Slot-System

Uri will die Gotthard-Durchfahrt digitalisieren

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von Yannick Züllig und tme

Der Urner Landrat hat genug vom Stau am Gotthard. Abhilfe soll ein digitales Buchungssystem schaffen.

(Source: Ricardo Gomez / Unsplash)
(Source: Ricardo Gomez / Unsplash)

Der Stau am Gotthardstrassentunnel ist seit Jahrzehnten zum Strassenbild der Schweiz geworden, insbesondere an Feiertagen und zur Ferienzeit. Darunter leidet hauptsächlich die Bevölkerung der Anrainerkantone des Bergmassivs. 

Nun will der Landrat des Kantons Uri mit einer digitalen Lösung gegen die Stauproblematik vorgehen. Einstimmig hat die Legislative des Zentralschweizer Kantons einer Standesinitiative zugestimmt, welche vom eidgenössischen Parlament verlangt, sich der Problematik anzunehmen.

Wie die "Urner Zeitung" berichtet, steht FDP-Landrat Ludwig Loretz hinter der Standesinitiative. Als Kernpunkt seines Vorstosses soll ein digitales "Slot-System" geprüft werden, mit dem Durchfahrten durch den Gotthard gebucht werden könnten.

Wie im Eurotunnel?

Wer ins Tessin will, soll also künftig online reservieren. Ein ähnliches System existiert auch für den Eurotunnel zwischen England und Frankreich. Reisende registrieren im Vorfeld einen Slot auf der Website, welche je nach Fahrzeugtyp, Ausstattung und Antriebsart unterschiedlich teuer ausfällt. Auch der Zeitpunkt der Überfahrt beeinflusst den Preis.


(Source: Screenshot Eurotunnel.com)

Ein solches System könnte wohl im ersten Moment die Situation entschärfen. Doch wie der FHNW-Mobilitätsprofessor Alexander Erath gegenüber der "Urner Zeitung" erklärt, hätte auch dieses Nachteile.

Etwa wenn Leute aus der Lokalbevölkerung kurzfristig einen Slot zur Durchfahrt benötigen – was an Hochfrequenztagen schwierig sein könnte. Auch bräuchte man zusätzliche Parkiermöglichkeiten für Personen, die frühzeitig ankommen und auf ihren Slot warten müssen.

Mehr Schiene und mehr Spuren

Die Standesinitiative beschränkt sich daher nicht nur auf das Slot-System. Es brauche auch einen verstärkten Dialog mit der EU, insbesondere Italien und Deutschland, um mehr Transitverkehr von der Strasse auf die Schiene zu verlagern.

Auch die Einführung eines vierspurig Betriebs im Gotthardtunnel wird besprochen. Dies würde die Aufhebung des Alpenschutzartikels bedingen. Ob die Gotthard-Durchfahrt künftig digital abgewickelt wird, bleibt also abzuwarten.

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