Effizienz endet nicht beim Gebäude
Rechenzentren sind zum Fundament unserer digitalen Gesellschaft geworden; ohne sie funktioniert fast nichts mehr. Doch während der Energiebedarf dieser Infrastrukturen rasant wächst, hinken die Messmethoden hinterher – und übersehen ausgerechnet jenen Bereich, in dem am meisten Energie fliesst.
Wer heute eine Überweisung tätigt, eine Videokonferenz startet oder einen Film streamt, denkt kaum an die Infrastruktur dahinter. Doch ohne Rechenzentren würde unser digitaler Alltag innerhalb von Sekunden zum Stillstand kommen. Sie sind das unsichtbare Rückgrat einer Wirtschaft, die zunehmend auf Daten angewiesen ist – und die Schweiz, mit einer der höchsten Rechenzentrumsdichten weltweit, steht dabei an vorderster Front.
Ein Wachstum, das Fragen aufwirft
Die Zahlen sind eindrücklich: Die Internationale Energieagentur schätzt, dass sich der Stromverbrauch von Rechenzentren bis 2030 mindestens verdoppeln werde – andere Schätzungen sprechen gar von einer Vervierfachung bis 2035. Hinter diesem Anstieg stehen drei Entwicklungen, die sich gegenseitig verstärken: die Digitalisierung immer weiterer Lebensbereiche; das Ende von Moore’s Law, das jahrzehntelang dafür sorgte, dass Prozessoren bei gleichem Energieverbrauch immer leistungsfähiger wurden; und schliesslich der Siegeszug der künstlichen Intelligenz, deren Modelle einen enormen Rechenaufwand erfordern.
Angesichts dieser Dynamik überrascht es nicht, dass Nachhaltigkeit in der Branche zu einem zentralen Thema geworden ist. Begriffe wie "Green Cloud" oder "Net Zero Datacenter" prägen das Marketing, und kaum ein grösserer Betreiber kommt heute ohne aufwändigen Nachhaltigkeitsbericht aus. Doch bei genauerem Hinsehen stellt sich eine unbequeme Frage: Messen wir eigentlich das Richtige?
Der blinde Fleck
Die gängigen Effizienzkennzahlen haben der Branche in den vergangenen Jahren wichtige Fortschritte ermöglicht, vor allem bei der Kühlung und Stromverteilung. Doch sie konzentrieren sich fast ausschliesslich auf das Gebäude – und genau hier liegt das Problem.
Nehmen wir den bekanntesten Effizienzindex: Power Usage Effectiveness, kurz PUE. Er setzt den Gesamtstromverbrauch eines Rechenzentrums ins Verhältnis zur Energie, die tatsächlich bei den IT-Systemen ankommt. Ein niedriger Wert gilt als Zeichen für eine effiziente Infrastruktur. Was die Kennzahl jedoch nicht erfasst, ist ebenso entscheidend: Sie sagt nichts darüber aus, was mit dieser Energie dann geschieht. Ein Rechenzentrum voller schlecht ausgelasteter Server kann einen hervorragenden PUE-Wert aufweisen – obwohl ein Grossteil der Energie ohne produktiven Nutzen verpufft. Auch die Herkunft des Stroms, ob aus fossilen oder erneuerbaren Quellen, bleibt unsichtbar. Selbst neuere regulatorische Ansätze wie das EU-Bewertungsschema setzen diesen Fokus fort: Sie erfassen nur die Gebäudeinfrastruktur, während die IT-Effizienz aussen vor bleibt – obwohl IT-Systeme in modernen Rechenzentren über 80 Prozent der Energie verbrauchen.
Breiter denken, genauer messen
Wer den tatsächlichen Energieverbrauch verstehen will, muss das Blickfeld erweitern. Vier Dimensionen sind dabei entscheidend: die Effizienz der Gebäudeinfrastruktur, die Auslastung der IT-Systeme, der CO2-Fussabdruck des bezogenen Stroms und der Wasserverbrauch für die Kühlung. Erst wenn alle vier Bereiche auf Basis von Betriebsdaten systematisch erfasst werden, entsteht ein Bild, das der Realität entspricht.
Die Welt braucht Rechenzentren – mehr denn je. Und gerade deshalb lohnt es sich, genauer hinzuschauen.
Wenn "The Lord of the Rings" ein episches Sci-Fi-Abenteuer wäre
BOC Group und Adesso Schweiz laden zum Swiss EA Connect Day 2026
Am 6. Mai erscheinen die neue Netzwoche und das Datacenter-Special
Das digitale Wettrüsten
Die KI-Revolution kühlen | Wie innovative Lösungen die Herausforderungen der RZs von morgen lösen
Jetzt hat das Internet Archive einen Standort in der Schweiz
Next-Level Networking: Wie Coop Pronto mit SD-WAN die digitale Zukunft gestaltet
Agentic AI: Gesteuerte Autonomie als Erfolgsfaktor
Vom Interface zum Dialog – so definiert KI die User Experience neu