Handelsstreit um Halbleiter

USA schränken Chip-Exporte nach China noch stärker ein

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von Dejan Wäckerlin und tme

Das US-amerikanische Handelsministerium hat Einschränkungen beim Export von Halbleiter-Elementen nach China und mehr als 40 andere Länder erweitert. China und die Halbleiterindustrie kritisieren die Entscheidung.

(Source: kjpargeter / freepik.com)
(Source: kjpargeter / freepik.com)

Der Handelsstreit im Halbleitergeschäft zwischen den USA und China geht in die nächste Runde. Das US-amerikanische Bureau of Industry and Security (BIS) verhängte am Dienstag weitere Exportbeschränkungen. Die USA unterbinden den Verkauf von weiteren Chips und Chip-Herstellungsanlagen nach China und 40 andere Länder, wie  "The Register" berichtet. Die 40 weiteren Länder seien betroffen, weil das BIS diese Länder des Weiterverkaufs nach China bezichtige. Erst im Juli hatte China unter dem Deckmantel der "nationalen Sicherheit" angekündigt, die Exporte von Gallium und Germanium einzuschränken.

Handelsministerin Gina Raimondo habe zudem mitgeteilt, dass die neue Vorschriften die Wirksamkeit der Kontrollen stärken und auch weitere Kanäle zur Umgehung der Beschränkungen gesperrt würden. Die Restriktionen seien eine Antwort auf die Bedrohung der US-Amerikanischen Sicherheit durch Pekings "militärisch-zivile Fusionsstragie". Unerwünschte Nebeneffekte auf den Markt und auf den Handel wolle man dabei möglichst minimieren.

Unter den letzten beiden Präsidenten haben die USA je länger je mehr Prozessortechnologien für den Export nach China gesperrt - mit gemischten Erfolg. Auf die Einschränkungen vom September 2022 reagierte der Chip-Hersteller Nvidia mit der abgespeckten Version H800 und A800 und konnte diese so umgehen, wie die "Tagesschau" schreibt. Und AMD kündigte im Sommer als Reaktion auf die Einschränkungen an, die MI300-Chips für KI-Anwendungen im vierten Quartal auf den Markt zu bringen.

Mit den neuen Einschränkungen, die in 30 Tagen in Kraft treten sollen, können aber die Chip-Hersteller auch diese abgespeckten Chips nicht mehr exportieren. Als Folge seien die Aktien von Nvidia vergangenen Dienstag um 5 Prozent eingebrochen.

Peking reagierte auf die neuen Einschränkungen mit Kopfschütteln. So liess die Sprecherin des chinesischen Aussenministeriums, Mao Ning, verlauten: "Wir haben unseren Standpunkt bezüglich der US-Beschränkungen des Chip-Exports nach China deutlich gemacht. Die USA müssen aufhören, Handels- und Technologiefragen zu politisieren und diese als Waffe einzusetzen und aufhören die globalen Industrie- und Lieferketten zu destabilisieren." Wie Mao anfügt, werde man die Entwicklungen genau beobachten und die Interessen und Rechte Chinas verteidigen.

Nicht nur China ist über die Entscheidung Washingtons unglücklich. Die Semiconductor Industry Association, Repräsentant vieler Chip-Manufakturen, fürchtet negative wirtschaftliche Folgen in der Chip-Industrie. Wie der Verband mitteilt, werden die generalisierten, unilateralen Einschränkungen den US-Amerikanischen Halbleitersektor schädigen. So würden die Beschränkungen andere Staaten dazu motivieren ihre Chips anderweitig zu beziehen. 

Als Reaktion auf die Handelsexporte kündigte AMD im Sommer an, die MI300-Chips für KI-Anwendungen im vierten Quartal auf den Markt zu bringen. Trotz US-Exportkontrollen will AMD auch an Kunden in China liefern.

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