Mehr als Controlling und Technologie
Cloud-Kosten hängen von vielen Faktoren ab. Um sie zu senken, sind klare Verantwortlichkeiten und aktuelle Verbrauchsdaten nötig. Doch auch Automatisierung und fundierte Handlungsempfehlungen sind unerlässlich.
Eine Alltagssituation: Das Projektteam benötigt zusätzliche Rechenleistung, und Minuten später stehen Instanzen und Testdaten für das nächste KI-Experiment bereit. Das ist Cloud Computing in Bestform: schnell, flexibel und ohne Beschaffungsstau. Doch was im Handumdrehen bereitsteht, läuft oft wochenlang weiter. Die Kosten entstehen sofort, die Verantwortung manchmal erst bei der Monatsrechnung. Deloitte zufolge liessen sich durch Cloud-Kostenmanagement rund 21 Milliarden US-Dollar einsparen; einzelne Unternehmen könnten ihre Cloud-Kosten sogar um bis zu 40 Prozent senken.
Das Schlüsselwort heisst Financial DevOps (FinOps). Gemeint ist ein Ansatz, der Cloud-Kosten transparenter und besser steuerbar machen soll. Die FinOps Foundation beschreibt FinOps als gemeinsame Aufgabe von IT, Fachbereichen und Finanzabteilungen. Genau darum geht es in der Praxis: Entwicklerteams müssen die wirtschaftlichen Folgen technischer Entscheidungen kennen. Finanzteams müssen verstehen, dass Cloud-Ausgaben dynamischer sind als klassische IT-Budgets. Und das Management muss Leitplanken setzen, ohne Innovationen durch lange Freigaben auszubremsen.
Im Betrieb braucht FinOps gemeinsame Kennzahlen und transparente Verbrauchsdaten. Typische Instrumente sind Showback, Chargeback, Budgetgrenzen. Showback macht Kosten sichtbar, Chargeback verrechnet sie weiter. Wer Ressourcen bestellt, skaliert oder dauerhaft laufen lässt, sieht die Konsequenzen.
Kostentransparenz – einfacher gesagt, als umgesetzt
Doch daran scheitert es oft: Testumgebungen laufen länger als geplant, Instanzen sind zu gross dimensioniert oder Speicher wird unnötig teuer genutzt. Oft fehlt der Überblick, welche Systeme noch gebraucht werden und wer dafür verantwortlich ist.
Die Kostenkontrolle von Cloud Computing bleibt komplex. Preise variieren nach Region, Service oder Laufzeit. Hinzu kommen in hybriden Umgebungen Private Cloud, VMware-Infrastrukturen, Edge-Systeme und SaaS-Dienste. Viele Unternehmen nutzen ausserdem mehrere Cloud-Anbieter gleichzeitig. Ohne konsolidierte Verbrauchsdaten lässt sich das kaum sinnvoll steuern.
FinOps braucht Organisation und Technologie
FinOps ist nicht nur eine organisatorische Aufgabe. Unternehmen benötigen auch Werkzeuge, die Verbrauchsdaten zusammenführen und Einsparpotenziale sichtbar machen. Viele Praxisbeispiele belegen den Nutzen des Ansatzes: HPE beispielsweise begann in einem internationalen Industrieprojekt die FinOps-Einführung mit einer Reifegradanalyse, dem Aufbau eines FinOps-Gremiums, klaren Kennzeichnungen von Ressourcen sowie Showback-Funktionen als Vorstufe zu Chargeback. Nach vier Monaten lagen die Cloud-Einsparungen nach Unternehmensangaben bei über 30 Prozent.
Für die technische Umsetzung von FinOps stehen verschiedene Plattformen zur Verfügung. Solche Lösungen bündeln Cloud-Management, Governance und Kostenkontrolle über hybride und Multi-Cloud-Umgebungen hinweg. Unternehmen können so Cloud-Ausgaben zuordnen, Showback- und Chargeback-Modelle abbilden und ungenutzte Ressourcen erkennen. Wichtig bleibt jedoch: Transparenz allein senkt keine Kosten. FinOps funktioniert nur, wenn Unternehmen Verantwortlichkeiten regeln und Kostenbewusstsein schaffen.
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