsgeheimdienst FSB weitergeben.

Die Threema-Führung liess daraufhin verlauten, man werde unter keinen Umständen irgendwelche Daten an russische Behörden übergeben. Ein geschützter Kommunikationskanal sei ein wertvolles Gut zum Schutz der Privatsphäre, insbesondere in Staaten mit eingeschränkter Meinungsfreiheit.

Dieser Beitrag ist zuerst auf watson.ch erschienen

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