Verlage verklagen Google wegen Gemini-Training
Drei grosse Verlagsgruppen und der US-Schriftsteller Scott Turow werfen Google vor, ohne Erlaubnis Millionen urheberrechtlich geschützter Texte für das Training seiner Gemini-Modelle verwendet zu haben. Der Klageschrift zufolge war sich Google der rechtlichen und finanziellen Risiken dieses Vorgehens bewusst.
Die international tätigen Verlagsgruppen Hachette Book Group, Cengage Learning und Elsevier haben gemeinsam mit dem US-Autor Scott Turow eine Klage gegen Google eingereicht. Hachette veröffentlicht Belletristik und Sachbücher, Cengage ist auf Bildungsmedien spezialisiert und Elsevier zählt zu den weltweit grössten Wissenschaftsverlagen. Sie werfen Google vor, ohne Zustimmung der Rechteinhaber Millionen von Büchern und anderen Texten für das Training seiner Gemini-Sprachmodelle verwendet zu haben.
Nach Angaben der Kläger erfolgt die Klage auch im Namen einer Gruppe von Autorinnen, Autoren und Verlagen, die sich der angestrebten Sammelklage anschliessen sollen. Betroffen seien Belletristik und Sachbücher, Kinderbücher, Memoiren, Gedichte, Lehrbücher sowie wissenschaftliche Publikationen aus verschiedenen Fachgebieten.
Kläger erheben schwere Vorwürfe
Der Klageschrift zufolge nutzte Google unter anderem Bücher und Fachartikel, die dem Unternehmen für Dienste wie Google Books, Google Play Books oder Google Scholar nur für klar definierte Zwecke zur Verfügung standen. Ausserdem soll Google umfangreiche Datensätze aus gross angelegten Web-Crawls heruntergeladen haben, darunter Inhalte aus bekannten Pirateriequellen sowie von Websites mit Bezahlschranken. Die Kläger werfen Google zudem vor, Informationen zur Rechteverwaltung entfernt zu haben, um die Herkunft der verwendeten Werke zu verschleiern. Über diese Vorwürfe hat das Gericht noch nicht entschieden.
Die Kläger argumentieren zudem, Gemini könne Inhalte erzeugen, die mit Originalwerken konkurrieren und diese teilweise ersetzen. Auch darüber soll das Gericht im weiteren Verfahren befinden.
Die Klageschrift verweist ausserdem auf mehrere interne Google-Dokumente. Eines davon soll den Einsatz urheberrechtlich geschützter Bücher aus Google Play Books für das KI-Training als "äusserst problematisch für Google" bezeichnet und mögliche Bussgelder "in der Grössenordnung von Dutzenden bis Hunderten Milliarden US-Dollar" erwähnt haben. Ein weiteres Dokument soll davor gewarnt haben, dass Verlage das Training von KI-Modellen mit ihren Büchern als Urheberrechtsverletzung einstufen und deshalb Inhalte aus Google Play Books zurückziehen oder Klage erheben könnten.
Google ist mit der neuen Klage nicht allein. Gegen mehrere Anbieter generativer KI laufen derzeit Urheberrechtsverfahren. Zuletzt einigte sich Anthropic mit Tausenden von Autorinnen und Autoren auf einen Vergleich über 1,5 Milliarden Dollar. Das zuständige Gericht muss diesen Vergleich nach einer Anhörung im Mai 2026 allerdings noch endgültig genehmigen.
Übrigens: Mehr über den Vergleich, auf den sich Anthropic im Urheberrechtsstreit geeinigt hat, lesen Sie hier.
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