Markt-Trends 2026

Das bewegt die Schweizer Digitalbranche 2026

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Cybersecurity und generative KI – diese Trendthemen treiben die Schweizer Digital- und Softwarebranche zurzeit am ­meisten um, wie die aktuelle Netzmedien-Umfrage zeigt. Die grösste Herausforderung liegt jedoch im Kerngeschäft: Der Verkauf, gebremst durch unsichere Kundenbudgets, bereitet den Unternehmen die meisten Sorgen.

(Source: musab - stock.adobe.com)
(Source: musab - stock.adobe.com)

Die hohe Relevanz von künstlicher Intelligenz zeigt sich deutlich in den Zahlen, wie die diesjährige Netzmedien-Umfrage unter den wichtigsten Schweizer ICT-Unternehmen zeigt: Für rund 96 Prozent der befragten Unternehmen ist der Themenkomplex "generative KI, KI-Assistenten" wichtig, knapp 71 Prozent stufen ihn als "sehr wichtig" ein. 

Trotz dieser Dominanz in der öffentlichen Wahrnehmung reicht es nicht ganz für den Spitzenplatz. Eine noch höhere Priorität räumt die Branche dem Thema "Cybersecurity & Datenschutz" ein: 95 Prozent erachten es als wichtig, mit einem Anteil von gut 75 Prozent "sehr wichtig" liegt es in der Endabrechnung knapp vorn. 
An der Spitze der Agenda steht damit kein einzelner Trend, sondern ein strategisches Duo, das die aktuelle Lage der Branche widerspiegelt. Die Notwendigkeit, in zukunftsweisende KI-Technologien zu investieren, trifft auf die dringende Aufgabe, die Grundlagen und die Sicherheit der bestehenden Systeme zu gewährleisten. Beides wird von den Unternehmen als nahezu gleichermassen existenziell betrachtet.

Hype-Themen im freien Fall

Im Verfolgerfeld der Toptrends positionieren sich strategische Dauerbrenner wie "Customer Experience" (93 Prozent Wichtigkeit) und "Digitale Souveränität" (90 Prozent Wichtigkeit). Besonders aufschlussreich ist jedoch der Blick ins Mittelfeld, wo "Datenstrategien, Analytics & Big Data" mit rund 81 Prozent Wichtigkeit rangiert. Der KI-Boom zwingt die Unternehmen offenbar dazu, ihre Datengrundlagen stärker in den Fokus zu rücken. Ohne qualitativ hochwertige und gut strukturierte Daten bleibt jede KI-Initiative wirkungslos – eine Erkenntnis, die sich nun in den Prioritäten niederschlägt.

Bemerkenswert ist zudem, dass klassische IT-Basisthemen wie Cloud-Migration, Automatisierung oder Plattform-­Software zwar hohe Zustimmungswerte erzielen, aber deutlich seltener als "sehr wichtig" eingestuft werden. Sie sind damit weniger Differenzierungsfaktor als vielmehr Voraussetzung – gewissermassen die Hygienefaktoren der digitalen Transformation.

Gleichzeitig findet eine deutliche Bereinigung auf den hinteren Rängen statt. Themen, die einst als Zukunftsmusik galten, sind im sprichwörtlichen Tal der Enttäuschungen angekommen. Das "Metaverse, VR & AR" wird von einer Mehrheit von rund 73 Prozent der Befragten als unwichtig abgetan. Noch deutlicher ist der Absturz bei "Blockchain, Smart Contracts": Ganze 55 Prozent stufen die Technologie als unwichtig ein; nur noch knapp 32 Prozent messen ihr eine Bedeutung bei. Der Markt hat die spekulativen Prioritäten radikal neu geordnet und setzt auf Pragmatismus.

Interessant ist dabei auch die hohe Unsicherheit bei diesen Themen: Überdurchschnittlich viele Befragte geben an, sie nicht beurteilen zu können. Das spricht weniger für aktive Ablehnung als vielmehr für eine gewisse Distanz zum operativen Geschäft.

