Kritik am ICT-Projekt "digiFLUX"

EFK zerpflückt Pestizid-Datenbank des Bundes

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von Joël Orizet und NetzKI Bot und cbi

Die Eidgenössische Finanzkontrolle kritisiert die neue Pestizid-Datenbank "digiFLUX". Sie moniert schwere Mängel in der Projektführung, ungelöste Datenschutzfragen und eine mangelhafte technische Umsetzung.

(Source: Tomas Hudolin / Unsplash.com)
(Source: Tomas Hudolin / Unsplash.com)

Mit der digitalen Plattform "digiFLUX" will der Bund einen Auftrag des Parlaments umsetzen: Sie soll erstmals transparent aufzeigen, wo welche Mengen an Pflanzenschutzmitteln und Nährstoffen zum Einsatz kommen, und so eine verlässliche Grundlage für politische Massnahmen schaffen. Nach ersten Tests im vergangenen Jahr führte das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) die Plattform nun landesweit ein, wenn auch vorerst auf freiwilliger Basis. Die Eidgenössische Finanzkontrolle stellt dem Projekt allerdings ein vernichtendes Zeugnis aus.

Projektführung im Blindflug

Am härtesten geht die EFK mit der Führung des Projekts im BLW ins Gericht. Der Bericht spricht von einer "intransparenten und reaktiv geführten Situation", bei der die Projektleitung ihre Kernaufgaben wie Planung und Kontrolle vernachlässigt habe. Statt vorausschauend zu agieren, fehle eine klare Steuerung. Die EFK kommt zum Schluss, dass die Projektleitung die Führung "stark verbessern" und die "Kontrolle zurückgewinnen" müsse.

Landwirtschaft fürchtet den "gläsernen Hof"

Als vielleicht gravierendsten Punkt kritisiert die EFK die unklare Datennutzung. Die Datenbearbeiter hätten noch nicht definiert, wie sie die Daten effektiv verwenden wollen. Wörtlich heisst es im Bericht: Ohne diese Präzisierung "lässt sich weder der Zweck der Datenerhebung noch die Einhaltung des Datenschutzes beurteilen". Dies schüre die Sorge vor einem "gläsernen Hof" und die von den Nutzerinnen und Nutzern geäusserte Befürchtung, die Behörden könnten ihre Daten für ein Profiling missbrauchen.

Fehlerhafte App frustriert die User

Auch die technische Umsetzung der Anwendung kritisiert die EFK scharf. Das Projektteam habe sie nicht ausreichend getestet, zudem fehlten wichtige Dokumentationen sowie ein verlässlicher Support für die Anwender und Anwenderinnen. Wie Walter Risler von der Finanzkontrolle gegenüber dem "SRF" sagt, führe die fehlerhafte Applikation zu Frust. "Die Nutzer haben das Gefühl, jetzt wurde da etwas entwickelt und das funktioniert nicht. Ich habe gar keine Lust, das weiter anzuwenden", so Risler.

BLW gelobt Besserung - politischer Widerstand wächst

Das Bundesamt für Landwirtschaft musste gegenüber der EFK bereits Stellung nehmen und verspricht nachzubessern. BLW-Vizedirektor Bernard Belk räumt gegenüber "SRF" ein, dass zum Zeitpunkt der Kontrolle Dokumente gefehlt hätten, betont jedoch: "Diese Lücke ist jetzt aber geschlossen." Die Kritik aus der Landwirtschaft, das System sei bürokratisch, weist er zurück, da die Landwirte die Daten bereits heute erfassen müssten.

Doch der politische Gegenwind nimmt zu. Auf Bundesebene reichte Nationalrat Nicolas Kolly (SVP/FR) bereits eine Motion ein, um Teile der Meldepflicht wieder aus dem Gesetz zu streichen. Zudem starteten mehrere Kantone eigene Standesinitiativen gegen das Projekt. Gleichzeitig drohen Akteure aus der Land- und Ernährungswirtschaft mit einem Boykott des Systems. Die Zeit drängt: In weniger als einem Jahr muss das BLW die Fehler beheben und das Vertrauen der Nutzer und Nutzerinnen gewinnen.
 

Im Januar 2026 stellte die EFK übrigens fest, dass die IT-Governance des Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) verbesserungsbedürftig ist - mehr dazu lesen Sie hier

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