Die grossen Bremsklötze im Markt

Die grössten Sorgen bereiten der Branche jedoch nicht die Technologien, sondern die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Die Rangliste der Herausforderungen wird von knallharten ökonomischen Faktoren dominiert. Die grösste Hürde sind "Budget- und Investitionsunsicherheiten bei Kunden", die für 72 Prozent der Unternehmen eine grosse oder eher grosse Herausforderung darstellen. Dicht darauf folgen der "Wettbewerbs-, Preis- und Margendruck" (71 Prozent) und "längere, komplexere Verkaufszyklen" (70 Prozent). Diese Faktoren erschweren das operative Geschäft und bremsen die Investitionsfreude. Auffällig ist die enge Ballung an der Spitze: Die drei grössten Herausforderungen liegen praktisch gleichauf. Das deutet darauf hin, dass sich der Druck nicht aus einem einzelnen Faktor speist, sondern aus einer Kombination struktureller Marktveränderungen im Vertrieb.

Interessanterweise rangiert die eigentliche Ursache dafür – "Inflation & makroökonomische Unsicherheiten" – mit Platz sieben deutlich weiter unten. Die Branche kämpft also primär mit den direkten Symptomen an der Verkaufsfront, während man die übergeordneten wirtschaftlichen Ursachen als weniger unmittelbare Herausforderung wahrnimmt. Direkt aus dem Hype um KI ergibt sich die viertgrösste Herausforderung: der "Technologie- und Innovationsdruck". Für rund 63 Prozent der Firmen ist es eine grosse oder eher grosse Belastung, mit dem rasanten Fortschritt mitzuhalten. Hier schliesst sich der Kreis zur Trend-Rangliste: Cybersecurity ist nicht nur das wichtigste strategische Trendthema, sondern für knapp zwei Drittel der Firmen auch eine konkrete Herausforderung im Alltag – und verbindet somit wie kaum ein anderes Thema langfristige Priorität mit operativem Handlungsdruck.

Eine Branche im Spagat

Gerade das zeigt den Unterschied zu vielen anderen Trendthemen: Eine klare Diskrepanz besteht zwischen strategischer Relevanz und operativer Belastung bei Themen wie Customer Experience oder digitaler Souveränität. Die Befragten stufen sie zwar als wichtig ein, dennoch tauchen sie nicht unter den grössten Herausforderungen auf. Das spricht dafür, dass die Unternehmen hier eher langfristig planen, während kurzfristig der Druck im Vertrieb und bei Technologiefragen dominiert.

Der langjährige Spitzenreiter der Sorgenliste, der Fachkräftemangel respektive der Themenkomplex "Rekrutierung & Qualifizierung", ist für 52 Prozent der Befragten weiterhin eine Herausforderung, rückt aber angesichts der Wucht der ökonomischen und technologischen Sorgen spürbar in den Hintergrund. 

Die Umfrage zeichnet das Bild einer Branche im Spagat. Einerseits zwingt der KI-Trend die Unternehmen zu massiven Investitionen und einem hohen Innovationstempo, um ihre Zukunftsfähigkeit zu sichern. Andererseits treffen sie auf einen Markt, der von Budgetkürzungen, Preisdruck und zögerlichen Kundenentscheidungen geprägt ist. Die zentrale Aufgabe für die Schweizer ICT-Unternehmen wird es sein, die Brücke zwischen diesem technologischen Aufbruch und einer wirtschaftlich angespannten Realität zu schlagen – eine Balance zwischen ambitionierter Offensive und solider Defensive. Insgesamt zeigen die Daten eine klare Verschiebung: weg von visionären Zukunftsthemen, hin zu unmittelbar wirksamen Technologien und harten Geschäftsrealitäten. Die Digitalbranche in der Schweiz wirkt 2026 weniger von Hype getrieben – und stärker von Umsetzbarkeit, Effizienz und wirtschaftlichem Druck geprägt.

 

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